, erwiderte er , Berlin ist mir wieder so werth , so sehr zu einer lieben Gewohnheit geworden , daß sich meine bisherige Vorliebe für das Landleben für den Augenblick verringert hat . Es ist also wol möglich , daß ich nur für eine Zeit nach Hochberg gehe , dort eine kleine Inspektion zu halten , und dann zurückkehre . Hochberg ist mir zu todt , zu still .... Das finde ich begreiflich , entgegnete Clementine , der das Herz heftig schlug , in dem Gedanken an ihren Plan , das finde ich begreiflich , weil Sie dort so ganz allein sind . Sie sollten es aber deshalb nicht aufgeben und werden es auch nicht , bei den hohen Begriffen , die sie von dem Beruf des Gutsbesitzers in unsrer Zeit haben . Ihre Besitzungen haben ein Recht an Sie , Sie haben eine Pflicht gegen Ihre Leute und dürfen , denke ich , eben so wenig dauernd von Ihren Gütern ferne bleiben , als ein König seine Krone zu seinem Vergnügen niederlegen dürfte . Aber Sie sollten sich das Leben auf Hochberg angenehmer zu machen suchen , Sie sollten .... Gäste einladen ? Wer kommt zu mir Einsamen ? Freunde , welche die Jagd zu mir lockt , und dergleichen Gäste mehr . Ja , gnädige Frau ! wenn ich Sie einmal dort sehen könnte , wenn Sie nur wenige Tage dort verweilen wollten ! Sie glauben nicht , wie schön , wie sehr schön es bei mir in Hochberg ist ! Aber Sie werden nicht kommen . Doch ! antwortete Clementine leise und mit einer Eile , die ihr fremd war , so eilig wie Jemand eine schwere Last , die ihn gedrückt hat , von sich wirft , - doch ! Sie müssen nur vorher eine Frau nehmen ; das wollte ich Ihnen überhaupt schon lange rathen . Sie ! rief Thalberg , als traue er seinen Sinnen nicht , Sie wollten mir das rathen ! Wie konnten Sie auf den Gedanken kommen ? Wie können Sie glauben - Ich meinte , sagte Clementine , die in ihrer tiefen Bewegung mühsam nach Fassung rang und sie durchaus gewinnen wollte , ich meinte , lieber Freund , daß Sie sich glücklich fühlen und glücklich machen sollen . Sie haben so oft gegen mich den Werth der Häuslichkeit gerühmt ; warum wollen Sie also einsam Ihr Leben verbringen ? Und , rief sie , sich zu einem scherzenden Tone zwingend , von dem ihre Empfindung weit entfernt war , damit Sie wissen , was ich im Sinne trage , ich selbst habe Ihnen eine Frau ausgesucht . Achten Sie auf das erste Mädchen , dem ich Sie heute über acht Tage auf meinem Balle vorstellen werde . Robert wollte sie mehrmals unterbrechen , sie ließ ihn aber nicht dazu kommen . Er war aufgestanden und ging heftig im Zimmer auf und ab . Beide schwiegen , es war eine bange Pause . Ja ! sagte er endlich und lächelte höhnisch , Sie haben Recht , ich bin ein leidenschaftlicher Thor , ein unbequemer Gast , den man um jeden Preis von sich entfernen muß ; auch wenn es mein einziges , letztes Glück zerstörte . Sie haben Recht , und es soll anders werden . Ich bin neugierig auf Ihre Wahl , meine Gnädige ! ich sehne mich , die Auserkorene kennen zu lernen , denn ich bin grade in der rechten Stimmung , einen liebenswürdigen Gatten zu machen . Aber freilich , eine Frau , die so viel Glück in der Ehe gefunden hat , als die Geheimräthin von Meining , will es Andern auch bereiten . O ! über die großmüthigen Frauen ! Wie ungerecht sind Sie ! das war Alles , was Clementine den stürmischen , unwürdigen Worten entgegnete , aber ein paar große Thränen zitterten in ihren Augen . Plötzlich blieb Robert vor ihr stehen , er war blaß geworden , und auch sein Auge war von Thränen feucht . Er sah sie lange unverwandt an , faßte ihre Hände und sprach : Sei es so ! Sie haben Recht , ich werde gehen und zwar bald , weil Sie es wünschen . O ! Sie sind rein und licht wie der Kelch dieser Blume ; tief wie in ihn , sehe ich in Ihr heiliges Herz . Machen Sie mit mir , was Sie wollen , ich habe keinen Willen als den Ihren . - Damit bog er sich zu ihr nieder , daß er fast vor ihr kniete , küßte ihre Hände und ging eilig hinaus . Clementine schlug ihre Hände , wie im Gebet , zusammen und blieb in schwermüthigem Hinbrüten , bis Marianne und die übrigen Gäste kamen . Dann , weil sie sich innerlich Gewalt anthat , verfiel sie in eine überreizte Laune , welche Frau von Stein und Marianne allerliebst und höchst unterhaltend fanden , und bei welcher ihr selber das Herz brechen wollte und alle Nerven bebten . Auch war sie in den nächsten Tagen kaum im Stande , die nöthigen Einladungen und Besorgungen für ihren Ball zu machen . Sie fühlte sich krank und bestand doch , trotz Meining ' s Abreden , darauf , den Ball am bestimmten Tage zu geben . Sie ließ Robert , der gekommen war nach ihr zu fragen , wie alle übrigen Besuche , abweisen und bat den Geheimrath , er möge ihr , da das gesellige Treiben sie wirklich angreife , nur ein paar Tage vollkommener Ruhe gönnen , deren sie bedürfe , um zu dem Balle frisch und gesund zu sein . Der verhängnißvolle Abend kam denn auch heran . Die ganze Wohnung war glänzend geschmückt , alle Zimmer geöffnet , Blumen und Kerzen überall . Große Spiegel und glänzende Vergoldungen strahlten die Gasflammen und Kerzen fröhlich wieder . Der Geheimrath war in der besten Laune , als er Alles so festlich und heiter um sich her sah ; aber in Clementinens Seele war es nicht so hell .