mit welchen Gott die Aeltern gesegnet und erfreut habe , nicht schon von der Wiege an , wie unvernünftige Thiere , in Koth und Unflath solle verwildern , sondern frühzeitig an Zucht und Gehorsam , Liebe und Gottesfurcht gewöhnen lassen . Darum habe schon Christus der Herr gerufen : » Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht . « Nach diesen Reden , zu denen auch einige andere verständige Männer ihren Beifall vernehmen ließen , und sagten , man läßt ja Pferde , Ochsen und Schafe hüten , daß sie nicht Schaden nehmen und Schaden stiften : warum denn nicht unsre armen lieben Kinder ? willigten die Versammelten in den Vorschlag ein ; doch blieb jedem überlassen , wer Lust dazu habe , sich , für seine Kleinen , beim Schulmeister Heiter zu melden und einschreiben zu lassen . In den ersten Wochen war die Anzahl der Unmündigen gering , welche man dieser neuen Anstalt anvertraute . Allein das Beispiel der Einen zog bald die Andern nach , zumal da selbst bemittelte Haushaltungen keinen Anstand nahmen , ihre Allerjüngsten dahin zu geben . Frau Heiter war sogar endlich genöthigt , Gehülfinnen anzunehmen , die sich freiwillig dazu erboten und abwechselnd Beistand leisteten . Auch Elsbeth und Oswald zeigten sich dabei sehr thätig , bis Alles im rechten Gang war ; nicht minder der gute Pfarrer und mancher rechtschaffene Hausvater im Dorfe . Anfangs liefen viele Mütter neugierig dahin , das fröhliche Leben in der Bewahrschule zu schauen , und sie konnten die artige Einrichtung nicht laut genug loben und rühmen . Aber es war recht lustig , das muntere Getümmel und Treiben der Heerde von Kindern zu sehen ; wie die Einen mit einander spielten , die Andern beisammen plauderten ; Andre umherhüpften und tanzten ; Andre zankten ; Andre schliefen ; Andre aßen ; Andre um die Aufseherin standen , kleine Geschichten zu hören , die sie ganz kindlich erzählte . Gab dann die junge Frau Heiter mit einem Glöckchen das Zeichen , ward Alles still . Mädchen und Bübchen nahmen durch einander auf niedrigen , langen Bänken ihren Sitz . Dann zeigte ihnen ein Lehrer , oder die Lehrerin , allerlei Dinge vor , einen Vogel im Käfig , ein Kleidungsstück , eine Kugel , einen Degen , eine Feldfrucht und dergleichen , und fragte um den Namen solcher Dinge , oder sprach den Namen vor , und alle sprachen ihn nach . So lernten sie vielerlei Sachen kennen und nennen ; das heißt , sie lernten reden . Auch hörten sie gern , wozu man dies und das gebrauche , wozu es nützen oder schaden könne , und wovon es verfertigt sei . Recht erbaulich war es zum Beispiel mit anzuhören , wenn sich , während die Kleinern Spiele machten , die Größern um die Lehrerin stellten ; diese dann einen Bogen Papier in die Höhe hielt , und fragte : wo das Papier wachse ? und Alle gar altklug über die Frage lachten und riefen : » Nein , Papier wächst nicht auf den Aeckern ; es wird von Menschen gemacht . « Dann aber ward ein Lumpen von Linnenzeug vorgewiesen und erzählt , wie daraus auf der Papiermühle Papier bereitet werde ; dann wie Flachs und Hanf auf den Aeckern wachse , gebrecht , gehechelt , gesponnen und zu Leinwand gewoben , und wenn diese verbraucht wäre , zu Papier benutzt würde . Das unterhielt und belustigte die wißbegierigen Kleinen sehr ; sie bekamen dabei noch allerlei zu sehen , wie Samen , Pflanze , Flachs , Zwirn u.s.w. War ' s Wetter irgend leidlich , trieb sich die jugendliche Horde lärmend , schwärmend , singend , springend im Garten umher , oder ward in Reih ' und Glied aufgestellt , Soldaten zu spielen . Die Schulmeisterin ward General ; machte Hauptleute aus denen , die schon bis 10 und 20 abzählen und anführen konnten ; ließ sie marschiren , links und rechts schwenken , und mit ihren einzelnen Reihen bald ein Dreieck , bald ein Viereck , bald einen Kreis u.s.w. bilden . Das gab immer Jubel ; und immer neuen Wechsel der Spiele . Niemand war dabei besser mit Rath und That zur Hand , als der würdige Pfarrer . Seitdem ist in Goldenthal allezeit eine Bewahrschule der unmündigen Kleinen beibehalten worden . Schon nach Jahr und Tag gaben die Aeltern gern einen geringen Beitrag zum Wochenlohn der Lehrerinnen , oder Abwärterinnen . In Ferkelhausen und andern benachbarten Dörfern folgte man dem Vorgang der Goldenthaler bald nach ; denn man sah , wie dort die Kinder , auch die ärmsten , viel reinlicher , gehorsamer , gesünder und verständiger wurden , als anderswo . So mußte das Unglück einer Feuersbrunst und eines ertrunkenen Mägdleins , zum großen Glück und Segen vieler Haushaltungen gereichen . 20. Was man von den Goldenthalern im Lande redet . In der Stadt und in den umliegenden Dörfern gab es über die Goldenthaler mancherlei Gespräch . Diese Leute hatten bisher immer Lumpen geheißen , waren als Saufbrüder bekannt , als lüderliche Vögel , als Schuldenmacher , denen man keinen Heller anvertrauen mochte . Nun war es gar sonderbar , daß es bei ihnen im Dorfe gar nicht aussah , wie bei armen Leuten . Ihre Häuser waren sauber und reinlich ; eben so Alles in schönster Ordnung auf der Gasse , hinter den Häusern und in den Gärten . Es war bei ihnen artiger , als in den reichsten Dörfern . Man sah im Sommer die Männer , Weiber und Kinder schon früh Morgens auf den Feldern . Da trugen und streuten die Einen den Dünger , Andere jäteten Unkraut aus . Immer hatten diese Leute etwas zu thun . Und es war eine Lust , sie arbeiten zu sehen . Es ging ihnen alles gar geläufig von der Hand . Brauchte man in der Stadt Taglöhner , so fragte man am liebsten nach Goldenthalern . Gingen die Bürgerfrauen zum Einkaufe auf den Markt , so