wieder kommen könnte in ' s Vaterhaus . « » Wer weiß , ob das nicht bald , recht bald geschieht ; « meinte Margarethe . » Bald ? recht bald ? « versetzte Diether mit glänzenden Blicken : » Weib , Ihr wißt am Ende , daß er kommen darf ? Sagt mir ' s ... ich will ihn abholen , auf meinen Armen ihn hieher tragen ! Wie gerne will ich meinen Bart von ihm zerraufen lassen , wie gern ihn auf meinen Knien schaukeln , so lange er will , wenn er nur kömmt , gesund ist , und unsre Freude wird ! « Margarethe benützte geschickt die freudige Bewegung des Alten , öffnete rasch die Seitenthüre , und legte den staunenden Knaben an die Brust des vor Freude zur Bildsäule gewordnen Gatten . - » Sieh hier Deinen Sohn ! « » Mein Johannes ! « stammelte der Überraschte , und preßte ihn unzähligemal an sein Herz , an seine Lippen . Er nahm ihn auf die Arme , tanzte mit ihm in der Stube umher , geberdete sich , als habe die Freude seinen Verstand verrückt . Endlich setzte er ihn zur Erde nieder , und betrachtete ihn staunend . » Ich kann nicht zu mir selbst kommen ; « sagte er . » Wie können wenige Monate ein Kind verändern ! Wie haben sich die Züge ausgebildet , und die Gestalt ! Ja ; so , so muß ein Sohn unsers alten Geschlechts aussehen ; stark , kräftig , ein emporstrebendes Stämmchen . Warum bist Du aber so fremd geworden gegen Deinen Vater ? Du betrachtest mich so verwundert , als ob Du mich noch nie gesehen ? Was ist denn mit dem Jungen ? « » Auf unserm Maierhofe , « begann Willhild ängstlich , » hat er viel vergessen . Zürnt ihm nicht , edler Herr . « » Umarme Deinen Vater , Hans ! « gebot Margarethe . - Der Knabe warf einen furchtsamen Blick auf sie , umschlang Diether ' s Hals , und drückte einen herzhaften Kuß auf dessen Mund . - » Willkomm , Vater ! « sprach er , noch halb verdutzt : » Hab den kleinen Hans lieb ! « Schon der Kuß hatte Alles wieder gut gemacht , und die zutraulichen Worte des Knaben vollendeten Diether ' s Bezwingung . Kosend und tändelnd trat er , den Kleinen auf dem Arm , vor den Spiegel , und sprach wohlgefällig : » Fast möchte ich für wahr halten , was die Amme schon sagte , da sie den neugebornen Buben in meinen Arm legte , er sieht mir ähnlich ; recht ähnlich ! Ist das nicht meine Nase , mein Mund ? Sind das nicht meine Augen ? Die Ähnlichkeit hat sich erst recht herausgewachsen . Nicht wahr ? « Margarethe und Willhild bekräftigten die Meinung des guten Alten , und sein Vergnügen wuchs zum Muthwillen auf . » Die Lästerzungen , « raunte er Margarethen in ' s Ohr , » die über unsern Ehbund spöttelten , werden gelähmt seyn , beim Anblick dieses Gesichts , das in das Geschlecht der Frosche recht eigentlich gehört . Sie prophezeiten mir das gewöhnliche Loos des Sechzigjärigen , der zur zweiten Ehe schritt , und dennoch .... « Hier wies er triumphirend auf den Knaben , der mit seinen grauen Locken spielte . Margarethe verschloß ihm aber den ruhmredigen Mund mit einem Kusse . Fußnoten 1 Lederne Gürteltasche der Frauen . Fünftes Kapitel . O , kehre nie zur Heimath wieder , Ein Fremdling warst Du ihr . Dir tönen nicht mehr ihre Lieder Und ihre Sitte widert Dir . Was willst Du hier ? im fernen Lande Fand ' st Du ein falsches Glück , Und ließest - Thor ! - dafür zum Pfande Dein ehrlich deutsches Herz zurück ! Altes Schauspiel . Dagobert ' s und Gerhard ' s Berufswege liefen in entgegengesetzter Richtung . Darum war es auch weiter kein Wunder , daß ihr täglicher Lebensweg ebenfalls ein verschiedner war . Gerhard lag in dem Gasthause zum Engel , auf der Bärenhaut , und wartete bei Trunk und Spiel mit der größten Gelassenheit auf eine Gelegenheit , in irgend einem Schimpfspiele als Turnierfechter der freien Reichsstadt Frankfurt sich auszuzeichnen . Dagobert benützte hingegen die ersten Tage seiner Anwesenheit zu Costnitz , die Stadt sammt ihren Kirchen und Merkwürdigkeiten kennen zu lernen , und nach seinem Oheim zu fragen , der ausdrücklich versprochen hatte , sich im Gefolge des Papstes Johann auf dem Concilium einzufinden . Um so seltsamer kam es ihm vor , daß es ihm nicht gelang , die mindeste Spur von ihm ausfindig zu machen . Vergebens forschte er bei Geistlichen und Weltlichen nach dem Prälaten Hieronymus Frosch : niemand wußte ihm Auskunft zu geben . Die Schöffen des Frankfurter Raths selbst hatten nicht das Geringste von einem solchen gehört , und so verging schier eine Woche , und der Eifer Dagobert ' s hatte schon bedeutend nachgelassen , als ihn mit einemmale ein Diener zu dem Herzog Friedrich von Östreich beschied . In sein bestes Kleid gehüllt , eilte er nach dem Hofe , den dieser reiche und prachtliebende Fürst mit seinem Gefolge einnahm . Der Herzog empfing ihn in einem einfach aber edel gezierten Gemache . - » Wie gefällt ' s Euch zu Costnitz , junger Degen ? « fragte er den Jüngling mit heitrer Miene : » Wie behagt Euch das lustige Treiben und die bunte Menge , die einen Jahrmarkt eher verkündet , als eine ernste Kirchenversammlung ? « Dagobert bekannte , daß er noch wenig gethan , um sich mit dem Gewühl der vielen Ausländer und fremden vaterländischen Gäste vertraut zu machen . » Bei Eurer Jugend nimmt mich das höchlich Wunder ! « sprach der Herzog : » Jesus Christus ! wenn ich daran denke , wie ich in Euerm Alter das Leben betrachtet habe ! Es kam mir nicht anders vor , als wie ein