selbst Gefahr , da er zwar noch nicht seine Aussöhnung mit dem Kaiser durch Überlieferung der Krone abgeschlossen , aber in der Unterhandlung begriffen war . Wir lebten ein glückliches halbes Jahr in der Einsamkeit , ein Diener sorgte für unser Bedürfnis , wir trieben es in kunstreichen Webereien zur größten Vollendung und erfreuten den Vater mit unsern Arbeiten , indem wir ihn durch diese Abbilder künstlich in unsre Nähe zauberten . Ich wurde von einem Sohne entbunden , genas bald wieder und nichts schien unserm Glücke zu fehlen . « Die Fremde hielt inne , drückte ihre Stirn mit der Hand und fuhr fort : » Als wir eines Nachmittags den Huf eines Rosses durch den Wald schallen hörten , da fuhr ich auf , wie aus einem Traume , und der Ritter erschrak bei dieser Seltsamkeit , denn der Wald war so dicht , daß niemand seinen Weg durch denselben nahm , am wenigsten zu Rosse . Er griff nach seiner Armbrust , aber ich hielt ihn , denn im Augenblicke entdeckte ich , es sei ein sehr alter Mann , der sich mit seinem Roß durch die Büsche quälte , und mein unseliges Mitleiden raubte mir alles . Der Ritter unterhielt sich mit dem Alten , er nannte sich Martin . « - » Martin ? « fragte Berthold halblaut . - » Martin nannte sich der Alte und seinen Herrn nannte er den Ritter von Golm , der unfern mit seinem Pferde harre , sie hätten sich durch Irrlichter anführen lassen , so wären sie schon in der Nacht von der Straße nach Augsburg abgekommen . Der Ritter entschloß sich , sie auf die rechte Straße zu begleiten , aber meine Neugierde erwachte , etwas Neues von der Welt zu hören , da mein Vater nicht schreiben mochte und der alte Diener zu einfältig war , etwas Neues zu begreifen . Der Ritter gab meinem unseligen Verlangen nach , zur Strafe dieser Neugier habe ich ihn verloren und dem Tageslichte entsagt , bis ich meinen Sohn wieder finde . - Er brachte den fremden Ritter und seinen Reisigen Martin in unser Haus , ich wandte mich mit allerlei Fragen an den Ritter , der alt und grämlich sie nur kurz beantwortete und sich verwunderte , was wir Wald-Bauerleute uns um die hohen Häuser Schwabens kümmerten . Mein Ritter gab vor , wir hätten Sollst beide in einem der Häuser gedient und hätten uns in die Wildnis geflüchtet , weil der Herr unsre Heirat nicht zugeben wollen . Der alte Ritter stellte sich etwas ungläubig und wollte seine Waffen nicht ablegen , auch nichts genießen , was wir ihm vorsetzten , vielmehr mußte sein alter Martin ihm selbst etwas , das er bei sich führte , in der Küche wärmen . Der unbequeme Gast verdarb uns schon alle Laune , oder war ' s die Ahndung des nahen Unglücks , daß der Ritter und ich mehrmals mit heimlicher Trauer einander die Hände drückten . So stumm saßen wir drei bei einander , als ein seltsames Knistern und Sausen über uns meinen Ritter aus dem Traume weckte ; er riet nicht lange , was es sein könne , denn Martin stürzte herein und sagte , der Schornstein müsse nicht fest gewesen sein , das Sparrwerk des Daches brenne . Ich eilte halb sinnlos nach der Wiege des Kindes und riß es heraus , der Ritter sprang nach dem verdeckten Behältnisse unter dem Bette , wo die Krone bewahrt wurde , und nahm die Krone offen in seine Hand . Wir eilten mit dem Ritter und Martin ins Freie und bemerkten dort , daß der Brand nur den oberen Teil des Daches ergriffen und daß wir noch in Sicherheit so manches unsrer Arbeiten und unseres Gerätes erretten könnten . Ich gab mein Kind dem alten Ritter und sprang ins Haus zurück , mein Gemahl folgte dem Beispiele und warf die Krone beiseite , indem er mir folgte . Wir brachten manchen seltnen Schrank und unsre Teppiche hinausgetragen und als wir fertig mit der Rettung unsrer besten Sachen waren , riefen wir nach dem Ritter , weil wir ihn nicht gleich sahen . Da hörten wir in einiger Entfernung sein Lachen und seiner Rosse Wiehern , Kind und Krone fehlten , wir fühlten und es erstickte unsre Worte , daß wir schrecklich betrogen waren , daß dieses Feuer nur angelegt worden , um zu entdecken , wo die Krone verborgen sei . Ich blieb sinnlos stehen und lehnte mich an einen Baum , mein Ritter zog sein Schwert und eilte den Räubern wie ein Rasender nach . Ich hörte Waffengeklirr , ich sah Martin , den Reisigen , im Gefecht mit meinem Herrn , da sank ich nieder . Ich meinte meinen Herrn gesehen zu haben , wie er mit blutigem , gespaltenen Haupte zu mir trat , vor mir niedersank , mich um ein letztes Andenken bat , und wie ich in Erstarrung den goldnen , schön geschuppten Trauring in die Wunde drückte . Ist ' s ein Traum gewesen , so war er schrecklich deutlich , aber kein andres Bild aus meinem wahnsinnigen Zustande ist mir so deutlich geblieben . Der alte Diener , der mich fand , konnte von meinem Ritter , von dem Kinde , von der Krone nichts entdecken , die Gesträuche waren mit Blut bespritzt , mein Herz wußte , es sei das Blut des Geliebten , mein Verstand unterlag , ich fühlte bald nichts von der Welt , deren Ungewißheit mich von ihr losgerissen hatte . Der alte Diener fand mich sinnlos , allmählich besann ich mich , der Tod des Vaters ging gleichgültig meinem Ohr vorüber . Erst im Hause dieses edlen Baumeisters lernte ich wieder denken , erkannte meine Schuld , und brachte zur Sühne meiner Neugierde das schmerzliche Gelübde , das Tageslicht zu meiden , bis ich den Sohn oder den Geliebten wieder finde . « - » Ihn habe dies Gelübde nicht angeraten « , sagte der Baumeister ,