viel sprechen . Viel sprechen ist überhaupt ein Glück und unter Umständen die wahre diplomatische Klugheit ; es ist dann das einzelne nicht mehr recht festzustellen , oder noch besser , das eine hebt das andere wieder auf . « Erichsen lächelte . » Sie lächeln , Erichsen , und es kleidet Ihnen . Außerdem aber mahnt es mich - denn ein Lächeln , weil es in seinen Zielen meist unbestimmt bleibt , kritisiert immer nach vielen Seiten hin - , daß es Zeit ist , unsren Holk freizugeben ; es ist schon ein Viertel nach elf , und die Hansens sind reputierliche Leute , die die Mitternacht nicht gern heranwachen , wenigstens nicht nach vorn heraus und mit Flurlampe . Drüben am Tisch ist übrigens auch schon alles aufgebrochen . Ich werde inzwischen die Berechnung machen ; erwarten Sie mich draußen an der Hauptwache . « Holk und Erichsen schlenderten denn auch draußen auf und ab . Als sich ihnen Pentz wieder zugesellt hatte , gingen sie auf die Dronningens-Tvergade zu , wo man sich , gegenüber dem Hause der Frau Hansen , verabschiedete . Das Haus lag im Dunkel , und nur das Mondlicht blickte , wenn die Wolken es freigaben , in die Scheiben der oberen Etage . Holk hob den Klopfer , aber eh er ihn fallen lassen konnte , tat sich auch schon die Tür auf , und die junge Frau Hansen empfing ihn . Sie trug Rock und Jacke von ein und demselben einfachen und leichten Stoff , aber alles , auf Wirkung hin , klug berechnet . In der Hand hielt sie eine Lampe von ampelartiger Form , wie man ihnen auf Bildern der Antike begegnet . Alles in allem eine merkwürdige Mischung von Froufrou und Lady Macbeth . Holk , einigermaßen in Verwirrung , suchte nach einer Anrede , die junge Frau Hansen kam ihm aber zuvor und sagte , während ihr die Augen vor anscheinender Übermüdung halb zufielen , ihre Mutter lasse sich entschuldigen ; so rüstig sie sei , so brauche sie doch den Schlaf vor Mitternacht . Holk gab nun seinem Bedauern Ausdruck , daß er sich verplaudert habe , zugleich die dringende Bitte hinzufügend , ihn , wenn es wieder vorkäme , nicht erwarten zu wollen . Aber die junge Frau , ohne direkt es auszusprechen , deutete wenigstens an , daß man sich ein jedesmaliges Erwarten ihres Hausgastes nicht nehmen lassen werde . Zugleich ging sie mit ihrer Ampel langsamen Schritts vorauf , blieb aber , als sie bis unten an die Treppe gekommen war , neben derselben stehen und leuchtete , die Linke auf das Geländer stützend , mit ihrer hocherhobenen Rechten dem Grafen hinauf . Dabei fiel der weite Ärmel zurück und zeigte den schönen Arm . Holk , als er oben war , grüßte noch einmal und sah , als sich gleich danach auch die junge Frau langsam und leise zurückzog , wie das Spiel der Lichter und Schatten auf Flur und Treppe geringer wurde . Horchend stand er noch ein paar Augenblicke bei halb geöffneter Tür , und erst als es unten dunkel geworden war , ließ er auch seinerseits die Tür ins Schloß fallen . » Eine schöne Person . Aber unheimlich . Ich darf ihrer in meinem Brief an Christine gar nicht erwähnen , sonst schreibt sie mir einen Schreckbrief und läßt alle fraglichen Frauengestalten des Alten und Neuen Testaments an mir vorüberziehen . « Elftes Kapitel Holk hatte sich vorm Einschlafen , trotz aller Ermüdung von der Reise , mit dem Bilde der jungen Frau Hansen beschäftigt , jedenfalls mehr als mit Politik und Prinzessin . Am anderen Morgen aber war alles verflogen , und wenn er der Erscheinung mit der Ampel auch jetzt noch gedachte , so war es unter Lächeln . Er sann dabei nach , welche Göttin oder Liebende , mit der Ampel umhersuchend , auf antiken Wandbildern abgebildet zu werden pflege , konnt es aber nicht finden und gab schließlich alles Suchen danach auf . Dann zog er die Klingel und öffnete das Fenster , um noch vor dem Erscheinen des Frühstücks einen Zug frische Luft nehmen und einen Blick auf die Straße tun zu können . Es waren nur wenige , die zu so verhältnismäßig früher Stunde die Dronningens-Tvergade passierten , aber jedes einzelnen Haltung war gut , alles blühend und frisch , und er begriff den Stolz der Dänen , die sich als die Pariser des Nordens fühlen und nur den Unterschied gelten lassen , ihrem Vorbild noch überlegen zu sein . In diesem Augenblicke bauschten die Gardinen am Fenster , und als er sich umsah , sah er , daß Witwe Hansen mit dem Frühstückstablett eingetreten war . Man begrüßte sich , und nach der selbstverständlichen Frage , wie der Herr Graf geschlafen und was er geträumt habe , » denn der erste Traum gehe immer in Erfüllung « , legte die Hansen das Tuch und baute dann alles , was eben noch auf dem Tablett gestanden hatte , auf dem Frühstückstisch auf . Holk musterte die ganze Herrlichkeit und sagte dann : » Man ist doch nirgends besser aufgehoben als bei Witwe Hansen ; es lacht einen alles an , alles so blink und blank und am meisten Witwe Hansen selbst . Und das chinesische Geschirr zu dem Tee ! Man merkt an allem , daß Ihr Seliger ein Chinafahrer war , und Ihr Schwiegersohn , wie mir Baron Pentz gestern abend erzählt hat , ist es auch und heißt auch Hansen ; derselbe Name , derselbe Titel , so daß es einem passieren kann , Mutter und Tochter zu verwechseln . « » Ach , Herr Graf « , sagte die Hansen , » wer soll uns verwechseln ? Ich , eine alte Frau , mit einem langen und schwerer Leben ... « » Nun , nun . « » ... Und Brigitte , die morgen erst dreißig wird ! Aber Sie dürfen mich nicht verraten , Herr Graf , daß