, mein gnädiger Herr « , sagte der Kunstmann , und empfing von Leonhard , vorzüglich aber vom Baron weit mehr , als er für seine Bemühung erwartet hatte . Nach einer zu tiefen Verbeugung sagte er : » Wahrlich , meine gnädigen Herren , Sie übertreffen noch meinen großmütigen Patron und Mäzen , der im Reiche sich und der Heiterkeit lebt , den lebensfrohen Liebling der Musen und der Scherze , den liebenswürdigen Wassermann . « Er empfahl sich , um zu essen und sich niederzulegen ; die beiden Freunde begaben sich auch auf ihr Zimmer , und der Baron sagte : » Wir dürfen stolz sein , mit diesem , wie ich sehe , berühmten Sokrates in eine Klasse gestellt zu werden , in welchen sich eben der benachbarte König am Schluß des Stückes verwandelt hat . « - » Der Mensch hat mich völlig verstimmt « , sagte Leonhard . - » Vielleicht « , fragte der Baron , » weil er nicht zünftig ist ? Weil sich dir so herrlich die freie ungebundene Kunst in ihm dargestellt hat ? Ich bin vergnügt , denn ich gestehe dir , ich habe die Eulalia fast noch nie so würdig dargestellt gesehen , als seine Gehülfin sie uns zeigte ; diese Milde und Ruhe im vollen großen Auge , dieser gehaltene Ernst , diese stille Würde , selbst bei einigen sehr anzüglichen Redensarten , die sie anhören mußte ; und es ist nur zu bedauern , daß dieses großzügige fast antike Spiel in keinem der Theater-Almanache psychologisch und künstlerisch wird gepriesen und entwickelt werden ; aber ich kann nur soviel sagen , mir ist dadurch über diesen Charakter ein neues Verständnis aufgegangen , und ihr unbegreiflicher Fall , ihre Reue und Besserung , sowie die Versöhnung erscheinen mir jetzt recht sehr begreiflich . « Man scherzte beim Abendessen und Wein ; dann trennten sich die Freunde , und jeder begab sich in sein Zimmer und zur Ruhe . Die Freunde hatten von der letzten Stadt aus Post genommen , um schneller zu reisen , und befanden sich am dritten Tage schon in Bergen und anmutigen Wäldern , mit frisch grünen Talen und rinnenden Quellen aus bemoostem Gestein . Sie waren erfreut über die wechselnden Aussichten , sie unterhielten sich von der Lieblichkeit der Natur , und der Baron erzählte vieles von seinen Reisen . Diese Geschichten erweckten auch in Leonhards Seele die frohesten Erinnerungen , und so entschwanden ihnen die Stunden , die Meilen ; Dörfer und Städte , Berge und Wälder glitten ihnen vorüber , wie im lieblichen Traum . Von einem der höchsten Punkte des Gebirges , den sie am vierten oder fünften Tage ihrer Reise erreichten , entdeckten sie ganz in der Ferne die fränkischen Berge . » Dort liegt mein geliebtes Land « , rief Leonhard aus , » das ich eine lange Zeit wie mein Vaterland geliebt habe , wo ich einst zu wohnen träumte , und das mir mit einem unerklärlichen Zauber an die Seele geheftet ist , obgleich ich seitdem wunderbarere , reichere und schönere Gegenden gesehen habe . « » Es ist « , sagte Elsheim , » mit der Liebe zur Natur und zu Gegenden , wie mit jeder Liebe , sie hat etwas Unerklärliches ; dergleichen kann und soll auch nie begriffen werden , denn im Geheimnis liegt ein höheres Verständnis . Auch gibt es gewiß zur Natur Sympathien und Antipathien , und mir stehn die schönen Gegenden geradeso individuell vor meiner Seele , wie verschiedene liebe Menschen und befreundete Wesen . « » Das ist eine sehr richtige Beschreibung « , sagte Leonhard , » und jede schöne Gegend , der wir uns mit Rührung erinnern , zieht uns mit einer ganz eigentümlichen Sehnsucht an , die bei mir so stark werden kann , daß ich in der Einsamkeit über Landkarten , Bildern oder Beschreibungen in gewissen bewegten Stunden Tränen vergieße . Es ist , als zieht mich dieses Tal , jener Berg , ein altes Schloß , die Höhe mit der wundervollen Aussicht , wie mit Gewalt zu sich , und ich bin gerührt , wenn ich mir denke , daß ich diese Freunde wohl nie wiedersehe . « » Mit Kunstwerken « , sagte Elsheim , » geht es uns ebenso ; wie oft stehe ich mit meinem Geiste auf meinen Lieblingsstellen in den Galerien , sehe ich diese dann einmal wieder , so empfängt mich auch dort eine gewisse Heiligkeit , ein alter Gruß , wie das vertrauliche Reichen der Hand von einem Geiste . O mein Freund , was könnte der Mensch außer sich und in sich für ein edles , gediegenes , verklärtes Leben führen , wenn er nicht so viel der Zerstreuung , dem Leichtsinn , dem Zeitverderb und leerem Müßiggange opferte ! « » Lieber « , sagte der junge Meister , und faßte des Freundes Hand , » wie teuer wirst du mir mit solchen Worten ! Warum bist du denn selbst oft auf gewisse Weise leichtsinnig , daß du mir gleichsam den edleren Geist in dir zu verhöhnen scheinst ? « Elsheim errötete leicht und sagte : » Bester , du kennst die Geschichte mit der Katze , die in eine schöne Prinzeß verwandelt ward , sich aber in ihrer erhabensten Umgebung vergaß , wenn sie eine Maus laufen sahe . So geht es leider mir , nach den schönsten Stunden , ja während denselben ; und lieber springe ich denn doch den Mäusen nach , als daß ich mein ehemaliges Katzenwesen in mir durch Heuchelei überkleidete . Diese ist überhaupt das Laster , welches ich am meisten hasse , vielleicht übertreibe ich zuweilen meine geringere Natur in Gegenwart von Heuchlern , um ihnen nur nicht gleich zu werden . Und wie jede Frucht ihre Reife nur zur rechten Zeit erlangt , so auch im Menschen ; meine Stunde hat noch nicht geschlagen , die rechte Mittagssonne hat mich noch nicht getroffen , soll es sein , so wird