die immer gleiche ernste Ruhe und Geduld der Miß Eton dazu , um nicht an so viel Widerstand und Peinlichkeit den Muth zu verlieren . Doch gelang es ihr endlich , das Haus bestellt und den Reisewagen gepackt zu sehen , und sie zog sich auf ihr Zimmer zurück , die wenigen Stunden der Nacht bis zur Zeit der Abreise sich selbst zu leben . Fast betäubt von den Eindrücken des Tages , rang ihr Geist , sich zur Klarheit empor zu arbeiten , und so weh und gebeugt sie sich fühlte , mußte sie diese ängstliche , traurige Reise doch als eine Wohlthat erkennen , da ein längerer Aufenthalt in diesem Hause ihr jetzt fast unerträglich geschienen hätte , und ihr doch keine andere Zuflucht übrig blieb . Es giebt Augenblicke im Leben , die in uns bis auf das letzte Fünkchen alle leise gehegten Hoffnungen auslöschen , indem sie uns eine Klarheit der Seele leihen , durch die wir alle Illusionen selbst vernichten und von Allem zurückgetrieben , was wir festzuhalten trachteten , nichts übrig behalten , als die Sehnsucht , vor der wir uns vergeblich zu flüchten suchen , die immer wieder den kaum haftenden Verband von unsern Wunden nimmt und sie bluten läßt - ach , nur so viel , um die Kraft der Jugend , den Muth zum Leben zu entkräften , nicht bis zur süßen Todesruhe ! So fühlte Elmerice - sie sah ihre Lage klar und deutlich , sie wendete sich ab von jeder Hoffnung - aber die Sehnsucht schwellte ihr junges Herz , und sie fühlte eine tiefe Ermüdung , wenn sie an das dachte , was ihr noch übrig blieb nach dem , was sie hatte aufgeben müssen . Gegen Morgen schrieb sie ihrer Wohlthäterin noch einige Zeilen , ihre längere Abwesenheit durch die Krankheit der Madame St. Albans entschuldigend ; ihre Reise verschwieg sie dagegen , fürchtend , dadurch die zärtliche mütterliche Freundin zu beunruhigen . Die Wälder von Ste . Roche waren berühmt . - Auch glichen sie mit ihren kolossalen Stämmen , ihren gewaltigen , in die Luft in einander geflochtenen Kronen den Bildern , die uns ein fremder Welttheil von den Urwäldern gegeben hat , in denen die Axt niemals erklungen und der Vegetation ihr eigenes despotisches Walten gestattet ist . Mit Ranken , Moos und Schlinggewächsen jeder Art überwuchert , sehen wir das zum kräftigen Widerstand unfähige Stämmchen am Boden sich hinschmiegen , dem mächtigen Stamme weichend , der sich mit dieser Unterdrückung doppelt Platz gewann und , zu säulenartiger Pracht emporstrebend , das heitere Gewölbe seiner hundertfältigen Zweige leicht gen Himmel trägt . Die Sonne bahnte sich hier nur selten den Weg - nur in einzelnen glänzenden Lichtstreifen erreichte sie den Boden , der in der üppigsten Abwechselung bald das kurze , saftige Moos der Laubwälder , bald die lustig durch einander geschlungene Vegetation der mannigfachsten Ranken , Blüten und Waldbeeren zeigte . - Der Weg , den die Reisenden passiren mußten , schlang sich wie ein Geheimniß durch hin , bald ganz verschwindend , bald nur in leichten Andeutungen wahrzunehmen . - Das eigene majestätische Gespräch der hohen Laubkronen mit der oberen Luft , die sie erreichten , ward allein unterbrochen durch das Geschwätz der kleinen lustigen Waldbäche , die zwischen hohen bemoosten Felsstücken sich ihr grünes Bettchen ausgehölt hatten , und nun sorglos , wie Kinder zu den Füßen der Aeltern , spielten , während das niedere Gebüsch eine lockende Wiege für die junge Brut zahlloser Vögel war , die mit ihren Nestchen unter den jungen Zweigen hockten . Dazwischen gingen die schlanken Bewohner des Waldes mit ihren glänzenden , vielzweigigen Geweihen in großen Gesellschaften in ihrem weiten Palaste umher , und sahen mit stolzer Ruhe den lustigen Hasen nach , wie sie in ewiger , unnützer Eile vorüber jagten und die Eichhörnchen in die Luft schreckten , die mit klaren Augen von der hohen Wohnung argwöhnisch auf die verschiedenen Gesellschaften niederblickten . Leicht war aus dem Leben dieser Wälder das Schicksal der Besitzungen von Ste . Roche zu erkennen . Sie waren von den Menschen vergessen , weder zum Nutzen , noch Vergnügen mehr bestimmt , ihrem inneren Bedürfnisse zur freien Entwickelung überlassen , und wahrlich ein höchst eigenthümliches Bild stolzen Naturlebens ! Am Abend des Reisetages sahen sich die Damen in dem Theile des Waldes , der unmittelbar an das Schloß Ste . Roche grenzte . Sie hatten am Mittag aus dem Kloster Tabor einen Führer mitgenommen , durch dessen Weisung es ihnen allein gelang , auf dem rechten Wege zu bleiben ; jetzt verkündigte er ihnen die Nähe von Ste . Roche , und beide Frauen hörten diese Mittheilung mit großer Bewegung an . » Miß Eton , es ist wahr « - hob Madame St. Albans an - » daß ich mich niemals diesem alten Wohnsitze meiner Mutter nahe , ohne eine Art Herzklopfen zu fühlen . Aber gewiß ist es auch , daß schwerlich ein zweiter Ort gefunden werden soll , an dem so viele und unerhörte Histörchen haften , als an diesem alten Schlosse . Wenn Ihr es sehen werdet , so wird es Euch möglich scheinen , daß hier alles Abenteuerliche Raum fand , was davon erzählt wird - seht , ich bin keine leichtgläubige Thörin , aber ich selbst könnte denken , es sei hier nicht , wie sonst in der Welt , zugegangen , und obwohl der neue Besitzer Alles thut , den Verfall zu hindern , geschieht doch auf ausdrücklichen Befehl und nach testamentarischer Verordnung des verstorbenen Grafen Crecy nichts , um dies wunderbare Aeußere zu verändern . - Ach , Elmerice , « hob sie nach einiger Zeit an , » wie werde ich Alles dort finden ! eine Leiche oder eine Sterbende ? « Hierauf ließ sich schwer antworten , und Miß Eton frug daher : ob Mistreß Gray viel gekränkelt habe ? - » Ach , seht , das ist , wie man es nimmt - gesund war sie nie