diesen Schmuck ! aber , sie kann ihn nicht entbehren ; ich vermag ihn ihr nicht zu geben und würde doch erröthen , mein Weib in einer Pracht zu sehen , die sie nicht mir allein verdankte , die ich nicht mit ihr theilen könnte , ohne von den Wohlthaten eines Dritten zu leben . Und wenn Jenny in einem jener Anfälle rücksichtslosen Witzes jemals ein Wort sagte , das mich daran erinnerte , sie sei die Reiche mir gegenüber - gerade , weil ich sie liebe - bei Gott ! ich glaube , ich könnte sie hassen ! Das wird Jenny nie , begütigte die Pfarrerin , und in der Beziehung würde ich sie ruhig an Deiner Seite sehen . Was mir an ihr mißfällt , ist das jüdische Element in ihr . Der Witz dieses Volkes ist eigenthümlich und fürchterlich , er hat mich oft erschreckt , gepeinigt , wenn es mir in ihrem Vaterhause wohl war , wie es Einem bei so braven , gebildeten Menschen wol werden muß . Der Witz der Juden hat etwas von dem Stilet des Banditen , der aus dem Verborgenen hervorstürzt , den Wehrlosen um so sicherer damit zu treffen . Er ist die letzte Waffe des Sklaven , dem man jede andere Waffe gegen seinen Unterdrücker genommen hat , die feige Rache für erduldete tiefempfundene Schmach . Mutter ! Jenny ' s Witz ist nicht so schlimm ; er ist kindisch , schnell und treffend . Aber wenn ich , in thörichter Eifersucht aufgeregt , hart über Jenny urtheilte - vergiß es , liebe Mutter ! bat der Sohn , denn ich habe Jenny Unrecht , sehr Unrecht gethan . Ich selbst glaube nicht , was ich sagte ; es war Leidenschaft , Zorn , was aus mir sprach , nicht meine Ueberzeugung , nicht mein Herz , das Jenny liebt - und nicht wahr ? auch Du hast Jenny lieb ? fragte Reinhard , und die Pfarrerin schwankte , was sie beginnen sollte . Sie sah , daß ihr Sohn zu sehr an der Geliebten hing , um selbst aus dem Munde seiner Mutter ein Wort des Tadels gegen sie ertragen zu können . Lieber wollte er seine Ueberzeugung , seine eigene Erfahrung in der Beziehung Lügen strafen , als Jenny tadeln hören , die er gerade jetzt , wo die Eifersucht ihm die Gefahr , sie zu verlieren , vorspiegelte , um so leidenschaftlicher liebte . Doch siegte die Pflicht , ihren Sohn an Jenny ' s Eigenthümlichkeit zu mahnen , in ihr über die Scheu , ihm augenblicklich wehe zu thun . Ich habe Jenny sehr lieb , sagte sie , und die kindliche Freundlichkeit , die Hingebung , die sie mir immer zeigt , verdienen meinen wärmsten Dank . Klug , schön und gut wie sie ist , darf jede Mutter stolz auf solche Tochter sein . - Reinhard ' s Gesicht leuchtete vor Freude und ein feuriger Händedruck lohnte seiner Mutter diese Anerkennung . Doch , fuhr die Pfarrerin fort , täusche Dich nicht , mein Sohn ! Jenny hat Fehler , für die sie nicht verantwortlich ist , weil sie gewissermaßen nationell sind , und weil die Mehrzahl der Jüdinnen sie mehr oder weniger mit ihr theilen . Die Lebhaftigkeit , die Rührigkeit der Juden wird bei der großen Masse zur unerträglichen Manier . Ihr Sprechen , ihre Geberden sind carrikirt . Davon ist der Gebildete bis zu einem gewissen Grade frei , die unruhige Lebhaftigkeit indessen bleibt ein hervorstechender Zug der Juden . Sie mag vortreffliche Geschäftsmänner hervorbringen , der Weiblichkeit aber tritt sie zu nahe . Jenny belebt eine ganze Gesellschaft ; sie ist täglich neu ; man hat Freude an der Unterhaltung mit ihr , nur Ruhe findet man nicht bei ihr . Sie hat Muth und Geist ; sie bewegt sich frei und keck ; und doch muß ich , wie zur Erholung , auf Therese sehen , die in ihrer Bescheidenheit neben Jenny einen gar wohlthuenden Eindruck auf mich macht . Therese ist kälter ; hat nicht so viel Geist , wandte Reinhard ein , und was Du von den Jüdinnen sagst , trifft auch nicht immer zu . Ist Jenny ' s Mutter nicht die liebenswürdigste , vortrefflichste Frau ? Auch Jenny wird so werden , wenn sie älter sein wird . Und diese beständige Lebhaftigkeit , die Du tadelst , wie viel Freude muß sie dem Manne gewähren ! Jenny ' s Geist .... Das ist es , was ich fürchte ! sagte die Pfarrerin . Jenny ' s Geist ist unerbittlich klar ; er läßt sich nie von ihrem Herzen täuschen . Das ist es , was mich besorgt macht . Diesen geistreichen Mädchen aus den jüdischen Familien , die gleich Jenny erzogen werden , fehlt es fast immer an gutem weiblichen Umgange : mehr unterrichtet , als die Frauen ihrer nächsten Umgebung , überschätzen sie sich zu leicht ; das Beisammensein mit Mädchen , die Sorge für die täglichen Bedürfnisse des Hauses hört auf ihnen Freude zu machen ; sie ziehen die Unterhaltung der Männer vor , welche mit Vergnügen solche einen kleinen Ueberläufer empfangen . Im Kreise der Männer machen ihr Geist und ihre Aufklärung rasche Fortschritte ; die neuen Begriffe , der große Maßstab der Männer werden an Alles gelegt ; das Mädchen schämt sich der engen Verhältnisse , die ihm bis dahin genügten ; eilig werden die alten Vorurtheile niedergerissen , die beschränkten Ansichten verworfen ; das Haus , in dessen friedlichen alten Mauern das junge Mädchen heimisch ist und am liebenswürdigsten erscheint , wird zerstört , und ein neuer spiegelblanker Palast errichtet . Durch die großen Scheiben dringt strahlend hell das Sonnenlicht , und glänzt von den glatten Marmorwänden wieder . Alles ist Licht ! kein Halbdunkel , kein düsterer Schatten ; aber auch kein stiller Raum , um dem Schöpfer einen Altar zu bauen , kein traulich Plätzchen für schüchterne Liebe . - Sie hielt inne , ergriff des Sohnes