dem hab ich Respekt un brauche mir nich erst sagen zu lassen , daß ich Respekt vor ihm haben soll . Un denn , Graf , man nich immer jleich mit die Halderns . Ich habe welche gekannt , die waren auch erst neunzehn und keine Halderns und saßen nich zu Pferde , nein , immer bloß auf Gebrüder Benekens , un mußten auch immer vorwärts . Un zuletzt , als es bergan ging un sie nich mehr konnten , da hielten sie sich an die Kusseln , weil sie sonst rücklings runtergefallen wären , un immer die verdammten Dinger dazwischen , die so quietschen un sich anhören wie ' ne Kaffeemühle . Ne , ne , Graf , die Halderns haben es nich alleine gemacht un der junge Graf auch nicht . Aber er hat seine Schuldigkeit getan un seine Gesundheit drangegeben , und da werd ich ihm doch nichts anreden - i , da biß ich mir ja lieber die Zunge ab . Ich habe bloß sagen wollen , daß an Stine kein Untätchen is . Un dabei bleib ich . Und da wir nu mal davon reden , dabei bleib ich auch , daß ans Gräfliche öfter so was is als an unserein , un nu gar erst an Stinechen . Ich weiß nicht , wie die Dokters es nennen , aber das weiß ich , es gibt Untätchen schon von ' n Urgroßvater her . Un die Urgroßväter , was so die Zeit von ' n dicken König war , na , die waren schlimm . Und die Halderns werden woll auch nich anders gewesen sein als die andern . « » Es ist gut « , sagte der alte Graf mit wiedergewonnener Ruhe . » Was du gleich zuerst gesagt hast von dem Schlosser drüben und seinem Neffen , das ist die Hauptsache , das hat mich überführt . Ich glaube jetzt , daß du unschuldig an der Sache bist , und muß auch einräumen , es sieht dir nicht ähnlich . Du bist viel zu klug und zu verständig , um solchen Unsinn in Gang zu bringen . Denn du sagst es ja selbst , ein Unsinn ist es und ein Unglück dazu . Und noch dazu für alle beide . « Pauline nickte zustimmend . » Also ein Unglück , sag ich . Und nun laß uns überlegen , wie wir da rauskommen oder es wenigstens eingrenzen und wieder Schick in die Sache bringen . Waldemar ist eigensinnig - alle Kranken sind es - und wird von seinem Vorhaben nicht lassen wollen , davon bin ich überzeugt . Es ist also nur dadurch etwas zu machen , daß wir auf den andern Part , auf deine Schwester , einen Einfluß gewinnen . « Die Pittelkow zuckte mit den Achseln . » Du willst sagen , es fehlt auch ihr nicht an Eigensinn . Und ich glaub es beinah . Außerdem ist alles Zureden umsonst , solange noch die Möglichkeit für Stine bleibt , Waldemar zu sehn und zu sprechen . Den wird sie natürlich lieber hören als uns . Jeder hört am liebsten , was ihm schmeichelt und wohltut . Ich seh also nur ein Mittel : sie muß fort . Und ich stelle dir alles dabei zur Verfügung . Überlege . Sie wird doch irgendwo in der Welt , in der Priegnitz oder Uckermark , eine Freundin oder Anverwandte haben , und wo nicht , so müssen wir so was erfinden . Da muß sie hin . Nur weg von hier , weg . Zeit gewonnen , alles gewonnen . Und ist erst eine Trennung da und haben beide vierzehn Tage lang eingesehn , daß sich auch ohne Mondscheinkuß immer noch leben läßt , so haben wir wenigstens einen guten Anfang gemacht . Und dann sehen wir weiter . « Die Pittelkow war im wesentlichen damit einverstanden und fiel , als ihr Haldern auch erzählt hatte , daß Waldemar nach Amerika wolle , rasch wieder in ihren Alltags- und Gemütlichkeitston . » Ich war von Anfang an dagegen . Und nu will er auch noch nach Amerika ! Du mein Gott , was will er da ? Da müssen sie scharf ran , un bei sieben Stunden in Stichsonne , da fällt er um . Erst heute früh haben sie hier einen vom Bau vorbeigebracht un war noch dazu ein Steinträger mit Schnurrbart und Soldatenmütze , was immer die Stärksten sind . Un nu solch armer Invalide . Graf , ich werd es schon machen un will gleich zu Wanda , die muß mir eine Geschichte zurechtlügen . Un wenn ich die habe , dann packen wir Stinen ein , nach Alt-Landsberg oder nach Bernau mit ' s Storchnest oder nach Fürstenwalde . Sie will immer beistehn un helfen , und wir müssen ihr so was vorreden von Beistand un Hilfe . « Der Graf war erfreut , und so trennten sie sich . Vierzehntes Kapitel Die Pittelkow , als der Graf fort war , warf sich in Staat , nahm ihren Umhang und ging in die Tieckstraße , um mit Wanda zu beraten , was zu tun und in welchem märkischen Neste Stine wohl am besten unterzubringen sei . Wanda , dessen entsann sie sich , hatte eine ältere , nach Teupitz hin an einen Schlächtermeister verheiratete Halbschwester ; vielleicht wenn man sagte , daß da was Kleines angekommen und der Mann , samt seinen vielen Kindern , eines Beistands in der Wirtschaft bedürftig sei ? » Ja , so muß es gehn . Un is erst wer in Teupitz , so kommt er so bald nich wieder weg . Und die Frau wird sie schon festhalten - so viel wird sie doch woll von Wandan haben , daß sie nich gleich lockerläßt . Und wenn jrade geschlachtet wird , kann Stine ja zusehn und hat en bißchen Zerstreuung . « In dieser Richtung gingen die Gedanken der Pittelkow , die , während sie diese Pläne machte , nicht ahnen konnte