jetzt fortfuhr : » Und wie ich dem Bauer mit Freude berichte , daß ich das Vieh alles gerettet habe , da sagt er : das war nicht nöthig , ist Alles versichert und gut , hätt ' mir besser bezahlt werden müssen ! Ja , denk ' ich bei mir , aber daß das unschuldige Vieh sterben soll , ist denn das nichts ? Ist ' s denn , wenn ' s bezahlt ist , Alles ? Ist denn das Leben nichts ? Der Bauer muß mir was angesehen haben von dem was ich denk ' , und da fragt er mich : du hast doch dein Gewand und dein Sach ' gerettet ? und da sag ' ich : nein , nein , kein Fädele , ich bin gleich in den Stall gesprungen , und da sagt er : du bist ein Tralle ! Wie ? sag ' ich , Ihr seid ja versichert , wenn das Vieh bezahlt worden wäre , da werden doch auch meine Kleider bezahlt und es sind auch noch Kleider von meinem Vater selig dabei und vierzehn Gulden , meine Taschenuhr und meine Pfeife . Und da sagt er : rauch draus ! Mein Sach ' ist versichert und nicht das von den Dienstboten ! Ich sag ' : das wird sich zeigen , und ich lass ' es auf einen Proceß ankommen , und da sagt er : so jetzt kannst du gleich gehen . Wer einen Proceß anfangen will , hat aufgekündigt . Ich hätte dir ein paar Gulden geschenkt , aber so kriegst du keinen Heller . Jetzt mach ' , daß du fortkommst ! ... Da bin ich nun , und ich mein ' , ich sollt ' meinen zuderhändigen Gaul mitnehmen , ich hab ' ihm das Leben gerettet , und er ging ' gern mit mir . Gelt du ? Aber ich habe das Stehlen nicht gelernt , und ich wüßt ' mir auch nicht zu helfen , und es wäre am besten , ich spränge jetzt in ' s Wasser . Ich komme mein Lebtag zu nichts und ich hab ' nichts . « » Aber ich hab ' noch und will dir helfen . « » Nein , das thu ' ich nicht mehr , daß ich dich aussauge ; du mußt dir ' s auch sauer verdienen . « Es gelang Barfüßele ihren Bruder zu trösten und ihn so weit zu bringen , daß er mit ihr heimging ; aber kaum waren sie hundert Schritte gegangen , als etwas hinter ihnen drein trabte . Der Gaul hatte sich losgerissen und war Dami gefolgt und dieser mußte das Thier , das er so sehr liebte , mit Steinwürfen zurückjagen . Dami schämte sich seines Unglücks und ließ sich fast vor keinem Menschen sehen . Weil er sein Unglück nicht verbergen konnte und Spott darüber fürchtete , versteckte er sich selber . Nur an den ersten Häusern des Dorfes hielt er sich auf . Die schwarze Marann ' schenkte ihm einen Rock ihres erschossenen Mannes . Dami hatte einen unüberwindlichen Abscheu davor , ihn anzuziehen , aber Barfüßele , die ehedem den Rock des Vaters als ein Heiligthum betrachtet und gepriesen hatte , fand jetzt eben so viel Gründe zu beweisen , daß ein Rock doch eigentlich nichts sei , daß gar nichts darauf ankäme , wer ihn einst auf dem Leibe gehabt . Der Kohlenmathes , der nicht weit von der schwarzen Marann ' wohnte , nahm Dami mit als Gehülfen beim Holzschlagen und Kohlenbrennen . Dami war das abgeschiedene Leben am willkommensten ; er wollte nur noch ausharren , bis er Soldat werden mußte und dann wollte er als Einsteher eintreten und auf Lebenszeit Soldat bleiben ; beim Soldatenleben ist doch Gerechtigkeit und Ordnung und da hat Niemand Geschwister und Niemand ein eigen Haus und man ist in Kleidung und Speise und Trank versorgt und wenn ' s Krieg giebt , ist ein frischer Soldatentod noch das Beste . Das war es was Dami am Sonntag im Moosbrunnenwalde aussprach , wenn Barfüßele hinabkam zum Meiler , ihm Schmalz und Mehl und Rauchtabak brachte und ihn oft belehren wollte , wie er außer der gewöhnlichen Speise der Waldköhler , die in schmalzgebähtem Brod besteht , auch die Knödel die er sich selbst bereitete , schmackhafter machen könne ; aber Dami wollte das nicht , gerade so wie sie auskamen , war es ihm recht : er würgte gern Schlechtes hinab , obgleich er hätte Besseres essen können und überhaupt gefiel er sich in einer Selbstverwahrlosung , bis er einst zum Soldaten herausgeputzt würde . Barfüßele kämpfte gegen dieses ewige Hinausschauen nach einer kommenden Zeit und das Verlorengehenlassen der Gegenwart , sie wollte den Dami , der sich in innerer Schlaffheit wohlgefiel und sich dabei selbst bemitleidete , immer aufrichten ; aber diesem schien in dem inneren Zerfallen fast wohl zu sein . Er konnte sich eben dabei recht bemitleiden , und bedurfte keiner Kraftanstrengung . Nur mit Mühe brachte es Barfüßele dahin , daß sich Dami von seinem Verdienste wenigstens eine eigene Axt erwarb und zwar die des Vaters , die der Kohlenmathes bei der Versteigerung gekauft hatte . In tiefer Verzweiflung kehrte oft Barfüßele aus dem Walde zurück , aber sie hielt nicht lange an ; die innere Zuversicht und der frohe Muth der in ihr lebte , drängte sich unwillkürlich als heller Gesang auf ihre Lippen , und wer es nicht wußte , hätte nie gemerkt , daß Barfüßele je einen Kummer gehabt oder je einen habe . Die Freudigkeit , die aus der unbewußten Empfindung floß , daß sie straff und unverdrossen ihre Pflicht that und Wohlthätigkeit übte an der schwarzen Marann ' und an Dami , prägte ihrem Antlitz eine unvertilgbare Heiterkeit auf . Im ganzen Hause konnte Niemand so gut , lachen als das Barfüßele , und der alte Rodelbauer sagte : ihr Lachen töne just wie Wachtel schlag , und weil sie ihm allzeit dienstfertig und ehrerbietig war ,