der Astronom . » Erzähle mir mehr davon . Es ist ein wichtiger Schritt ; hast du vorher auch nach den Sternen gesehen , Fritz ? « Der Schreiber zuckte die Achseln : » So genau wie möglich . Wer kann ihnen aber völlig trauen ? Sicherlich nicht ein Polizeischreiber , der bald sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum feiert . « » Erzähle ! « sagte Ulex . Fiebiger gab nun Bericht über Robert Wolf , gab an , wie er zuerst mit dem Knaben in Berührung gekommen sei , wie er sich bemüht habe , den Charakter desselben bis in die kleinsten Einzelheiten zu erkunden , und was er gefunden . Dann erzählte er von den Vorgängen im Zentralpolizeihause , und wie er zuletzt in das Geschick Roberts eingegriffen habe . Während der ausführlichen Mitteilungen des Freundes schüttelte der Astronom öfters den Kopf ; noch öfters neigte er ihn aber auch billigend , und als Fiebiger endlich seine Erzählung beendet hatte , sagte er : » Hundertundfünfzig Jahre früher wäre ich statt eines Sternguckers ein Sterndeuter gewesen , und du , Fritz , wärest zu mir gekommen , um das Horoskop deines Schützlings stellen zu lassen . Wir beide hätten dann der großen Kunst im Guten wie im Bösen vertraut , und alles wäre in Ordnung gewesen . Heute liest man nicht mehr der Menschen Fatum aus den Sternen . Die gehen droben ruhig ihren ewigen Weg ; wir irren unruhig hienieden , hin und her getrieben wie Blätter im Winde , unsern kurzen Pfad . Wahrlich , man sehnt sich oft nach der Zeit der Astrologie zurück , man wagt nur nicht , es sich und andern zu gestehen . Übrigens will ich dich nicht tadeln , Fritz , weil du handeltest , wie dein Herz und Wunsch dich trieb . Der eine schiebt , je älter er wird , desto mehr Riegel zwischen sich und die Welt ; der andere öffnet ihr , je älter er wird , desto weiter Tür und Tor . Jeder sieht und empfindet den Sonnenuntergang auf verschiedene Weise ; denn jeder hat den Morgen , Mittag und Nachmittag auf eine andere Art hingebracht , hat andere Freuden , hat andere Leiden genossen und erduldet und trägt deshalb eine andere Stimmung in die letzte Stunde des Tages hinein . Du hast vielleicht ein kluges Werk getan , Fritz ; ich will dir das beste Glück dazu wünschen . Morgen magst du mir deinen Schützling zeigen ; wir wollen sehen , was daraus zu machen ist . « » Du willst mir also helfen , ihn zu einem echten tüchtigen Menschen zu bilden ? « fragte der Schreiber . Der Sternseher seufzte lächelnd : » Da haben wir es ! Was helfen mir nun wieder alle meine Riegel ? Ach meine stillen Sterne ! « » Willst du mir helfen , den Knaben zu erziehen ? « » Kann ich das schöne Mädchen ihm aus Sinn und Seele jagen ? Latein und Griechisch will ich ihm beibringen ; aber die Leidenschaft aus ihm zu treiben , ist eure Sache , ihr Kinder dieser Welt . Mit den Leidenschaften habe ich nichts mehr zu tun , seit ich mich den Sternen ergeben habe . « » Bah , es würde ein hübsches Leben in der Welt werden , wenn wir die Leidenschaft hinauspeitschten , Ulex . Es ist doch besser , wir verstecken uns nicht alle in einem solchen Giebel wie du , Heinrich . Was würde aus diesem Erdball werden ? Ein vergessener Käse , der im Küchenschrank zerfließt . Was für eine vita aequivoca würde daraus entstehen - brr ! Vivant homunculi - quanti sunt ! Ich hoffe , der Weltgeist braucht noch lange nicht auf ein Sparendchen gesteckt zu werden . « Es klopfte wieder an der Tür , und Heinrich Ulex fuhr empor ; ein heller Schein fuhr über sein Gesicht , als er ungemein schnell öffnete . Der Schreiber rieb die Hände , nickte grinsend und murmelte : » O Philosophie der Entsagung ; armer Heinrich ! « In das Erkerzimmer des Sternsehers trat Juliane von Poppen , und die drei alten Leute bildeten eine merkwürdige Gruppe in dem merkwürdigen Gemache . Das Freifräulein trat ziemlich erregt ein , sie brachte aus der Gesellschaft des Bankiers Wienand eine Entdeckung mit , welche für den Polizeischreiber und dessen Schützling von der größten Wichtigkeit sein mußte . Gleich von Anfang an hatte der junge Deutschamerikaner , den der Hauptmann von Faber einführte , ihr höchstes Interesse erregt , und dieses Interesse schien auf der andern Seite ebenfalls vorhanden zu sein ; denn Herr Warner wandte sich im Verlauf der Unterhaltung bei weitem am meisten an das Freifräulein , und so konnte es nicht fehlen , daß das Gespräch sich bald ziemlich zwischen ihnen abspann und die andern zu Zuhörern wurden , welche nur dann und wann ein Wort einfließen ließen . Wie es ebenfalls nicht anders sein konnte , kreuzte das Gespräch bald die » große Pfütze « , das Atlantische Meer , wobei jedoch mehr die Poesie der See , ihr Leuchten , ihre wilden und milden Stimmungen als der Jammer der Seekrankheit berührt wurden . Vom Meer glitt die Unterhaltung hin und her über das unermeßliche Gebiet der großen Republik , und Frederic Warner zeigte sich wohlbewandert in den Antinomien derselben und sprach über Sklavenhalter und Abolitionisten , über Natives , Knownothings , Teatotaler , Locofocos , Republikaner und Demokraten mit dem kühlen Blick des philosophischen Beobachters , der sowohl Sam Slick wie Martin Chuzzlewit gelesen hatte . Aus dem Kongreßsaal zu Washington glitt das Gespräch leicht durch einen Quadronenball zu New Orleans , um sich in die feierlichen Schatten des jungfräulichen Urwaldes zu verlieren , und was man so oft in mehr oder weniger gelungenen Schilderungen , in Sealsfield oder Cooper , gelesen hatte , mußte erblassen vor dem lebendigen Wort . Der Erzähler hatte selbst alles durchgemacht , war von Indianern verfolgt , von Moskitos zerstochen worden und brachte auf