durchbraust . Dies wollte ich mir zu bemerken erlauben , ehe ich zur Eröffnung meiner Ansicht übergehe und dabei mich mehr mit den faktischen Verhältnissen beschäftige , als bisher geschehen ist . « Die unerwartete Predigt war nicht wohl angebracht . Nachdem schon früher ein Murren vernommen worden , unterbrach jetzt einer den Sprecher und verlangte das Wort : Es scheine wieder einmal Eile zu haben mit der Reaktion ! Kaum seien einige Jahre dahingeschwunden , so möge ein Kind dieser Landesgegend , ein ehemaliges Mitglied der Volksschule , freilich jetzt in goldenen Ketten hängend , so vermöge Herr Martin Salander das Wort Republik nicht mehr zu vertragen ! Unter solchen Umständen sei denjenigen , die sich noch dazu bekennen , nicht zuzumuten , in ernster Volksverhandlung Reden der Feindseligkeit anzuhören . Wenn sonst niemand mehr zu sprechen wünsche , so trage man auf Schluß der Diskussion und Abstimmung an . Salander , der stehen geblieben , wollte mit gehobener Stimme fortfahren . Einige , die aus der Sache nicht klug wurden , unterstützten ihn , andere , denen der Sinn seiner Rede ebenfalls zu hoch gewesen , aber verdächtig schien , ereiferten sich dagegen ; es entstand ein Wirrwarr , in welchem diejenigen obsiegten , welche ihn wohl verstanden , wie Martin es meinte , aber eben das von ihm Gemeinte haßten und nicht leiden wollten . Das Wort blieb ihm entzogen , ein Gegenantrag wurde nicht gestellt und die betreffende Sache für geschlossen erklärt . Sie fiel freilich im weiteren Verlaufe später unrühmlich dahin ; Martin Salander hingegen war heute um eine Erfahrung reicher . Er verließ das Haus und das ansehnliche Dorf , ohne weiter jemand zu sehen , und anstatt die Bahn zu benutzen , auf welcher er gekommen , schlug er einen Fußweg ein , der quer durch Felder und Wälder nach Münsterburg führte . Auf diesem einsamen Gange konnte er überlegen , inwiefern es nicht nur für den höheren Staatsmann , sondern auch für den Volksmann zweckmäßig sei , moralische Aufrichtigkeiten zu unterdrücken . Am Ende , dachte er , bin ich doch froh , daß ich es gesagt habe ! Etwas bleibt davon doch hängen ; und wenn sie mich nach ihrem Sinne in die Zeitungen tun , so will ich erst laut predigen , daß der Name Republik kein Stein sei , den man dem Volke für Brot geben dürfe . Das redliche Vorhaben erhellte ihm das etwas verdrossene Gemüt ; rüstigen Schrittes bestieg er die Anhöhen , die ihn noch von der Stadt trennten , und der lange Hochsommertag ließ ihn vor Sonnenuntergang die Scheitelhöhe erreichen , wo seiner eine seltsame Überraschung wartete . Auf einer frischgemähten Wiese , zum Teil von Gehölz umgeben , hatte der Wirt des nahen Hofes eine kleine Lustbarkeit aufgeschlagen , indem er im Schatten der Bäume einige lange Tische hinstellte und auf die Wiese einen großen Bottich umstürzte . Auf diesem saßen drei bescheidene Musikanten , die eine gemächliche Tanzmusik aufführten . Martin hatte die durch die stille Luft fast sehnsüchtig klingende Kunstlosigkeit schon ein Weilchen vernommen ; jetzt erblickte er ein junges Völkchen , welches in lockerem Ringe und freien Gruppen um den Bottich herumtanzte , ohne allen Lärm , im goldenen Abendschein , daß die verlängerten Schatten der Tänzer auf dem grüngoldenen Boden mitspielten . Salander ergötzte sich an dem Anblick . Ein Bild wie aus einer andern Welt ! dachte er , wie friedlich und grundvergnügt ! Was mag das nur für eine Gesellschaft sein ? Die meisten sind gut gekleidet , einige zierlich , andere schlichter ! Junge Mädchen , junge Knaben ! Aber wie erstaunte er , als er nähertretend seine eigenen Töchter erkannte , die jetzt , im Alter von achtzehn bis neunzehn Jahren , schlank und anmutig , an der Seite von jüngeren Knaben sich drehten , die nicht minder hübsch aussahen und schon hoch aufgeschossen waren , wie die Mädchen . Salander konnte nicht umhin , das erste Paar , Netti und ihren Knaben , mit den Blicken zu verfolgen und den muntern Tänzer näher ins Auge zu fassen . Es war , wie gesagt , ein feingelenker Bursche , dessen blonde Haarwellen im Sonnengolde flogen und schimmerten . Indem er dem Paare nachblickte , verlor er dasselbe aus den Augen und suchte daher das andere Mädchen , Setti , das er von weitem bemerkt hatte . Und soeben kam es herangeschwebt , aber , wie ihn dünkte , mit dem gleichen Jüngling , demselben Goldhaar , wie Netti . Die Wetterhexen haben schöne Anlagen ! fuhr es ihm durch den Sinn , die verstehen es ja schon vortrefflich , die Knaben auszuwechseln ! Da muß man doch ein wenig zusehen ! Er ließ das Pärchen vorbeigehen und schaute ihm genau nach , indessen von der andern Seite her wiederum Netti , immer mit dem gleichen Cherub zur Seite , anrückte , diesmal aber dicht vor ihm anhielt , da die Musik aufhörte . » Oh , da ist ja der Vater ! Hast du uns aufgesucht und gewußt , daß wir hier sind ? « rief die Tochter erfreuten Herzens . » Woher sollte ich es wissen ? Ich komme ganz zufällig daher ! Was ist das für ein Ball ? Ist Setti auch hier ? « » Natürlich ja , und die Mutter mit Arnold auch , die sitzen dort an einem der Tische ! Weil du gesagt hattest , du würdest mit dem letzten Zuge um zehn Uhr heimkehren , anerbot sie uns , auf den Berg zu gehen . « Salander wollte nun nach ihrem Tanzgesellen fragen , wer der junge Herr eigentlich sei ( der jetzt den Hut zum zweiten Male zog ) , als die Schwester mit dem ihrigen zur Stelle kam , so daß jener beide nebeneinanderstehen sah und sich noch mehr wunderte . » Das sind die Herren Isidor und Julian Weidelich , Schulkameraden von Arnold ! « erklärte die ältere Tochter . » Ei so ? « sagte