- nein ! besser hoffnungslos als getäuscht . Der geirrt hat - leide ! ... Ich habe geirrt , als ich glaubte , in Ihnen die einzige gefunden zu haben , die meinem armen verwaisten Kinde die Mutter ersetzen könnte ! Damit wandte er sich und verließ nach kurzem Gruße das Zimmer . Am frühen Morgen brachen wir auf , die beiden Herren im ersten Wagen , Francine , Anka und ich im zweiten . Anka war wieder von ihrem Reisetaumel erfaßt . Bis an ihr Ende soll ihr die Lust am Reisen geblieben sein , die so viele Menschen haben , in deren Seele nichts vorgeht . Unbewußt fühlen sie sich getrieben , den Mangel an innerer Bewegung durch äußere zu ersetzen . Bei den Haltestationen kam der Graf zu uns , schritt auch wohl , wenn es langsam bergan ging , neben unserm Wagen , sprach mit Anka und bedauerte Francine , die an einer heftigen Migräne litt . An mich richtete er nicht ein einziges Mal das Wort . Am letzten Tage vor einem Abschied für das Leben demütigte er mich vorsätzlich durch die Hartnäckigkeit , mit der er mich übersah . Und Anka wurde immer toller . - Du bist ja sehr lustig , sagte er zu ihr . - Ja , sehr lustig und froh . - Worüber denn ? Sie warf einen vielsagenden Blick auf mich , beugte sich aus dem Wagen , drückte den Mund an das Ohr ihres Vaters und flüsterte ihm etwas zu ; dann warf sie sich zurück , um den Eindruck zu beobachten , den ihre Worte gemacht hatten . Es war ein tiefer und peinlicher . Der Graf wurde feuerrot , seine Lippen zuckten . Anka ! sagte er in drohendem Tone und verließ uns . Wir sahen ihn erst im Speisezimmer des Posthauses wieder , vor dem wir mit einbrechender Nacht anlangten . Das Abendessen erwartete uns . Francine nahm daran nicht teil ; sie hatte sich , aus dem Wagen steigend , sogleich ein Zimmer anweisen lassen , nachdem sie einen raschen Abschied von mir genommen . Beim Souper wurde wenig gesprochen und noch weniger gegessen . Wäre Anka nicht gewesen , man hätte die Speisen unberührt abgetragen . Plötzlich erhob sich der Graf : Geh schlafen , Anka ! Fräulein , ich sage Ihnen Lebewohl . Sie reisen früher als wir , Sie haben einen weiteren Weg , ich sehe Sie morgen nicht mehr , sprach er rauh und bestimmt ; seine Worte klangen wie eine Kriegserklärung . Ich danke Ihnen im Namen Ankas für die Sorgfalt , die Sie ihr angedeihen ließen . Ihr Verdienst ist um so größer , als alles , was Sie taten , für Menschen geschah , die Ihre Freundschaft nicht zu gewinnen vermochten . Er verneigte sich , und ich wollte sprechen , wollte stark bleiben bis ans Ende . Aber der Abschied zerriß mir das Herz . Ich war erschöpft von den Qualen dieses Tages , ich vermochte nicht länger die Tränen zu unterdrücken , die mich erstickten ... Sie weinen ? rief der Graf voll Bestürzung und gleich darauf mit seltsamer Freudigkeit : Nun , Gott sei Dank , daß Sie doch weinen können ! Der Doktor näherte sich mir und wollte meinen Arm ergreifen . Sie bleibt ! befahl der Graf . Führen Sie Anka indessen auf ihr Zimmer . Geht ! Der Alte und das Kind gehorchten nach einigem Zögern , und wir waren allein . Finster und schweigend stand der Graf eine Weile vor mir , dann begann er mit erregter Stimme : Ich bitte Sie , Fräulein , zeigen Sie sich einmal , wie Sie sind ! Würdigen Sie mich eines Einblicks in Ihre Seele . Seien Sie ehrlich gegen mich . Sie waren es bisher nicht . Sich schlimmer machen , als man ist , sich hart und gefühllos zeigen - gleichviel aus welchem edelmütigen Grunde - , ist das ehrlich ? Eine große Verwirrung und Angst erfaßte mich . Was verlangte er ? ... Ehrlich sein ihm gegenüber , das hieß mein schmerzlich bewahrtes Geheimnis verraten und meinen Stolz aufgeben , der allein mir geholfen hatte , die schwerste Prüfung zu bestehen , die einem jungen Menschenherzen auferlegt werden kann : den stillen Kampf mit seiner ersten Liebe . Er schien zu erraten , was in mir vorging ; plötzlich erhellte sich sein Gesicht , er machte einen raschen Schritt auf mich zu - unwillkürlich trat ich zurück . Was fürchten Sie ? fragte er . Sie stehen unter meinem Schutz - vertrauen Sie mir , Helene ... Wenn ich Ihnen wert bin , so fassen Sie den Mut ... was sag ich - den Entschluß , es auszusprechen . Er faltete die Hände . Lassen Sie sich bewegen , lassen Sie sich herab , es auszusprechen : Sind Sie mir gut ? Wollen Sie mein Weib werden - mit einem Worte : Lieben Sie mich ? Bangende Hoffnung , bittende Erwartung sprachen aus seiner Stimme - und ohne mich länger zu besinnen , ohne zu denken , was ich tat , gab ich in einem Augenblick die Frucht meines langen Kampfes preis und antwortete : Ja ! Da faßte er mich in seine Arme . Endlich ! jauchzte er . Törin , Selbstquälerin ! Er legte seine Hand auf meinen Scheitel und blickte mir lange schweigend in die Augen . Und ich , Helene , habe für Sie die tiefste und innigste Liebe . Der Quell dieser Liebe - ich will Sie nicht täuschen - war Dankbarkeit für die Sorgfalt , mit der Sie Anka umgaben . Und Anka muß auch in Zukunft das Erste und Letzte für uns sein . Er unterbrach sich , ein Schatten flog über seine Stirn . - Meine Liebe zu Ihnen , die - ich fühle es - wachsen wird von Tag zu Tag , darf den Rechten Ankas keinen Eintrag tun . Anka darf nicht verarmen , weil ich reicher geworden bin ,