wird es schwerlich mehr , als gerade an diesem Orte wirken . Wohlan , so trete ich mit ihnen in Unterhandlung . Wir haben auch Kirchen . Mag es dem Volke dann bleiben ; aber mir soll es auch nicht ganz entrissen werden . In meiner Nähe will ich es behalten . Wenn sie es zufrieden sind - fuhr er , meine Hand mit Heftigkeit ergreifend , fort - wenn ich ihnen verspreche , versprechen darf : du wollest das Bild zum zweitenmale , diesem vollkommen gleich darstellen ? - Sie sollen es von mir geschenkt , und nach meinem Tode auch das erste als Vermächtniß erhalten ? Wie dann ? Wie dann ? - O ! - rief ich - dann ist uns Allen geholfen , und wir bleiben ewig Ihre Schuldner ! Oder wir die deinigen ! - fiel er ein , und schloß mich fest in die Arme . In diesem Augenblicke waren wir seitwärts von dem Bilde gekommen , und das heilige Mädchen erblickte uns . Der Fürst bemerkte es , und sagte : Du Glückseliger besitzest sie zweimal ! während ich Armer von elenden verzerrten Halbmenschen umgeben bin . Sie hat geklagt - antwortete ich - daß sie nicht zu Ihnen kommen dürfe . Ach ich fürchtete mich selbst ! fürchtete ein Geständniß nicht mehr zurücknehmen zu können , was ihren hohen Kindersinn für immer zerstört hätte . Denn ich weiß es ! bleibe ich in den Schranken , so ist es diese himmlische Unbefangenheit allein , die mich hält . Meine lauernden Höflinge haben mich errathen und mir eine Reihe Schönheiten vorgeführt , von denen du manche deines Pinsels würdig gefunden haben würdest . Vergebens ! Berauscht haben sie mich ; aber das Nüchternwerden konnten sie nicht hindern . Ich gestehe , daß dieses Bekenntniß eine Art Freude bei mir erweckte . Ich fühlte mich der Himmlischen näher , und fühlte mich ihrer würdiger . Er errieth mich augenblicklich , und eine finstre Wolke verbreitete sich über sein schönes Gesicht . Dann verließ er mich plötzlich , und ging , wie gewöhnlich , wenn er uneins mit sich selbst ist , heftig auf und ab . Ein Paar heimliche Blitze aus seinen Augen schossen an mir vorüber . Ach , ich begriff und beklagte ihn . Eben so plötzlich als er mich verlassen hatte , blieb er jetzt vor mir stehen , und als ob er seine Empfindung in einem Worte zusammenpressen wollte , sagte er im Tone des Vorwurfs : Rosamunde ! - Ich sah vor mir nieder . Rosamunde ! - wiederholte er , meinen Arm ergreifend , als ob er mich aus einem Traume wecken wollte - Rosamunde ! was macht sie , die Unglückliche ? - Ich habe sie - antwortete ich - seit ich das Bild anfing , nicht gesehen . Sie liebt dich . Doch nicht so , wie sich selbst . Wenn sie dir aus Liebe entsagte , liebte sie dich nicht , wie sich selbst ? Sie hat niemals gestanden , daß sie mir aus Liebe entsagte . Wenn die That redet , was bedarf es der Worte ? Sie fürchtete unglücklich mit mir zu werden . Sie fürchtete dich unglücklich zu machen . Sie übt eine schöne Kunst , und so muß ihr Herz ewig getheilt bleiben . Und das deine ? Ich bedarf zur Ausübung der meinigen der Schönheit ausser mir . Sie aber stellt sie durch sich selbst dar , und ist demnach unabhängiger von der Liebe , wie von der Schönheit . Du aber scheinst jetzt eben so unabhängig von ihr , wie von ihrer Liebe zu seyn . Wenn das ist , mein Fürst ! muß ich glauben , es sey ein Verbrechen ? - Sie sagten mir einst , ich werde ein höheres Ideal kennen lernen . Wenn ich es kennen lernte , führte ich , oder das Schicksal es herbei ? - Wenn ich , wie Sie und andere behaupten , die Schönheit reiner und erhabener , als bisher geschah , darstellte , so mußte ich sie auch tiefer empfinden . Strafen Sie mich dann , daß ich das bin , wozu die Natur mich bildete . Warlich ! sie hat dich und uns Alle tiefer durchschaut , als wir glaubten . Meine Härte gegen sie gereuet mich bitter . Aber sie so gänzlich zu verlassen - dazu wär ' ich nicht fähig . Gott ist mein Zeuge ! daß ich sie weder verlassen habe , noch verlassen wollte . Sie ist und bleibt mir unaussprechlich theuer , und so gewiß ich lebe , hat Niemand ihren hohen Werth inniger , als ich , gewürdigt . Aber das , was mich in diesen Tagen beschäftigte , mußte meine ganze Seele einnehmen . Und Sie selbst , mein Fürst ! frage ich : konnt ' es auf andere Weise werden , was es ist ? Die Unglückliche ! Wahrlich ! nicht unglücklicher als ich selbst . Du ! du ? unglücklich ? Bin ich es nicht , so ist es die Kunst allein , die mich schützt . Was kann ich ausser ihr hoffen ! - Wie , wenn ich nicht wäre ? Ich bin mir bewußt , diesen Gedanken niemals gedacht zu haben , und es schmerzt mich , daß ihn irgend Jemand denkt . Aus mir wird er nie kommen . Natürlich wär ' er gleichwohl . Es ist manches natürlich , was mir verächtlich und meiner durchaus unwürdig scheinen würde . Ich gelobte Ihnen einst ewige Entsagung . Kann ich mehr thun , als dieses Gelübde erneuern ? O , ich weiß ! ich weiß - rief er mit flammendem Auge - woher sie dir kommt , diese gewaltige Kraft ! Du bietest aus , wovon du gewiß bist , daß es dir nie genommen werden könne . Aber wie ? wenn du irrtest ? - Wenn ich sie dahin setzte , wohin sie gehört ? Wenn ich mich über elende Vorurtheile erhöbe ? - Denk '