Herzen haben , welche im Sehnsuchtsdrange nach Thaten zerbrachen . Das ist das Tragische in unserm Leben . Es kann einer heut zu Tage ein ganz tüchtiger Kerl sein , die Conflicte , das Aufgelöste , Zerrissene , machen ihn doch zum Lump . Darum ist nur der Philister glücklich , dessen Horizont begrenzt wird vom Rande seines Kachelofens . O , diese süß-behagliche Kleinbürgerlichkeit des Deutschen , welch ' tiefe , unergründliche Schmach hat sie über die ganze Nation gebracht ! - Mit neugierigem Verlangen folgte ich an voriger Mittwoch Bardeloh . Meine Mittheilungen hatten ihn ernsthaft beschäftigt . Er verließ den ganzen Tag über nicht einmal sein Zimmer und schrieb viel . Von Rosalie erfuhr ich zufällig Abends beim Schachspiel , daß er Schriftsteller sei und zwar mit großem Glücke . Mehrere seiner Bücher waren sogar verboten worden , was ich aber grade nicht mit zum Glück rechnen möchte . Der Name schien ihm dabei gleichgiltig zu sein , denn er hatte sämtliche Schriften anonym herausgegeben . Vielleicht auch war es Klugheit , die ihn dazu veranlaßte . Ueber den Inhalt von Bardeloh ' s Büchern konnte ich nichts erfahren , glaube jedoch zum Ziele zu treffen , wenn ich behaupte , es seien wichtige Besprechungen europäischer und vorzugsweise deutscher Zustände in poetischem Gewande , d.h. in einer Prosa , die den kühnsten Gedanken in poetischen Formen leicht und graziös den Lebenden in den Schooß wirft . Ebenso bekannte sie mir , daß er jetzt eben wieder schon seit längerer Zeit an einem neuen , großen Werke arbeite , das einen dialektischen Angriff auf das Kirchendogma der Liebe , insofern es Anwendung erleiden will auf die Praxis im socialen und politischen Leben , enthalten wird . Es trifft diese Vermuthung sehr genau mit Bardeloh ' s eigenen Aeußerungen zusammen und ich wünschte sehr seine tieferen Gedanken über dieses Thema kennen zu lernen . » Ich muß mir heut erst eine Zerstreuung machen , « sagte Bardeloh , » angestrengtes Arbeiten hat mich abgemattet . Lassen Sie uns rudern . « Wir gingen an den Hafen und bestiegen einen Nachen , der leicht wie ein Vogel über die stille , hellgrüne Fläche hinflog . Wir trieben den Kahn erst stromaufwärts und ließen uns dann von der Gewalt des Wassers hinab zur Schiffsbrücke schaukeln . Bei unserer Zurückkunft saß Friedrich wieder auf dem Krahnbalken und strich seine Geige . Er hatte uns kaum erblickt , als er johlend herabsprang , uns zuwinkte und an Bord stieg . Dann ergriff er zwei Ruder auf einmal und arbeitete mit einer Kraft den Nachen quer durch den Strom , die mich in Erstaunen setzte . Dabei wiederholte er mit herzbrechendem Lächeln von Zeit zu Zeit nur das einzige Wort » Lebensfahrt . « Was er damit meint , ist schwer zu errathen . Bardeloh versank , wie immer , wenn er diesem Menschen begegnet , in sein quälerisches Brüten , saß stumm und bleich im Kahn , und spielte mit seinem Siegelringe . Dieses Wasserexercitium hatte etwa eine halbe Stunde gedauert , als es Bardeloh mit dem Worte » in den Hafen « unterbrach . Friedrich nickte mit dem Kopf und landete . Ein Geschenk von Bardeloh nahm er mit seiner gewöhnlichen , excentrischen Freudigkeit hin , schleuderte dagegen das von mir dargereichte in den Rhein . Bei unserm Abgange saß er schon wieder auf dem Krahn und spielte die Violine . Der Unglückliche hat etwas Grausenerregendes für mich , das durch ein hartnäckiges Stillschweigen über ihn noch mehr Wirkung erhält . Bardeloh führte mich über den Heumarkt dem Dome zu . Noch hatte ich mich aus einer Art heiliger Scheu nicht in die Majestät dieses Riesenbaues gewagt . Alles Kleinliche , Beengende wollte ich zuvor beseitigen , um mit reinem , heiterem Geist eintreten zu können in das Pantheon mittelaltlicher Gedankengröße . » Hier gibt es auch noch etwas zu sehen , « sagte mein Begleiter . » Sobald Sie Stimmung haben , wollen wir uns einmal in dieser monströsen Unmoralität untertauchen . Man darf jetzt nichts unversucht lassen . « Diese trockene Bemerkung war mir zu seltsam , um bei meiner damaligen Stimmung mich in ein Disput mit Bardeloh einlassen zu können . Der Dom zu Köln » eine monströse Unmoralität ! « Das ist zu rund , um es begreifen und fassen zu können . Nahe dem Dome befindet sich das berühmte Wallraffsche Museum . Dorthin führte mich Bardeloh . » Es ist nicht , um Ihnen große Merkwürdigkeiten zu zeigen , « sagte er , » sondern blos der Anregung wegen . Alles , was in diesen Sälen gesammelt ist , trägt mehr den Stempel der Liebhaberei eines vermögenden Privatmannes , als den einer wahrhaften Kunstsammlung . Aber es rüttelt doch auf , und das ist Grund genug , ihm ein paar Stunden zu opfern . « Schnell durchwanderten wir die ersten Zimmer , in denen römische Vasen , Alterthümer verschiedener Art und einige merkwürdige Gemälde aus der frühesten Zeit der deutschen Malerkunst aufbewahrt standen . » Das sind Alles sehr schöne Sachen für einen Kunst-Enthusiasten , « sagte Bardeloh » ein Mensch aber mit dem Orden des Weltschmerzes in der Brust kann unmöglich großes Behagen daran finden . Zu Alterthümlern sind wir Modernen verdorben . « Ein anderes Zimmer ward geöffnet und Bardeloh blieb auf der Schwelle stehen . Der Koloß des Domes warf seine Schatten herein und hüllte die hier aufgestellten Gemälde in ein Dunkel , das dem Beschauer keineswegs günstig war . » Was halten Sie von diesen Gemälden , Sigismund ? « fragte Richard und lehnte sich an die Thürpfosten , die Arme über der Brust kreuzend . » Jenes uns gegenüber ist ein großes Meisterwerk , « erwiederte ich und deutete auf ein Gemälde , das mehr als die halbe Wand einnahm und dessen Figuren eine fast übermenschliche Größe hatten . Die Dämmerung ließ im Anfang Licht und Schatten sich nicht genau scheiden und ich bemerkte nur , daß ein paar Mönche die Hauptfiguren