tötet . Bei uns ist es so . - Nun stehen wir beide uns gegenüber und blicken uns an . Bedauere ich dich , oder bedauerst du mich ? Du hast und genießest voll , was du haben und genießen kannst ; uns werden die süßen Freuden des Herzens von der Erbarmungslosigkeit des Verstandes und auch der Vorurteile vergällt . Unser Fühlen artet in Denken aus , und das ist unser Unglück . Wollen wir noch was Gutes haben , so müssen wir uns euch nähern . - Was ? Du schüttelst das Haupt , du verneinst es , Reh ? Du möchtest am Ende gar auch ein Mensch sein ? Nein , so weit bist du noch nicht vorgeschritten , daß du unzufrieden wärest . Deine Not ist der Jäger , so wie die unsere - der Mensch . Uns drohen die größten Gefahren von unseresgleichen . Ist dir das neueste Wochenblatt schon zu Gesichte gekommen ? Ei so , du liesest keine Blätter , du frissest sie . Ist auch gesünder , nur vor Druckblättern hüte dich , die sind giftig . Sie wären es nicht , aber sie saugen das Gift aus dem Boden , auf dem sie stehen , aus der Luft , die sie umweht , aus der Zeit , der sie dienen . - Gottlob , daß sie in den Winkelwäldern nicht wachsen . Da wächst der Sauerklee , und das ist was für dich , und der Pilzling , das ist was für mich . Übrigens , mein liebes Ricklein , wie lange werden wir denn hier stehen bleiben ? Wie steht ' s mit dem Ausderhandfressen ? « Ich reiße Gras aus dem Boden , ein Geschäft , das mein Reh mit Kennerauge verfolgt . - Knallt ein Schuß . Ein kurzes Pfeifen ist durch die Luft gegangen , das Reh hat einen Sprung gemacht - und läuft nachher mit vollster Entfaltung seiner Schnellkraft über die Wiese und schnurgerade ins Dickicht hinein . Im nahen Gestämme verzieht sich langsam der schwefelige Rauch . Ich eile , den Wildschützen zu suchen , um ihn dem Gericht zu überliefern , weil er geschossen , und um ihn freizubitten , weil er nicht getroffen . - - Ich sehe weder den Schützen noch das Reh , und ich bin rasend in dem Gedanken , das Reh könne mich für den Mitschuldigen , für den Verräter oder gar für den Meuchelmörder halten , und ich will in seinen Augen weder ein schlechter Freund , noch ein schlechter Schütze sein . - Was nützt all das ? Der Schwärmer hält nicht vor ; im Spätherbste , wenn mir , wie ich es verhoffe , der Rehbraten auf den Tisch kommt , werden die freundschaftlichen Gefühle sicherlich wieder erwachen , aber nicht aus dem Herzen werden sie kommen , sondern aus dem Magen . - Der Mensch kann ein Schelm werden , und das ist bisweilen gut . Es hat ja nicht gar lange angehalten . Bald ist wieder was anderes da . Das jauchzende Brüllen eines Stieres hallt heran , oder das Schellen und Meckern einer Ziege . Der Hirtenjunge hüpft herbei . Mit den Wacholdersträuchern mag er nichts zu schaffen haben , die Nadeln stechen , die blauen Beeren sind bitter . Aber Erdbeeren pflückt er in die Haube , oder was ihm lieber ist , in den Mund . Dann pflückt er das schmale , spitzige Blatt vom Bocksbartkraut , führt es zur Lippe und bringt durch dasselbe einen Pfiff hervor , der weithin hallt in den Hängen und den in der Ferne andere Hirtenjungen wieder zurückgeben . Das ist dem Völklein des Waldes das Zeichen seiner Brüderlichkeit . Durch das Himbeergestrüppe windet sich ein Waldrauchsammler , der aus dem Ameisenhaufen die Harzkörner hervorschafft . Aus diesen Harzkörnern bereitet er den Weihrauch , das wundersame Korn , dessen Wolkenschleier der Sterblichen Augen bezaubert , daß sie hinsinken vor das Opferbrot und den Herrn sehen . Am Rain bei purpurnen Eriken , unter Brombeerlaub wuchert die Süßwurzel ; das ist des Hirtenknaben leckeres Gewürze , und auch die Sennin nascht gerne davon , auf daß sie eine klingende Stimme kriege zum Jodeln auf der Alm . Der Sennin - merk ' ich - geht es oft sonderbar , wohl hat sie viele , gar rechtschaffen viele Worte auf der Zunge , aber das rechte für ihre Herzenslust ist nicht dabei , und so drückt sie sich denn anders aus und singt ein Lied ohne Worte , daß sie hier , so weit es klingt , den Jodler heißen . Ich ziehe durch einen von Wildwässern des Kares ausgerissenen Hohlweg abwärts . Bäume und Sträucher wölben ihn zu einer Laube . Ein kühler Lufthauch fächelt , da stehe ich am Ufer eines Waldsees . Finstere Gewände und schlanke braune Stämme des Urwaldes schließen ihn ein . O , so still - so still ist ' s über dem See . Das verlorene Blatt einer Buche oder Eiche raschelt heran , ich höre jenes ewige Klingen der tiefsten Lautlosigkeit . Es ist wo ein Glöcklein im Weltenraum , wir wissen nicht im Erdengrund hienieden , oder im Sternenkranze - das ruft uns allerwege . Und zur geruhsamen Stund ' erfaßt unsere Seele den traulichen Klang und sehnt sich .... und sehnt sich - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Urwaldfrieden , du stille , du heilige Zuflucht der Verwaisten , Verlassenen , Verfolgten - Weltmüden ; du einziges Eden , das dem Glücklosen noch geblieben ! - Horch , Andreas ! Hörst du noch das Klingen und Hallen des wortlosen Liedes ? Das ist das Jauchzen der Hirten in ihrem Paradiese . - Hörst du auch das ferne Pochen und Schallen ? Das ist der Holzhauer mit der Axt - der Engel mit dem Schwerte . Bei den Hirten Das Hirtenvolk ist das erste gewesen . Die Hirten sind von