einem Atem . Er liebte die Russen sehr , aber diesen Sieg gönnte er ihnen doch nicht . So breit hätten sich , meinte er , die zum Tanze geladenen Gäste nicht machen dürfen . Auf den Platz des Hausherrn stellt sich kein anständiger convivus . Über die Meldung des Marschalls Paskiewitsch an seinen Kaiser : » Ungarn liegt zu Eurer Majestät Füßen ! « kränkten sich zwei Menschen in Österreich : die » Hyäne von Brescia « und der Kommis Weberlein . Alles , was die andern dabei empfanden , kam im Vergleiche zu der Empfindung dieser beiden nicht in Betracht . An einem schönen Augustnachmittage befanden sich Heißenstein und Mansuet allein im Kontor , als der Mann eintrat , der für den letzteren zur Zeit die wichtigste Person auf Erden war : der Briefträger . Er hatte dem Chef mehrere Briefe zu übergeben , dem Kommis nur die Wiener Zeitung und ein zerknittertes und beschmutztes Schreiben , das Weberlein beiseite warf , um sich in das Offizielle Journal zu versenken . Es bringt heute eine lange Reihe von Namen , die Namen der in sechs Schlachten Verwundeten und Gefallenen des kaiserlichen Heeres . Mansuet überfliegt sie alle , aber er sieht nur einen . Der scheint ihm rot geschrieben mit jungem , frischem Blute , der leuchtet ihm entgegen , brennt ihm wie Feuer in die Augen , daß sie schmerzend übergehen , der Name ist : Wilhelm von Fehse ... Er sieht den vor sich , der ihn trug , den schlanken Ulanen mit dem Jünglingsgesicht . Er sieht ihn , Liebe und Leben atmend , auf seinem schwanenhalsigen , breitschultrigen Schwarzbraunen den Platz umkreisen ... Und er sieht ihn daliegen , bleich und kalt , auf zerstampfter , leichenbedeckter Erde , unter den Hufen der über ihn hinwegjagenden Rosse , mit durchschossener Brust ... Mansuets Knie wanken , er wendet behutsam seinen Stuhl und sinkt auf ihn nieder , seinem Herrn den Rücken zukehrend . Das Zeitungsblatt , das seiner Hand entglitten , das auf den Tisch gefallen ist , bedeckt er vorsichtig mit seinem Taschentuche . Dabei kommt ihm der Brief in die Hand , den er achtlos beiseite geworfen hatte . Er betrachtet ihn einen Augenblick -ein sonderbarer Umstand fällt ihm auf : der Brief trägt den Stempel der k.k. Feldpost . Mansuet eröffnet ihn - ein Blick auf das antiquierte Datum - die fremden Züge - die Unterschrift ... O du gerechter Gott ! sie lautet : Wilhelm von Fehse . Weberlein vermag einen dumpfen Schmerzenslaut nicht zu unterdrücken , Heißenstein sieht über das Blatt , in dem er liest , zu ihm hinüber und fragt : » Was haben Sie ? « » Oh - nichts ... « antwortet der Kommis und meint seinen Herrn beruhigt zu haben und bemerkt nicht , daß dieser ihn beobachtet . Er liest : » Geehrter Herr ! Ich zeige Ihnen , der Sie immer so teilnehmend gegen uns gewesen sind , im eigenen und im Namen meines Töchterchens , den am Zwölften des vorigen Monats erfolgten Tod meiner lieben Rosa an . « Ein Schleier verdunkelte Mansuets Augen , in seinem Kopfe brauste es , ihm war , als schwände ein Teil seines Bewußtseins ; er hörte nicht , daß sich hinter ihm jemand erhob , er bemerkte nicht , daß eine Hand die Lehne seines Stuhls umklammerte . Er biß die Zähne übereinander und fuhr im Lesen fort : » Sie ist in dem kleinen Badeorte Rosenau in Siebenbürgen , wohin ich sie bei Beginn des Frühjahres auf Anraten unseres Regimentsarztes brachte , gestorben . Ich mußte sie im Juni dort verlassen , als wir uns um Pest konzentrierten . Sie und mein Röschen blieben unter der Obhut Bozenas zurück , und durch diese habe ich im Feld die Nachricht des Todes meiner Frau erhalten . - Solange es anging , hielt Bozena meinen zerbröckelnden Haushalt mit kräftiger Hand zusammen . Sie ist jetzt die einzige Beschützerin meines Töchterchens , aber eine treue Beschützerin , und kehre ich aus dem Feldzuge heim , so werden wir drei uns weiterhelfen . In diesem Falle werde ich zu sorgen wissen für das kleine Wesen , an dem ich das Verbrechen gutzumachen habe , daß ich es in dieses Dasein rief . Sollte ich aber fallen , so empfehle ich Ihrer Fürsprache bei Ihrem Herrn das Kind und seine Pflegerin . Über zwei Gräber hinweg wird er doch nicht grollen . Ich wollte den Mann nicht wieder anrufen , aber ich habe schon mehrmals dem Tod ins Auge geblickt , harte Kämpfe stehen uns noch bevor , das weckt ernste Gedanken - und ich bitte für das Kind . O Herr ! Es ist Frevel und Wahnsinn zu kränken , was man liebt , wie es Frevel und Wahnsinn ist , um jeden Preis besitzen zu wollen , was man liebt . Rosa war ebensowenig danach angetan , den Strapazen des Lebens , das ich ihr anzubieten hatte , mit dem nagenden Schmerze über die Unversöhnlichkeit ihres Vaters zu widerstehen . Er und ich , wir haben sie getötet . Sie brauchen das dem alten Manne nicht zu sagen , aber es ist die Wahrheit . « » Es - ist - die Wahrheit ! « schrie eine Stimme , deren Klang Mansuet mit Schaudern erkannte , und ein schwerer Körper stürzte zu Boden . Auf die Diele hingestreckt lag Heißenstein , mit dunkelrotem Gesichte , mit bläulichen Lippen , mit hervorgequollenen Augen . Er rang nach Worten , und nur unartikulierte Laute , nur ein klägliches Lallen drang aus seinem schmerzvoll verzogenen Munde . Der eilends herbeigerufene Arzt konstatierte einen Schlaganfall . Nach einigen Tagen war der Kranke außer Lebensgefahr , er vermochte wieder zu sprechen , doch blieben seine Glieder gelähmt . In der dritten Nacht , die Mansuet allein am Bette seines Herrn durchwachte , begann dieser plötzlich von seiner Tochter Rosa zu sprechen . Er erzählte dem Getreuen , anfangs stockend , dann