gnädige Frau ! wendete der Assessor ein . Nicht ? fragte Eva - und woher , als von Ihnen , wüßte ich denn in diesem Augenblick , daß Mendelsohn einen Phaedon - oder wie das Ding sonst heißt , geschrieben hat ? Woher wüßte ich , daß Spinoza der Urheber des - Julian , heißt ' s Pantheismus ? fragte sie sich unterbrechend . Der Präsident nickte bejahend und sie fuhr fort : daß der Spinoza also den Pantheismus erfunden hat ? Glauben Sie , irgend ein anderer Mann wird einer lebenden Frau von so todten Dingen vorsprechen , wie Unsterblichkeit und Seelen ? Wer es gehört , hätte glauben müssen , der Pastor sei da und Therese oder ich lägen schon im Sterben . Die Männer lachten , und Eva fuhr dadurch ermuthigt , fort : Als ich es gar nicht mehr aushalten konnte und , um nur ein vernünftiges Wort zu hören , Therese fragte , wo sie ihren Winterhut kaufen werde , hat mir der Herr Theophil ein wüthendes Gesicht gemacht und dann mit Beharrlichkeit geschwiegen . Das ist mindestens kein Verbrechen ! sagte Theophil . Mindestens keine Verbalinjurie ! meinte der Präsident . Man würde es höchstens als eine Unterlassungssünde bezeichnen können und die gehört nicht vor mein Forum . Aber was haben Sie weiter vorzubringen ? Darauf , da Herr Theophil eigensinnig schwieg , forderte ich ihn auf , mit mir vierhändig zu spielen . Er lehnte es ab , weil er Kopfweh habe . Das ist allerdings Ihnen gegenüber ein wirkliches Verbrechen , sagte der Präsident ; wie kann man denn etwas Anderes empfinden , als heftiges Herzklopfen , wenn man Sie sieht ? Sie sind liebenswürdig ! rief Eva freudig , ich ahne es , Sie schaffen mir Genugthuung . Nun hören Sie , nun kommt die Hauptsache . Als er sich hartnäckig geweigert , mit mir zu spielen , habe ich mich beschieden , mich ganz still an das Clavier gesetzt und Galoppaden gespielt - ganz leise , weil er Kopfschmerz hatte , so gut war ich . Kaum aber habe ich einige Takte versucht , so sprechen sie wieder von Unsterblichkeit . Ich bitte sie , stille zu sein , mir zuzuhören , da steht er hastig auf und will hinaus . Ich springe ihm nach : Halt ! mein Herr ! habe ich Ihre langweilige Unsterblichkeit ausgehalten , so halten Sie meine Galoppaden aus ! sagte ich . Ist das nicht recht und billig , Herr von Reichenbach , ich frage Sie ? Vollkommen ! bestätigte dieser . Und nun hören Sie , was er antwortet . Ich schäme mich , es zu wiederholen . Er sieht mich an , lacht und spricht : Ich muß sterben , wenn ich noch länger all die falschen Accorde hören soll , schöne Frau ! und Sie wollen ja nicht einmal , daß ich mich während des martervollen Todes mit dem Gedanken an die Unsterblichkeit tröste . Das hat der Angeklagte wirklich gewagt ? fragte der Präsident lachend . Was haben Sie zu Ihrer Vertheidigung zu sagen ? Ich muß in allen Punkten mein Unrecht eingestehen , antwortete Theophil , ich fühle mein Verbrechen und wollte gar nicht erscheinen , sondern mich in contumaciam verurtheilen lassen , aber meine Gegnerin bestand darauf , daß ich mit ihr gehen und in Person mein Urtheil holen sollte . So wäre denn keine weitere Vernehmung , kein Zeugenverhör nöthig , erklärte der Präsident , die Acten sind geschlossen , das Urtheil kann gefällt werden , und ich erkenne , daß unser Freund sich gegen einen Höherstehenden einer groben Injurie schuldig gemacht hat , denn Frau von Barnfeld ist ein Engel und der Assessor wie wir Andern Alle nur ein armer sterblicher Mensch . Deshalb mag er Frau von Barnfeld demüthig um Verzeihung bitten , sich als den ärgsten Sünder bekennen und entweder sich für ihren Gefangenen auf Lebenszeit erklären oder die Gefängnißstrafe auf recht galante Weise abzubüßen suchen . Zugleich verurtheilen wir ihn aber nur in die Hälfte der Prozeßkosten , da er während des Streites die Klägerin » schöne Frau « genannt , was sein Unrecht mindert und von der Klägerin mit Uebernahme der halben Kosten anerkannt werden muß , und das von Rechts wegen . Theophil kniete auf Eva ' s Verlangen nieder , bat um Vergebung und durfte ihre kleine Hand zum Zeichen der Versöhnung küssen . Dann sprang sie fröhlich von ihrem Platze auf , reichte dem Präsidenten beide Hände und sagte : Sie sind weise wie der König Salomo , Gott lohne es Ihnen , daß Sie einer armen , schwergekränkten Wittib zu ihrem Rechte verhelfen , daß Sie die verfolgte Unschuld nicht unterdrücken lassen . Ich danke Ihnen dafür und nun kommen Sie zu Therese , die uns erwartet . So weit sind wir noch nicht , bedeutete der Präsident ; Sie haben die Hälfte der Kosten noch nicht bezahlt und sind mir auch noch die königliche Belohnung schuldig , die Sie mir versprochen haben . Das ist wahr , rief Eva ; was verlangen Sie ? Können Sie fragen , was man von Ihnen verlangt ? fragte der Präsident , was Ihr Cousin von Ihnen fordert ? Sehen Sie , Herr von Reichenbach , jetzt wird er wieder Cousin ! neckte Eva , während eine glühende Röthe ihr Gesicht überzog . Aber daraus wird nichts , Julian ! gewiß ! daraus wird nichts . Sie sind gar zu anspruchsvoll - sehen Sie mich nicht so lächelnd an . Er hatte ihre Hand ergriffen , sie machte sich los und lief hinaus . Aber im Abgehen rief sie : Ich fahre in ' s Theater , leben Sie wohl , Julian ? heute sehen wir uns nicht mehr . So werde ich mir morgen meine Gebühren einfordern kommen , antwortete der Präsident und , gegen die Freunde gewendet , bemerkte er : Dieser ewige Frohsinn ist für mich bezaubernd . Das begreife ich nicht , meinte Alfred , denn ,