in seiner Dummheit , so mußte er am nächsten Tage in den Wald , er mochte wollen oder nicht . Da kommt er denn natürlich bald vom Wege ab und läuft die Kreuz und Quer herum , bis er sich endlich am Fuße einer uralten Buche schlafen legt . Und wenn er nun so daliegt und sieht , wie die rothen Sonnenstrahlen in den grünen Zweigen Versteckens spielen und die blauen Libellen Haschens auf dem schwarzen Wasser , und hört , wie es in dem Röhricht flüstert und droben in den Wipfeln der Bäume rauscht , und weht und rauscht - - - Melitta , kommst Du endlich ? Steige herab von Deiner Bella ! Du siehst ja , daß ich hier festgewachsen bin . O , Du Liebe , Holde , Angebetete ! Melitta , Süße ! einen Kuß , einen einzigen Kuß ! Und Du willst fort , jetzt fort - aber was ist das ? was will die braune Hexe ? Nein , nein - Du bist nicht Melitta ! Oswald stützte sich auf den Ellbogen und starrte schlaftrunken in das braune Gesicht , das sich über ihn beugte : Was willst Du von mir ? Nichts Schlimmes , schmucker , junger Herr . Sah den jungen Herrn liegen , wußte nicht , ob schlafend oder todt ; ist gefährlich , zu schlafen in dem Wald , am Sumpfesrand , wenn man ' s nicht gewohnt ist von Kindesbeinen . Oswald , der sich wieder vollkommen zurechtgefunden hatte , betrachtete jetzt das Weib , das vor ihm stand , genauer und erkannte denn alsbald in ihr eine jener Zigeunerinnen , wie sie hier zu Lande nicht selten , wahrsagend , hausirend , musicirend , bettelnd , gelegentlich auch stehlend , von Dorf zu Dorf und von Jahrmarkt zu Jahrmarkt ziehen . Diese hier mochte nach dem Feuer ihrer dunklen Augen , den runden halbnackten Armen und der straffen Haltung des schlanken hohen Leibes zu schließen , zwischen fünfundzwanzig und dreißig Jahre zählen ; aber Wind und Wetter , Hunger und Kummer , vielleicht auch schlimme Leidenschaften , hatten arge Verwüstungen in dem einstmals schönen Gesichte angerichtet , den Zügen eine unangenehme Schärfe gegeben , die Augenhöhlen übermäßig vertieft , ja schon hier und da einzelne graue Streifchen in das üppige , blauschwarze Haar gestreut , das mit seinen dicken Flechten ein besserer Schutz für den edelgeformten Kopf war , als der Lappen rothen Zeuges , den sie turbanartig herumgewunden hatte . Ihre Kleidung war sehr ärmlich und vielfach geflickt , ihre Füße nackt . Oswald sah jetzt auch , daß an einem der nächsten Bäume ein wunderlich geformtes Instrument hing und allerlei Geräth umherlag . Ein mit einem rothen Federbusch und einer bunten Decke geschmückter Esel strich langsam durch die Stämme und ließ sich das harte Waldgras vortrefflich schmecken . Sind Sie ganz allein , gute Frau ? fragte Oswald . Nein , mein Bub ' ist bei mir , der Cziko ; er ist in den Wald gangen , Wasser zu holen ; dies taugt nur für Frösch ' und Kröten . Und wie kommen Sie hierher an diesen abgelegenen Ort ? Kenne den Platz schon seit vielen Jahren . Mache stets hier Rast , wenn ich in diese Gegend komme . Schläft sich billiger im Walde , als in der Dorfschenke , guter Herr . Da können Sie mir gewiß auch den Weg nach Berkow zeigen . Ist es noch weit von hier ? Gar nit weit , der Bub ' , der Cziko , soll Sie führen . Das Weib legte die Hände an den Mund und ahmte den Ruf der Holztaube auf das täuschendste nach . Alsbald antwortete aus dem Walde ein heller Falkenschrei , und nicht lange darauf kam ein Kind herbeigesprungen , das , wie es den Fremden erblickte , scheu und mißtrauisch unter den Bäumen stehen blieb . Einige Worte indessen , ihm von seiner Mutter in einer Oswald unbekannten Sprache zugerufen , machten ihm Muth . Es trat , Oswald das Blechgefäß mit Wasser , das es in der Hand trug , hinhaltend , furchtlos heran und sagte : Willst Du trinken , Herr ? Das Gefäß war nicht besonders reinlich , aber der es anbot , viel zu schön , als daß Oswald es hätte zurückweisen können selbst wenn er weniger durstig gewesen wäre , wie er es war . Cziko war vielleicht zehn Jahre alt , aber auch er sah älter aus . Der feuchte Nebelwind , der über die herbstlichen Felder fegt , und der Schneesturm , der durch den Hagedorn saust , hatten alle Jugendfrische von des Kindes wunderbar schönem Gesicht gewischt und den tiefdunklen Gazellenaugen einen Ausdruck halb des Kummers und halb des Trotzes gegeben , daß man nicht ohne Wehmuth hineinschauen konnte . Mit dem doppelt scharfen Blick der Bettlerin und der Mutter sah das Weib wohl , welch tiefen Eindruck ihr Kind auf den Fremden machte . Ja , er ist ein braver Bub ' , der Cziko , sagte sie , flink wie ein Eichhorn und tapfer wie eine wilde Katz ' , und das Cymbal schlägt er wie Keiner . Ist das ein Cymbal , was dort am Baum hängt ? fragte Oswald , einigermaßen erstaunt , daß dies Instrument noch anderswo , als in Lenau ' schen Gedichten existire . Geh ' , Cziko , zeig ' dem Herrn , was Du kannst , sagte die Frau . Das Kind nahm das Instrument herab , legte es auf einen Baumstamm zurecht und die Klöpfel ergreifend , begann es , erst langsam , dann schneller und immer schneller hämmernd , eine wunderliche Musik . Sein Herz schien voll von Musik ; seine magern , braunen Wangen rötheten sich , die dunklen Augen , die es manchmal träumend zu den Wipfeln erhob , leuchteten . Dann fiel es in ein anderes Tempo und eine andere Melodie , und nach den ersten Tacten begann die Frau , die während dessen unter einem