Max zum alten Kaiser nach Linz reisen , da der Waffenstillstand mit König Mathias wieder zu Ende geht - und auf der Durchreise wird er hier sich einige Tage ruhen . « Man sprach von den Vorbereitungen , die zu dem Empfang des Königs zu machen wären , und da nun der aus immer neugefüllten Bechern maßlos getrunkene Feuerwein anfing die Köpfe und Sinne zu erhitzen , die Männer die Worte noch weniger wogen als vorher , so daß mitunter Schimpfworte fielen und rohe , derbe Spässe laut wurden , welche die weiblichen Ohren , obwohl sie schon an manchen Kraftausdruck gewöhnt waren , verletzten , so winkte Ursula Elisabeth sich zu entfernen . Sie standen auf und Stephan wollte Ursula heimbegleiten , aber auch sein Gesicht glühte vom Wein , und sie brachte ihn endlich dadurch zum Bleiben , daß sie erklärte , wie ihr Vater ihr schon zwei Diener zum Geleit geschickt , die dann seine Gegenwart verrathen würden . Auch Elisabeth ging in ihr stilles Frauengemach , indeß die Männer noch lange zechten und lärmten . Sechstes Capitel Maximilian I Der fünfzehnte August 1489 war der Tag , an welchem die Nürnberger den künftigen Kaiser und jetzigen römischen König zum ersten Male in ihren Mauern zu empfangen erwarteten . Die Nürnberger waren ein stolzes , eigensinniges Völkchen . Sie legten nicht etwa ein großes Gewicht auf die Gunst und Gegenwart gekrönter Häupter , denn sie meinten dazu nicht sonderlich Ursache zu haben . Was war denn in ihren Augen solch ' eine blutige Krone eigentlich werth ? Oft nicht halb so viel , als die in den Niederlagen der Tucher oder Behaim , der Ebener oder Haller aufgestapelten Waaren ! Die meisten dieser Fürsten hatten ja kein Geld , sondern mußten es erst von ihren Unterthanen erbitten , oder durch die Brandschatzungen belagerter Länder sich zusammenrauben , und selten lebte Einer friedlich im Besitz seiner Länder , sondern ward ewig in Athem gehalten von dem unruhigen Nachbar . Oft genug mußte ja der Rath von Nürnberg aushelfen mit Geld und Truppen , und daneben noch sich selbst beschützen gegen die Plackereien der Raubritter , welche die Fehdelust ihrer fürstlichen Herren untereinander nachahmten und auf ihren verwitterten Burgen von den Gütern lebten , die sie auf der Landstraße geraubt . Ein Nürnberger Raths- und Handelsherr sah verächtlich auf diese Leute herab und freute sich seines reichsstädtischen Wohlstandes , und ganz Nürnberg rühmte sich , keinen andern Herrn über sich zu erkennen , als den Kaiser . Aus denselben Gründen war auch der Respekt vor diesen Kaisern nicht gar groß , von denen auch nur wenige Kraft besaßen , das Reich in Ordnung zu erhalten und der hohen Würde sich erfreuen zu können ; aber Manches , was auf diese kaiserliche Majestät sich bezog , gehörte mit zu den besondern Privilegien Nürnbergs , und auf deren Bewahrung hielt die Stadt mit eigensinniger Unverbrüchlichkeit . Dazu gehörte das Recht , die Reichskleinodien in der Heiligengeistkirche aufzubewahren , und die Verpflichtung jedes Kaisers seinen ersten Reichstag in Nürnberg zu halten . Dadurch eben , daß sie den Kaiser selbst zuweilen in ihrer Mitte hatten , daß er bei ihnen Wohnung nahm , an ihren Festen sich betheiligte , mit den Rathsherren zechte und mit ihren schönen Frauen tanzte , fühlten sie sich stolz in ihrem Rechte , keine Mittelsperson zwischen sich und ihm nöthig zu haben , denn mit den einzigen , die es etwa gab , den Grafen von Zollern und Brandenburg , die sich auch Burggrafen von Nürnberg nannten , hatten sie ewige Streitigkeiten über unklar bestimmte Gerechtsame . In der That waren diese Verhältnisse sehr verwickelter Art. Auf der Veste von Nürnberg hatte ein Burggraf seinen Sitz , der als kaiserlicher Statthalter das Landgericht über das außerhalb der Stadt gelegene nürnbergische Gebiet zu hegen hatte . Schon seit langer Zeit waren die Burggrafen zu Nürnberg aus der Familie der Zollern und Abenberg . 1427 verkaufte Markgraf Friedrich von Brandenburg die Ruinen der Veste Nürnberg ( die Ludwig der Bärtige 1420 in einer Fehde mit dem Burggrafen Johann hatte niederbrennen lassen , wobei die Nürnberger zwar nicht direkt , aber indirekt betheiligt waren , indem sie » still saßen « und nicht löschen halfen ) mit ihrem Zubehör und Gerechtsamen an die Stadt Nürnberg . Der Kaiser Sigismund bestätigte den Kauf und belehnte die Stadt mit den vom Burggrafen abgetretenen Rechten . Dadurch glaubten die Nürnberger , welche die Veste wieder aufbauten , einen großen Vortheil erlangt zu haben . Aber dieser Handel war nur die Quelle neuer Streitigkeiten mit dem unruhigen Nachbar . Das Burggrafenthum Nürnberg theilte sich früher in zwei Linien : in die Fürstenthümer Baireuth oberhalb Gebirgs und Anspach unterhalb Gebirgs . Beide Linien vereinigte Markgraf Albrecht Achilles ( er hatte diesen Beinamen wegen seiner Schönheit und Ritterlichkeit ) von Brandenburg-Anspach , der Nürnberg heftig bekämpfte und ihm in acht Schlachten den Sieg abgewann . Er starb 1486 in Frankfurt , als Max I. zum König gekrönt ward , und sein Sohn Friedrich der Aeltere ward sein Nachfolger . Dies war der Markgraf Friedrich von Brandenburg , der jetzt sammt seinen Mannen mit dem deutschen Reichsheer nach den Niederlanden gezogen war , als Max auf der Kranenburg zu Brügge gefangen saß . Jetzt war er mit auf dem Reichstag zu Frankfurt , und ward nun auf der Veste mit dem römischen Könige erwartet . Ueberall waren die glänzendsten Vorbereitungen zu seinem Empfange getroffen worden . Fast schien es , als habe man den ganzen Reichsforst geplündert , die Stadt in einen Garten mit grünen Bäumen zu verwandeln . Hinter dem Thor , durch das er kommen mußte , war eine Ehrenpforte mit zierlich in Holz geschnitzten Spitzbogen erbaut und zeltartig mit prachtvollen , in Nürnberg selbst gewebten Stoffen in den drei Farben des deutschen Reichs überkleidet . Dazwischen waren auch die Stricke verborgen , an welchen kleine Kinder schwebten , die an ihren weißen Kleiderchen goldene Flügel hatten und sich , wenn sie auch Engel vorstellen