die Knechte der Beelitzer in ' s Haus , und am Morgen , als er aufsprang , griffen ihn die Knechte , stellten ihn in ein Betttuch und warfen ihn auf ' nen Heuwagen . Ehe seine Freunde es merkten , waren sie mit gestreckten Zügeln über die Grenze , und Ihr mögt Euch denken , was das für Lust gab , als sie ihn im Sack durch ' s Thor fuhren . Ein Loch hatten sie ' nein geschnitten , da steckte er den Kopf raus , und hatte noch die Frechheit die Zunge rauszustrecken . Solchen Spaß haben sie in Beelitz ihr Lebelang nicht gehabt . Sie wollten ihn schnell judiciren ; aber da gab es neuen Spectakel . Hatte die Frechheit , er wollte sich nicht hängen lassen als ein Dieb und Mordbrenner , da er in offener Fehde mit ihnen gewesen , und von den Sächsischen Herren kamen ihm einige zu Hülfe . Die zeigten eine Urkunde vor , daß sie ihm ein verfallen Burgrecht geschenkt oder verkauft ; also wäre er ein freier Mann von drüben , und hätte Recht gehabt ihnen Fehde zu machen . Die Beelitzer , wie man sich denken kann , bestritten ' s , er sei ein Stadtkind gewesen und geblieben , also in ihrem Bann . Das gab ein neues Geschrei und Geschreibe . Endlich kam man überein , er sollte judicirt werden als ein Stadtkind , aber gehenkt als ein Ritter und da gab er sich drein . So hat das Schneiderlein bis auf die letzt seinen Willen gehabt und hat ' s durchgesetzt , der Kerl , wer sollt ' s glauben , daß sie ihn henken mußten mit Sporen und Federhut . Ja , wär ' s nach ihm gegangen , er hätte noch den Degen an der Seite behalten . Das war denn doch zu viel , auch die Sächsischen Herren wollten ' s nicht . Nun baumelt er so in der Haide , die er angesteckt . Hat ' s aber wohl nimmer gedacht , daß ihm noch im Tode die Ehre würde , daß unser Herr von Lindenberg den Schneider Wiedeband für sich ansähe . « Alle lachten von Herzen über die lustige Geschichte ; der edle Gast , der sich ihrer wohl entsann , war sichtlich aufgeheitert . » Das ist nur dumm Zeug , « sprach er , indem er noch einen vollen Zug aus dem Becher that , » was sie von dem Wafeln1 oder dem doppelten Gesicht reden . Wer in ' s volle Glas sieht , sieht sich auch doppelt , und er schlürft nicht den Tod daraus , sondern helle Lustigkeit . Weil ' s mir heute Abend so wohl gehen sollte , darum schauerte ' s mich so grauslich am Morgen . Das ist die Deutung : Glück , Glück ! Wie wär ' s Ihr Herren die Becher klingen so hell , wenn wir sie noch anders klingen ließen . Hätte Lust ein Stündlein zu doppeln ! « Peter Melchior schielte den Dechanten an . Der zuckte die Achseln und hob drohend den kleinen Finger : » Ei , mein Herr Ritter von Lindenberg , Ihr so vom Glück ohnedies begünstigt , was wollt Ihr ' s noch suchen gehen ? « » Immerzu ! « » Die Kirche verbietet auf Spuk und Deutungen etwas zu geben . So ich aber als Laie dächte ; wäre es , das mein Herr Ritter gut rechnete . Auf böse Träume folgen Hochzeiten und Kindtaufen . Rabensteine und Leichen bedeuten Glück im Spiele . Wollt Ihr uns durchaus die Taschen leer machen ? « Der Ritter von Lindenberg warf einen vollen Beutel , auf den Tisch : » Bis der leer ist nicht von der Stelle . « Peter Melchior faßte leise an den vollen Beutel , er gab einen Klang . Die Tische wurden abgetragen und drei Schemel herangerückt . Der Dechant nahm den Becher in die Hand und schüttelte ihn mit einem stillen Seufzer und niedergeschlagenen Augen : » Nun denn , um kein Spielverderber zu sein ! « » Nehmt Euch vor ihm in Acht ! « flüsterte der Junker Peter Melchior . Fußnoten 1 Wafeln heißt noch auf der Insel Rügen das Schottische zweite Gesicht , welches sich auch dort in Familien und Individuen zeigt . Siebentes Kapitel . Ein böser Rath . » Ein Stündlein noch , Gestrenge , dann wacht er auf , « sprach der Knecht Casper , der an seines Herrn Thür Wache hielt und wenig Umstände machte vor der Edelfrau , welche , schien es , ohne den Wächter wohl Lust gehabt hätte , ein wenig aufzuklinken und hineinzuschauen . Er aber saß auf einer Bank , die er vor die Thür geschoben , den Rücken gegen diese gelehnt , eine Stellung , in der er auch dann und wann die Augen zugedrückt haben mochte . Ein treuer Knecht dient seinem Herrn auch wenn er für ihn schläft . Jetzt aber schnitt er Scheiben umschichtig von einer großen Rübe , einem Käse und einem Haferbrod zum Abendimbiß . » Casper , ich höre ihn schnarchen . « » Thut nichts . Vorhin grunzte er , drei Mal stöhnte er und dann hat er geflucht . Das geht immer voraus . « » Aber er hat sich gewiß auf die andere Seite gelegt . Dann schläft er nur immer fester ein . « » Wenn er erst zum lauten Fluchen kam , dann flucht ' s in ihm fort , und dann wacht er auf . « » Das ist ein Mal - « » Allemal , Gestrenge , wie die alte Wanduhr . Erst knickt sie , brummt , schnarrt , dann nach einer Weile schlägt sie . « » Es ist ein vornehmer Herr , Casper ! « » Weck meinen darum nicht auf . « » Des Markgrafen Freund ! « » Und wenn alle Markgrafen in eigener Person kämen . « » Casper , Du bist