ist notti übel gegangen , daß uns die Mutter gestorben ist . Würde aber wohl auch jemand weinen , wenn ich stürbe , wenn sie mich zu Grabe trügen und wenn die Erde polterte auf meinen Totenbaum ? Müßte wohl Christen das Nastuch nehmen vor das Gesicht ? Und Resli , was würde der sagen , würde er fühlen , wie übel es ihm ginge , Ach , hätte ich vor drei Jahren sterben können , da weiß ich , was sie getan hätten ; da wäre es Christen gewesen , als hätte man ihm das Herz aus dem Leibe genommen , als müßte er diesem Herzen nach ins Grab . Und wenn ich jetzt sterbe , steht vielleicht niemand an meinem Bette , und wenn sie mich tot finden , so ists ihnen , als sei ihnen ein Berg vom Herzen gefallen und der Stein des Anstoßes verschwunden . Ach Gott , wenn meine Mutter wüßte , wie es mir ergeht und daß ich ein solches Ende nehmen würde ; das hätte ich keinem Menschen geglaubt , und habe ich gemeint , wenn ich einmal sterbe , so müsse es heißen : Wir haben noch nie eine Leiche gesehen , wo es so übel gegangen ist , alli sufer hei pläret , man hat es fry wyt ghört , das mueß afe e Frau gsi sy ! Heiße , heiße Tränen siedeten in Ännelis Herzen und sprudelten in reichen Strömen über ihre Wangen . Sterben als ein Stein des Anstoßes , als ein Berg auf aller Herzen , als eine Türe vor dem Glück , das war schrecklich , und hatte sie ja immer das Gegenteil gewollt . Von wehmütigem Schmerz überwältigt , konnte sie fast des lauten Weinens sich nicht enthalten , und der Schmerz verzehrte ihr alle ihre Gedanken , und in die Finsternis ihrer Seele hinein tönte wieder des Pfarrers Stimme . Sein letztes Mahl hätte Jesus mit seinen Jüngern gehalten ; er hätte gewußt , wann es das letzte wäre , hätte einen unvergänglichen Segen gestiftet an selbigem , hätte dieses Mahl uns hinterlassen als ein unverwelkliches Erbe . Wann sein letztes Mahl jeder hielte mit den Seinigen , wisse Keiner , Keiner wisse seinen letzten Tag . Es wäre wohl gut , wenn jeder jedes Mahl als sein letztes betrachtete , das er mit den Seinigen hielte , und so weit aus den Augen sollte dieser Gedanke nicht liegen , denn wie mancher Hausvater sei am Abend als Leiche auf seinem Bette gelegen , der des Mittags mit den Seinen am Tische gesessen , wie manche Hausmutter hätte mit dem Tode gerungen , während das Mahl , das sie eigenhändig kochte , noch über dem Feuer stund ungegessen , und wie mancher Jüngling sei nicht über Nacht tut heimgebracht worden , der des Abends üppiglich gelebt an seiner Eltern Tisch ! Da wäre wohl gut , wenn jedes jedesmal gedächte , daß es sein letztes sein könnte , da wurde es anders sich gebärden , würde gerne ein schönes Wort , eine freundliche Rede hinterlassen zu seinem Andenken , daß es nach langen Jahren noch heiße : » Ich kann es nicht vergessen , als es das letztemal mit uns gegessen , wo kein Mensch ans Sterben dachte , da hat es noch gesagt - . Ich habe seither manchmal gedacht , ob er etwas vom Sterben gefühlt . Aber es ist seither oft mein Trost gewesen , daß wenn er schon ungesinnet gestorben ist , er doch so gute Gedanken gehabt hat . « » Aber wenn einer über Tisch schlechte Reden geführt , den Geber alles Guten geärgert , während er seine Gabe genoß , denket , wie muß es den Hinterlassenen sein , wenn diese Reden ihnen einfallen , wie muß es dem Sterbenden sein im Augenblicke des Todes , wo die Gedanken mit unbeschreiblicher Schnelle vor der Seele wechseln , als ob sie das ganze Leben aufrollen wollten vor selbiger , wenn er an seine Worte gedenket am letzten Mahle und was für ein Andenken er den Seinen hinterläßt und was für ein Zeugnis über den Zustand seiner Seele ! « » Oder wenn man gar in Streit und Zank die Gaben Gottes genossen , in Streit und Zank auseinandergegangen ist , mit Groll im Herzen , mit bösen Gedanken in der Seele vielleicht , mit bösen Wünschen auf der Zunge , und Gott rufet einen ab , er kann nicht Friede machen , nicht abbitten , nicht zurücknehmen , er stirbt unversöhnt , was meint ihr , muß der Tod nicht wie ein zweischneidend Schwert in seine Seele fahren , und wie muß es den Seinen sein , und muß es ihnen nicht allemal , wenn sie zu Tische sitzen , in Sinn kommen , wie einer aus ihrer Mitte im Unfrieden dahingefahren ! Wohin ? « » So sollte wohl jegliches Mahl in jedem Hause genossen werden als das letzte , genossen werden , wie Die Kinder Israel das letzte Mahl genossen im Diensthause des Ägypterlandes , zur Reise in die Wüste bereit , so der Christ bereit zur Reise ins wüste Tal des Todes , welches zwischen unserem jetzigen Lande und unserem gelobten Land gelegen ist . « Aber der Geschäfte des Tages , des gemeinen Lebens Aufregung hindere dies , halte meist den Geist nieder , daß er nicht aufzuschauen vermöge in die Gebiete des höheren Lebens . » Aber eben darum sollte man ja nicht versäumen , wenigstens das Mahl , welches die Erneuerung ist des Mahles , welches der Herr als sein letztes genossen , auch als ein Abschiedsmahl von dieser Welt zu betrachten . Nicht nur als einen Abschied von der Sünde , sondern auch als einen Ab , schied von allen , welche uns angehören , sollte man es betrachten , denken , man müsse nach genommenem Mahle scheiden von all den Seinen . Hat man für sie gesorget ? Seine Schuldigkeit an ihnen getan ? Welchen Namen , welches Andenken läßt