ich mich kaum selbst erkannte , und daß ich , von plötzlichem Jähzorn , wie er jungen Dichtern wohl eigen , übermannt , im Begriff war , aus meinem Schlupfwinkel hervor dem Professor ins Gesicht zu springen und ihn die Schärfe meiner Krallen fühlen zu lassen . Der kluge Gedanke , daß ich doch , wenn beide , der Meister und der Professor , sich über mich hermachten , notwendig den kürzern ziehen müsse , ließ mich meinen Zorn mit Gewalt niederkämpfen , jedoch entfuhr mir unwillkürlich ein knurrendes Miau , das mich unfehlbar verraten haben würde , hätte der Meister nicht , da der Professor mit dem Sonett fertig , aufs neue eine dröhnende Lache aufgeschlagen , die mich beinahe noch mehr kränkte als des Professors Ungeschick . » Hoho , « rief der Meister , » wahrhaftig , das Sonett ist eines Katers vollkommen würdig , aber noch immer verstehe ich nicht Euern Spaß , Professor , sagt mir nur lieber geradezu , wo Ihr hinauswollt . « Der Professor , ohne dem Meister zu antworten , blätterte im Manuskript und las weiter : » Glosse Liebe schwärmt auf allen Wegen , Freundschaft bleibt für sich allein , Liebe kommt uns rasch entgegen , Aufgesucht will Freundschaft sein . Schmachtend wehe , bange Klagen Hör ' ich überall ertönen , Ob den Sinn zum Schmerz gewöhnen , Ob zur Lust , ich kann ' s nicht sagen , Möchte oft mich selber fragen , Ob ich träume , ob ich wache . Diesem Fühlen , diesem Regen , Leih ihm , Herz , die rechte Sprache ; Ja , im Keller , auf dem Dache , Liebe schwärmt auf allen Wegen ! Doch es heilen alle Wunden , Die der Liebesschmerz geschlagen , Und in einsam stillen Tagen Mag , von aller Qual entbunden , Geist und Herz wohl bald gesunden ; Art ' ger Kätzchen los Gehudel , Darf es auf die Dauer sein ? Nein ! - fort aus dem bösen Strudel , Unterm Ofen mit dem Pudel , Freundschaft bleibt für sich allein ! Wohl ich weiß es - « » Nein , « unterbrach hier der Meister den lesenden Professor , » nein , mein Freund , Ihr macht mich in der Tat ungeduldig , Ihr oder ein anderer Schalk hat sich den Spaß gemacht , im Geist eines Katers , der nun gerade mein guter Murr sein soll , Verse zu machen , und nun foppt Ihr mich den ganzen Morgen damit herum . Der Spaß ist übrigens nicht übel und wird vorzüglich dem Kreisler sehr wohl gefallen , der wohl nicht unterlassen dürfte , damit eine kleine Parforcejagd anzustellen , in der Ihr am Ende selbst ein gehetztes Wild sein könntet . Aber nun laßt Eure sinnreiche Einkleidung fahren und sagt mir ganz ehrlich und trocken , was es mit Eurem seltsamen Spaß eigentlich für eine Bewandtnis hat . « Der Professor schlug das Manuskript zusammen , sah dem Meister ernst ins Auge und sprach dann : » Diese Blätter brachte mir vor einigen Tagen mein Pudel Ponto , der , wie Euch bekannt sein wird , mit Eurem Kater Murr in freundschaftlichen Verhältnissen lebt . Zwar trug er das Manuskript zwischen den Zähnen , wie er nun einmal alles zu tragen gewohnt ist , indessen legte er es mir doch ganz unversehrt in den Schoß und gab mir dabei deutlich zu verstehen , daß er es von keinem andern habe , als von seinem Freunde Murr . Als ich nun einen Blick hineinwarf , fiel mir gleich die ganz besondere , eigentümliche Handschrift auf , als ich aber einiges gelesen , stieg in mir , selbst weiß ich nicht , auf welche unbegreifliche Art , der seltsame Gedanke auf , Murr könnte das alles selbst gemacht haben . So sehr mir die Vernunft , ja , eine gewisse Lebenserfahrung , der wir alle nicht entgehen können , und die am Ende nun wieder weiter nichts ist als die Vernunft , so sehr mir also eben diese Vernunft sagt , daß jener Gedanke unsinnig , da Kater weder zu schreiben noch Verse zu machen imstande , so konnte ich ihn doch durchaus nicht los werden . Ich beschloß , Euern Kater zu beobachten , und stieg , da ich von meinem Ponto wußte , daß Murr viel auf Eurem Boden hausiere , auf meinen Boden , nahm einige Dachziegel herab , so daß ich mir die freie Aussicht in Eure Dachluken verschaffte . Was gewahrte ich ! - Hört es und erstaunt ! - In dem einsamsten Winkel des Bodens sitzt Euer Kater ! - sitzt aufgerichtet vor einem kleinen Tisch , auf dem Schreibzeug und Papier befindlich , sitzt und reibt sich bald mit der Pfote Stirn und Nacken , fährt sich übers Gesicht , tunkt bald die Feder ein , schreibt , hört wieder auf , schreibt von neuem , überliest das Geschriebene , knurrt ( ich konnte es hören ) , knurrt und spinnt vor lauter Wohlbehagen . - - Und um ihn her liegen verschiedene Bücher , die , nach ihrem Einband , aus Eurer Bibliothek entnommen . « - » Das wäre ja der Teufel , « rief der Meister , » nun so will ich dann gleich nachsehen , ob mir Bücher fehlen . « Damit stand er auf und trat an den Bücherschrank . Sowie er mich erblickte , prallte er drei Schritte zurück und blickte mich an voll Erstaunen . Aber der Professor rief : » Seht Ihr wohl , Meister ! Ihr denkt , der Kleine sitzt harmlos in der Kammer , in die Ihr ihn eingesperrt , und er hat sich hineingeschlichen in den Bücherschrank , um zu studieren , oder noch wahrscheinlicher , um uns zu belauschen . Nun hat er alles gehört , was wir gesprochen , und kann seine Maßregeln darnach nehmen . « - » Kater , « begann der Meister , indem er fortwährend den Blick voll