ei freilich , Geldkosten machts da auch ; ganz gehörige Kosten : Gevatterkutsche , Gevatterbukett , Gevatterhandschuhe , ein feiner Präsentierteller für die Frau Gevatterin , die schweren Douceurs noch gar nicht in Anschlag gebracht . Aber es bleibt unter der Freundschaft , man hat seine Ehre und seinen Spaß davon , dem Amen folgt ein Traktament , und damit hat die Geschichte ein Ende . Konträr bei solcher Lumpenbagage , da fängt die Drangsalei nach dem Amen erst an . Als da ist : Eingebinde , niemalen schwer genug ; soundso viel ins Becken für den Küster , soundso viel der Hebamme in die Hand . Was geht mir , Johann Mehlborn , die Hebamme an ? Anjetzo : die Suppen für die Gevattermutter , sechs Wochen lang , und die Altgevattern desgleichen ; den Topf gehaufte voll , daß die ganze wertgeschätzte Familie während des Wochenbettes hübsch satt wird . Anjetzo : Patenpräsent am ersten Geburtstag und an jedem kommenden von neuem bis in Methusalems Alter hinein ; Weihnachtens ein Wecken ; Auslösung am Kindeltage ; was Blankes für den Neujahrskarmen ; Kleidasche zum ersten Abendmahl ; Geschenk zur Hochzeit , zur Großpatenschaft ; kurz und gut : eine Schraube ohne Ende , eine quasi vom hohen Herrgott eingesetzte Sakriererei . Du hast was , heißts , und ich habe nichts ; du bist mein Herr Pate , folglich mußt du mich füttern , mich anziehen , mich was lernen lassen ; mußt für mich gutsagen , mir borgen , mir helfen und immer wieder helfen . Sela . « Der erzürnte Bauer schlug mit beiden Fäusten auf den Tisch , daß Gläser und Flaschen aneinanderklirrten ; Mutter Rosine wimmerte , Pastor Blümel blickte ernst vor sich hin , Herr von Hartenstein zog die Lippen , ob es nun Ekel bedeutete oder bloß ein Lächeln , so tief hinab , als Lippen sich ziehen lassen . Dann aber äußerte er mit strengem Ton : derlei weltliche Verquickung schädige die Würde des Sakramentes und müsse ihr von berufener Seite durch Lehre und Beispiel gesteuert werden . Der Taufzeuge sei bewußter Bürge für des Täuflings unbewußtes Christengelübde ; er habe darauf zu halten , daß auch kein Jota desselben in seiner geistigen Zucht verkümmert werde . Nicht weniger , aber auch nicht mehr . Die leibliche Fürsorge , das weltliche Fortkommen sei Sache der Familie , eventuell der Gemeinde , welcher es , insofern sie wohl geführet werde , an gutgewillten Christenbrüdern mit offenem Herzen und offener Hand nicht fehlen werde ; wobei jedoch in erster Ordnung darauf zu achten sei , daß der Pflegling auf seinem natürlichen Grund und Boden erwachse , damit die Wohltat sich nicht in eine Wehetat verwandele . » Man soll eines Kindes Wiege nicht verrücken , « fuhr er darauf , aus schließlich zu dem Pfarrer gewendet , fort . » Das aber um so weniger , wenn , wie im gegenwärtigen Falle , außer dem urväterlichen Sündenerbe , aus dessen Joche uns alle nur die Gnade erlöset , außer dem Erbe elementarer Not , unter dessen Joche , nach göttlicher Ordnung , die ungeheuere Mehrzahl der Menschheit im Schweiße ihres Angesichts seufzt und seufzen wird bis an das Ende der Tage , auch noch ein besonderes Erbteil bösen Blutes einem Kinde eingeimpft ist und je mehr und mehr zu wuchern droht . Die Sünde der Väter soll heimgesucht werden bis in das dritte und vierte Glied ; oder , falls Ihnen dieser Wortlaut antiquiert dünken sollte , Herr Prediger : auch das Laster entwickelt sich von Geschlecht zu Geschlecht , wie die Tugend , wie die Sitte , wie alle sogenannte Kultur . Der Großvater dieses Knaben war vielleicht nur ein Bärenhäuter ; der Vater ward zum Trunkenbold . Der Sohn , im Taumel gezeugt , der elementaren Arbeitsstufe , in die er hineingeboren ward , entrückt , für die höhere , auf welcher er erwächst , unzulänglich beanlagt , ein heimliches Gift in seinen Adern , wird als Tor und kann als Verbrecher enden . Gefährlicher als Sünde tun , wirkt Sünde gutheißen , und der vor allen , welcher einer Gemeinschaft als Hüter göttlicher Zucht und Ordnung vorzustehen berufen ist , soll es unterlassen , das warnende Beispiel der Sündenfolge zu vertuschen . Ich nehme den Einwand , den Sie mir machen wollen , Herr Prediger , von Ihren Lippen . Jawohl , im Reiche Gottes , da sind wir Gleiche . In ihm , und nur in ihm , da gibt es wohl Stufen , aber keine Schranken ; da konnte der niedrigste Sprosse des niedersten Volkes , konnte selber der sündige Zöllner noch zum Apostel werden . Und solch ein Apostel , von Gottes Gnadenfinger berührt , solch ein Erwählter war auch der arme Bergmannssohn , auf dessen Namen wir geweiht sind . Die abgelebte Schule des Klosters , in der er selbst gebildet worden war , zu sprengen , die Christenheit in ihre natürliche Ordnung zurückzuführen , die verweltlichte Kirche zu einem sichtbaren Gottesreiche wieder aufzurichten , das war der hehre Plan , dessen Bau die Nachfahren in Trümmer schlagen , und von dem es wie ein scharfer Splitter in das Auge eines Getreuen dringt , wenn er das erste Sakrament gleich einem Markttrödel abschätzen sieht . « Im Hofe schmetterte ein Posthorn . Der Propst erhob sich ; der Pfarrer auch . Seltsame Widersprüche rangen in des friedlichen Mannes Brust : die Liebe , die ihm Glaube war , und Zorn , ja Feindseligkeit gegen zwei Menschen , welche er seit Jahren im gemeinen wie im erhabenen Sinne Freunde genannt hatte , drängten ihn zum Protest gegen des einen schnöde , des anderen grausame Konsequenzen . Hatte er bis zur Stunde einen mutterlosen Säugling zu zeitweiser Obhut in sein Haus genommen , in diesen Minuten der Leidenschaft nahm er ihn an sein Herz als eines jener Stiefkinder der Natur , an welchem er den Beweis adelnder Menschenliebe zu führen habe . Und so sagte er denn mit