standen die Schoten-und die Spargelstauden , und der brüchige Bretterzaun war längst durch einen neuen ersetzt worden . - Die Herde wuchs alljährlich um zwei oder drei wertvolle Kühe , und der Milchwagen , der allmorgendlich nach der Stadt fuhr , brachte am Ersten manchen schönen Groschen heim . Daß trotzdem von einem beginnenden Wohlstand keine Rede sein konnte , daran war nur der Vater schuld , der den größten Teil der Einkünfte verspekulierte , wenn er sie nicht durch die Gurgel jagte . Hinter seinem Rücken hatte Paul es möglich gemacht , daß wenigstens für die Geschwister allmonatlich ein paar Taler erübrigt wurden . Die Brüder brauchten mehr Geld denn je . Max hatte das Staatsexamen gemacht und absolvierte nun unentgeltlich sein Probejahr bei einem Gymnasium ; und Gottfried , der Kontorist , war alljährlich etliche Monate außer Stellung . Die beiden schrieben Bittbriefe in allen möglichen Tonarten , von der jovialen Forderung : » Pump mir mal sofort dreißig Taler , « bis zum herzzerreißenden Flehen : » Wenn Du nicht willst , daß ich zugrunde gehen soll , so habe Erbarmen « und so weiter . Paul verbrachte manche schlaflose Nacht über dem Sinnen , wie ihnen zu helfen , und nicht selten geschah es , daß er sich das Geld an seinem eigenen Leibe absparte . Einmal hatte ihm Gottfried geschrieben , daß er gänzlich abgeledert sei und notwendig einen Sommeranzug brauche . Paul wollte sich gerade einen Sonntagsrock machen lassen , denn sein alter war ihm ausgewachsen ; seufzend packte er das Geld , das er dafür bestimmt hatte , in ein Kuvert und schickte es dem Bruder , ließ aber in dem Begleitbriefe etwas davon einfließen , daß es mit seiner eigenen Garderobe nicht minder übel bestellt sei . Der Bruder zeigte sich großmütig , er schickte ihm vierzehn Tage später ein Paket mit Kleidern und einen Brief , in dem es hieß : » Ich schicke Dir anbei einen abgelegten Anzug von mir . Du in Deiner anspruchslosen Stellung wirst ihn wohl noch verwerten können . « Auch den Zwillingen hatte Paul eine glänzendere Zukunft ermöglicht , als die gedrückten Verhältnisse des Hauses es erwarten ließen . Er hatte dahin gewirkt , daß die Pfarrerin , eine ehemalige Gouvernante , sie in die Privatschule aufnahm , die sie für die Töchter wohlhabender Besitzersfamilien aus der Umgegend errichtet hatte . Das Schulgeld war nicht das schlimmste dabei - auch die Bücher und Hefte ließen sich wohl auftreiben - aber schwer , sehr schwer war es , die nötige Garderobe instand zu halten , denn sein Stolz litt es nicht , daß die Schwestern hinter ihren Freundinnen zurückblieben und etwa als Bettlerkinder von ihnen betrachtet würden . Er selbst hatte das Gefühl , über die Achsel angesehen zu werden , allzu sehr an sich kennen gelernt , um es den Schwestern zu gönnen . An der Mutter fand er selbst für diese weiblich gearteten Sorgen keinen Rückhalt mehr . Sie war nun durch die steten Scheltreden ihres Mannes so sehr verängstigt , daß sie nicht mehr den Mut fand , einen Fetzen Band auf eigene Verantwortung einzukaufen . » Was du tust , mein Sohn , wird gut sein , « sagte sie ; und Paul fuhr zur Stadt und ließ sich von dem Manufakturisten und der Schneiderin betrügen . Die Zwillinge blühten empor , sorglos und übermütig , ohne eine Ahnung davon , welch ein Trauerspiel sich in ihrer nächsten Nähe abspielte . In ihrem zehnten Jahre prügelten sie sich mit den Jungen des Dorfes herum , im zwölften gingen sie mit ihnen auf den Birnendiebstahl , und im fünfzehnten ließen sie sich von ihnen Veilchensträuße schenken ... Sie galten nun weit und breit als die schönsten Mädchen der Gegend . Paul wußte das wohl und war nicht wenig stolz darauf , aber was er nicht wußte , war , daß sie sich hinter dem Gartenzaune Stelldichein gaben und daß die Hälfte ihrer Konfirmationsbrüder sich rühmen durfte , ihre süßen , roten Lippen geküßt zu haben . - 10 Es war im Monat Juni an einem sonnigen Sonntagnachmittag . Aus dem Walde herüber erscholl leise Trompetenmusik . Dort wurde heut ein großes Fest gefeiert . Eine städtische Musikkapelle hatte sich anwerben lassen , ein Konzert zu geben . Von weit und breit waren die Landbewohner herbeigeströmt , selbst die Rittergutsbesitzer hatten nicht verschmäht , ihre Teilnahme zuzusagen , denn dergleichen ereignete sich nicht häufig in dem stillen Hinterwald . Von Mittag an waren lange Wagenreihen an dem Heidehof vorübergezogen , und der alte Meyhöfer , der nicht gern zu Hause saß , wenn irgendwo was los war , hatte plötzlich einen Anfall von Güte bekommen und den Weibern zugerufen , sich schleunigst bereit zu machen , er wolle sich opfern und sie zum Feste führen . Die Zwillinge , die schon lange mit begierig glänzenden Augen zum Fenster hinausgestarrt hatten , brachen in lauten Jubel aus , Frau Elsbeth lächelte still zu ihnen hinüber und wandte sich dann zu Paul , der in einer Ecke saß und ruhig an seinen Blumenstöcken weiterschnitzelte , als ob ihn das alles nichts anginge . » Willst du nicht mit ? « fragte sie . » Paul kann kutschieren , « rief Meyhöfer nachlässig . Er dankte und meinte , sein Rock sei zu schäbig , auch wolle er die Tagelöhner kontrollieren , die sich mit Sonnenuntergang einzufinden hatten . Morgen sollte die Heuernte beginnen . Die Zwillinge sahen ihn an , steckten die Köpfe zusammen und kicherten dann , als er zur Tür hinausschritt , hängten sie sich an ihn , und Käthe zischelte : » Du , wir wissen was ! « » Na , was wißt ihr denn ? « » Was Schönes ! « meinte Grete geheimnisvoll . » ' raus damit ! « » Elsbeth Douglas ist wieder zu Hause . « Und in ein helles Gelächter ausbrechend , jagten sie von dannen . Paul empfand zuerst einen großen Zorn , daß sie