. » Sieht man Dich endlich wieder ! « empfing mich Lori . » Du bist ja in letzter Zeit ganz Einsiedlerin geworden . Auch meinen künftigen Schwiegersohn habe ich schon lange nicht die Ehre gehabt bei mir zu sehen - Beatrix wird das sehr übel nehmen ... Jetzt erzähle , Kind , was treibst Du ? ... Und wie geht es Rosa und Lilli ? Für Lilli habe ich übrigens eine interessante Nachricht , die mir mein Mann gestern aus dem Kaffeehaus mitgebracht : es ist einer sehr verliebt in sie - einer , von dem ich glaubte , er machte Dir die Kour ... doch das erzähle ich später . Was Du da für ein hübsches Kleid hast - von der Francine , nicht wahr ? Das habe ich gleich erkannt - sie hat doch ein eigentümliches Cachet ... Und der Hut von Gindreau ? Steht Dir allerliebst ... Er macht jetzt auch Kostüme , nicht nur Hüte ... auch mit ungeheurem Geschmack . Gestern Abend bei Dietrichstein - warum bist Du nicht gekommen ? - hatte die Nini Chotek eine Gindreausche Toilette an und sah beinahe hübsch aus ... « So ging es eine Zeit lang fort und ich antwortete im selben Tone . Nachdem ich das Gespräch geschickt auf die in der » Welt « kursierenden Klatschereien gelenkt , stellte ich in möglichst unbefangener Weise die Frage : » Hast Du auch gehört , daß Prinzessin * * * ein Verhältnis mit - mit einem gewissen Baron Tilling haben soll ? « » Ich habe so etwas gehört - aber jedenfalls ist das de l ' histoire ancienne . Heute ist es eine allbekannte Sache , daß die Prinzessin für einen Burgschauspieler schwärmt . Interessierst Du Dich etwa für diesen Baron Tilling ? Du wirst rot ? Da hilft kein verneinendes Kopfschütteln - beichte lieber ! Es ist ohnedies unerhört , daß Du so lang kalt und fühllos bleibst ... es wäre mir eine wahre Genugthuung , Dich einmal verliebt zu wissen ... Freilich , eine Partie für Dich wäre Tilling nicht - da hast Du glänzendere Bewerber - er soll gar nichts haben . Nun , Du bist selber reich genug - aber er ist auch zu alt für Dich ... Wie alt wäre jetzt der arme Arno ? ... Das war doch gar zu traurig damals ... den Augenblick werde ich nie vergessen , da Du mir meines Bruders Brief vorgelesen ... Ja , es ist doch eine schlimme Einrichtung , der Krieg ... Für manche - für andere ist er eine wunderschöne Einrichtung : mein Mann wünscht sich nichts sehnlicher , als daß es bald wieder zu etwas käme ; er möchte sich so gern auszeichnen . Ich begreife dies - wenn ich ein Soldat wäre , würde ich mir auch wünschen , eine Großthat machen zu können , oder doch in der Karriere vorwärts zu kommen - « » Oder verkrüppelt oder totgeschossen zu werden ? « » Daran dächt ' ich nie . Daran soll man nicht denken - und es trifft ja doch nur die , denen es bestimmt ist . - So war es Deine Bestimmung , Herz , eine junge Wittwe zu werden . « » Darum mußte der Krieg mit Italien ausbrechen ? « » Und wenn es meine Bestimmung ist , die Frau eines verhältnismäßig jungen Generals zu sein - « » So muß es nächstens zu einem Völkerkonflikt kommen , damit Griesbach schnell avanciren könne ? Du zeichnest der Weltordnung einen sehr einfachen Lauf vor . - Was wolltest Du mir mit Bezug auf Lilli erzählen ? « » Daß Euer Vetter Konrad für sie schwärmt . Ich vermute , er wird nächstens um sie anhalten . « » Das bezweifle ich . Konrad Althaus ist ein viel zu flatterhafter und toller Bursch ' , um ans Heiraten zu denken . « » Ach , toll und flatterhaft sind sie ja alle und heiraten doch , wenn sie sich vernarren ... Glaubst Du , daß er der Lilli gefällt ? « » Ich habe nichts bemerkt . « » Er wäre eine sehr gute Partie . Wenn sein Onkel Drontheim stirbt , so erbt er die Herrschaft Selavetz . Apropos Drontheim - weißt Du , daß der Ferdi Drontheim , derselbe , der sein Vermögen mit der Tänzerin Grilli durchgebracht hat , jetzt eine reiche Bankierstochter heiraten soll ? - Nun - empfangen wird sie doch niemand ... Kommst Du heute Abend zur englischen Botschaft ? Wieder nicht ? Eigentlich hast Du recht - in diesen Gesandtschafts-Raouts fühlt man sich doch nicht so ganz unter sich : es sind so viele fremdartige Leute dabei , von denen man nicht sicher weiß , ob sie comme il faut sind ; jeder durchreisende Engländer , der sich bei seinem Gesandten vorstellen läßt , wird da eingeladen - wenn es auch ein bürgerlicher Gutsbesitzer , oder gar Industrieller oder so etwas ist . Ich habe die Engländer nur in der Tauchnitz-Edition gern ... Hast Du » Jane Eyre « schon ausgelesen ? - nicht wahr , wunderhübsch ? Wenn Beatrix zu sprechen anfängt , werde ich ihr eine englische Bonne nehmen ... Mit der Französin des Xaver bin ich gar nicht zufrieden ... Neulich bin ich ihr auf der Straße begegnet , wie sie den Kleinen ausführte , und ein junger Mann - anscheinend ein Kommis - ging nebenher , in angelegentlichstem Gespräch mit ihr . Plötzlich stand ich vor ihnen - die Verlegenheit hättest Du sehen sollen ! Überhaupt , mit den Leuten hat man sein Kreuz ! ... Da ist meine Jungfer , die hat mir gekündigt , weil sie heiratet - jetzt , wo ich sie gewohnt war - es ist nichts unausstehlicher , als neue Gesichter zum bedienen ... Was ? Du willst schon fort ? « » Ja , liebes Herz - ich muß noch einige unaufschiebbare Besuche machen ... adieu . « Und ich ließ mich nicht bewegen auch » nur noch