das wenigstens deutlich auf sein Ohr berechnet war , zur Türe hinaus . Er wagte ihr nicht seine Begleitung anzubieten , aber nun war auch seines Bleibens nicht länger mehr . Allen Neckereien und Herausforderungen der andern zum Trotz machte er sich so schnell als möglich los ; er hoffte , sie noch unterwegs einzuholen . Da er aber bei all seiner Aufregung doch so viel Rücksicht genommen hatte , um einigermaßen den Schein zu meiden , so gelang ihm sein Vorhaben nicht . Er ging mit eiligen Schritten ans Ende des Fleckens , wo etwas abgesondert das Häuschen ihres Vaters lag . Seine Tritte hallten durch die Nacht . Er umging das Haus , aber kein Licht war zu sehen . Er lehnte sich lange an den Backofen , der wie ein großer Bauch aus dem Hause hervorragte . Dann setzte er sich auf die Deichsel des Wagens , der unter dem Schupfe stand . Im Hause war alles stille , nirgends ein Laut , weder ein Tritt in einer Kammer , noch das Krachen einer Treppenstufe zu vernehmen . » Du leichtfüßig ' s Vögele du « , sagte er , » bist schon ins Bett geschlupft und schlafst . Gut Nacht , Christinele , gut Nacht , Schatz ! Mein mußt du werden , und wenn ich die Stern vom Himmel reißen müßt ! « Seine Zechgenossen , als er die Stube verlassen hatte , sahen einander erst stillschweigend an , dann machten sie allerlei Bemerkungen , sowohl über den unerhörten trunkenen Freimut , mit dem er die Maria Theresia des Fleckens anzutasten gewagt , als über das plötzliche Feuer , das sich durch Flammen und Rauch verraten hatte , und zwar kreuzten sich die Bemerkungen über diese beiden Gegenstände . » Ich glaub , der hat ' n Leibschaden unterm Hut « , fing einer an . » Schätz wohl , und unterm Brusttuch desgleichen « , sagte ein anderer . » Der hat dem Dr- ' n Ohrfeig geben ! « versetzte ein dritter . » Reitet der das Maul spazieren , oder das Maul ihn ? « » Ja , der reitet sich selber hinein . « » Und die Augen sind auch mit ihm durchgegangen . « » Ich glaub , die hat ' s ihm angetan . « » Beckin , ich glaub , Euer Dötle kann hexen . Sie gäb übrigens eine zierliche Sonnenwirtin , heißt das , wenn ihm der Alte , nach Gestalt der Sachen , die Regierung übergibt . « » Oh , ihr Leut , redet doch nicht so gottlos ! « sagte die Bäckerin lachend dazwischen . » Der wird ankommen , wie die S- im Judenhaus . « » Er ist und bleibt halt des Sonnenwirts sein Frieder . « » Ja , ja ! « riefen alle zusammen , und nachdem sie in solchen sprichwörtlichen Redensarten dem » Geist « Luft gemacht hatten , gingen sie heim , um denselben für dieses Mal » ruhen zu lassen « . 5 Der trotzigste Bursche in ganz Ebersbach war mit einem Schlage so umgewandelt , daß ihn sein eigener Vater nicht mehr erkannte . Er zeigte sich demütig , dienstfertig und zu allem willig ; seine angeborene Gutherzigkeit brach siegreich hervor , wie wenn nach langem Unwetter der Himmel wieder blau erscheint . Sein Vater wurde täglich zufriedener mit ihm : denn einmal ersparte ihm Friedrich ein paar Knechte , so fleißig und anstellig war er jetzt ; dann tat er der Kundschaft sichtlichen Vorschub , sowohl in der Metzig , wo der weibliche Teil des Fleckens die Fleischeinkäufe am liebsten bei ihm besorgte , als auch in der Schenke , wo seine heitere Laune an die Gäste , während er selbst sich des Schlemmens enthielt , manche Flasche mehr absetzte ; und endlich konnte es dem Alten doch auch nicht ganz gleichgültig sein , den einzigen Sohn , in dessen Hände dereinst die Sonne kommen sollte , so einschlagen und in sich gehen zu sehen . Von dem Vorfall mit der Amtmännin erfuhr er nichts , denn diese hatte ihre Pille stillschweigend verschluckt ; und als es ihm nach einiger Zeit auffiel , daß Friedrich kein Fleisch mehr ins Amthaus trug , so entschuldigte dieser sein Wegbleiben damit , daß die Amtmännin nicht undeutlich die Absicht blicken lasse , ihm ihre Köchin zu kuppeln , worauf der Alte sein Betragen höchlich billigte . Er ließ schon in der Stille sein Auge unter zwei oder drei Posthalterstöchtern in der Gegend umherschweifen , denn wie die alten Grafen von Württemberg auf den Herzogshut , so war der Sonnenwirt mit allen erdenklichen Mitteln darauf bedacht , der Sonne durch Verbindung mit einer Postgerechtigkeit , die durch Heirat am wohlfeilsten zu erlangen war , einen höheren Aufschwung zu geben . Noch immer zwar blieb er in Mienen und Worten streng gegen seinen Sohn , denn er hielt es , wie er sagte , für geraten , den Burschen » in der Stange zu reiten « ; aber wenn er sich von ihm unbeachtet glaubte , so schmunzelte er oft recht behaglich hinter ihm her . Unter diesen Umständen mußte auch die Stiefmutter zu einer berechneten Freundlichkeit auftauen , denn bei eintretenden Veränderungen wurde Friedrich , ob es ihr nun gefallen mochte oder nicht , eine bedeutende Person für sie . Übrigens dauerte diese Konsideration , wie die Frau Amtmännin es genannt haben würde , nur kurze Zeit : nachdem ihr der Fischer seinen heimlichen Bericht abgestattet hatte , begann auf ihrem Gesichte ein zweideutiges Lächeln stehend zu werden , welches hinter Friedrichs Rücken oft ebenso höhnisch als das seines Vaters wohlgefällig war . Diesem hatte sie längst seine Pläne abgelauscht und wußte ihn durch gelegentlich hingeworfene Reden eifrig darin zu bestärken . Zu dem Fischer sagte sie bei jener Gelegenheit : » Ich hab mir ' s von Anfang eingebild ' t , daß der Bub nicht gut tun wird , es ist seine Art nicht . « -