im Anfang nicht zugehört , aber zuletzt hört ich ' s mit an und rief : » Das ist die Günderode ! « Man redete mir ' s aus und sagte , es sei wohl eine andre , da so viel Frankfurter im Rheingau wären . Ich ließ mir ' s gefallen und dachte : grade , was man prophezeie , sei gewöhnlich nicht wahr . - In der Nacht träumte mir , sie käme mir auf einem mit Kränzen geschmückten Nachen entgegen , um sich mit mir zu versöhnen ; ich sprang aus dem Bett in des Bruders Zimmer und rief : » Es ist alles nicht wahr , eben hat mir ' s lebhaft geträumt ! « » Ach « , sagte der Bruder , » baue nicht auf Träume ! « - Ich träumte noch einmal , ich sei eilig in einem Kahn über den Rhein gefahren , um sie zu suchen ; da war das Wasser trüb und schilfig , die Luft war dunkel und es war sehr kalt ; - ich landete an einem sumpfigen Ufer , da war ein Haus mit feuchten Mauern , aus dem schwebte sie hervor und sah mich ängstlich an und deutete mir , daß sie nicht sprechen könne ; - ich lief wieder zum Schlafzimmer der Geschwister und rief : » Nein , es ist gewiß wahr ; denn mir hat geträumt , daß ich sie gesehen habe , und ich hab gefragt : Günderode , warum hast Du mir dies getan ? Da hat sie geschwiegen , hat den Kopf gesenkt und hat sich traurig nicht verantworten können . « - Nun überlegte ich im Bett alles und besann mich , daß sie mir früher gesagt hatte , sie wolle sich erst mit mir entzweien , eh sie diesen Entschluß ausführen werde ; nun war mir unsre Trennung erklärt ; auch daß sie mir ein Zeichen geben werde , wenn ihr Entschluß reif sei ; - das war also die Geschichte von ihrer toten Schwester , die sie mir ein halb Jahr früher mitteilte ; da war der Entschluß schon gefaßt . - O ihr großen Seelen , dieses Lamm in seiner Unschuld , dieses junge zaghafte Herz , welche ungeheure Gewalt hat es bewogen , so zu handeln ? - Am andern Morgen fuhren wir bei früher Zeit auf dem Rhein weiter ; - Franz hatte befohlen , daß das Schiff jenseits sich halten solle , um zu vermeiden , daß wir dem Platz zu nahe kämen , aber dort stand der Fritz Schlosser am Ufer , und der Bauer , der sie gefunden , zeigte ihm , wo der Kopf gelegen hatte und die Füße und daß das Gras noch niederliege , - und der Schiffer lenkte unwillkürlich dorthin , und Franz bewußtlos sprach im Schiff alles dem Bauern nach , was er in der Ferne verstehen konnte , und da mußt ich denn mit anhören die schauderhaften Bruchstücke der Erzählung vom roten Kleid , das aufgeschnürt war , und der Dolch , den ich so gut kannte , und das Tuch mit Steinen um ihren Hals , und die breite Wunde ; - aber ich weinte nicht , ich schwieg . - Da kam der Bruder zu mir und sagte : » Sei stark , Mädchen . « - Wir landeten in Rüdesheim ; überall erzählte man sich die Geschichte ; ich lief in Windesschnelle an allen vorüber , den Ostein hinauf eine halbe Stunde bergan , ohne auszuruhen ; - oben war mir der Atem vergangen , mein Kopf brannte , ich war den andern weit vorausgeeilt . - Da lag der herrliche Rhein mit seinem smaragdnen Schmuck der Inseln ; da sah ich die Ströme von allen Seiten dem Rhein zufließen und die reichen friedlichen Städte an beiden Ufern und die gesegneten Gelände an beiden Seiten ; da fragte ich mich , ob mich die Zeit über diesen Verlust beschwichtigen werde , und da war auch der Entschluß gefaßt , kühn mich über den Jammer hinauszuschwingen ; denn es schien mir unwürdig , Jammer zu äußern , den ich einstens beherrschen könne . Briefwechsel mit Goethe Mit Flammenschrift war innigst eingeschrieben Petrarcas Brust , vor allen andern Tagen , Karfreitag . Ebenso , ich darf ' s wohl sagen , Ist mir Advent von Achtzehnhundertsieben . Ich fing nicht an , ich fuhr nur fort zu lieben Sie , die ich früh im Herzen schon getragen , Dann wieder weislich aus dem Sinn geschlagen , Der ich nun wieder bin ans Herz getrieben . Petrarcas Liebe , die unendlich hohe , War leider unbelohnt und gar zu traurig , Ein Herzensweh , ein ewiger Karfreitag ; Doch stets erscheine , fort und fort , die frohe , Süß , unter Palmenjubel , wonneschaurig , Der Herrin Ankunft mir , ein ew ' ger Maitag . An Goethe Kassel , den 15. Mai 1807 » Liebe , liebe Tochter ! Nenne mich für alle Tage , für alle Zukunft mit dem einen Namen , der mein Glück umfaßt ; mein Sohn sei Dein Freund , Dein Bruder , der Dich gewiß liebt usw. « Solche Worte schreibt mir Goethes Mutter ; zu was berechtigen mich diese ? - Auch brach es los wie ein Damm in meinem Herzen ; - ein Menschenkind , einsam auf einem Fels , von Stürmen umbraust , seiner selbst ungewiß hin- und herschwankend , wie Dornen und Disteln um es her - so bin ich ; so war ich , da ich meinen Herrn noch nicht erkannt hatte . Nun wend ich mich wie die Sonnenblume nach meinem Gott und kann ihm mit dem von seinen Strahlen glühenden Angesicht beweisen , daß er mich durchdringt . O Gott ! Darf ich auch ! - Und bin ich nicht allzu kühn ? Und was will ich denn ? - Erzählen , wie die herrliche Freundlichkeit , mit der Sie mir entgegenkamen , jetzt in meinem Herzen wuchert ? - alles