vorhabenden Herbstreise ja nichts reden ; denn gewöhnlich geschähe das nicht , worauf man sich so lange voraus freue . Eduard versprach , nötigte sie aber , Ottilien entgegen geschwinder zu gehen , und eilte ihr endlich , dem lieben Kinde zu , mehrere Schritte voran . Eine herzliche Freude drückte sich in seinem ganzen Wesen aus . Er küßte ihr die Hand , in die er einen Strauß Feldblumen drückte , die er unterwegs zusammengepflückt hatte . Die Baronesse fühlte sich bei diesem Anblick in ihrem Innern fast erbittert . Denn wenn sie auch das , was an dieser Neigung strafbar sein mochte , nicht billigen durfte , so konnte sie das , was daran liebenswürdig und angenehm war , jenem unbedeutenden Neuling von Mädchen keineswegs gönnen . Als man sich zum Abendessen zusammengesetzt hatte , war eine völlig andre Stimmung in der Gesellschaft verbreitet . Der Graf , der schon vor Tische geschrieben und den Boten fortgeschickt hatte , unterhielt sich mit dem Hauptmann , den er auf eine verständige und bescheidene Weise immer mehr ausforschte , indem er ihn diesen Abend an seine Seite gebracht hatte . Die zur Rechten des Grafen sitzende Baronesse fand von daher wenig Unterhaltung , ebensowenig an Eduard , der , erst durstig , dann aufgeregt , des Weines nicht schonte und sich sehr lebhaft mit Ottilien unterhielt , die er an sich gezogen hatte , wie von der andern Seite neben dem Hauptmann Charlotte saß , der es schwer , ja beinahe unmöglich ward , die Bewegungen ihres Innern zu verbergen . Die Baronesse hatte Zeit genug , Beobachtungen anzustellen . Sie bemerkte Charlottens Unbehagen , und weil sie nur Eduards Verhältnis zu Ottilien im Sinn hatte , so überzeugte sie sich leicht , auch Charlotte sei bedenklich und verdrießlich über ihres Gemahls Benehmen , und überlegte , wie sie nunmehr am besten zu ihren Zwecken gelangen könne . Auch nach Tische fand sich ein Zwiespalt in der Gesellschaft . Der Graf , der den Hauptmann recht ergründen wollte , brauchte bei einem so ruhigen , keineswegs eitlen und überhaupt lakonischen Manne verschiedene Wendungen , um zu erfahren , was er wünschte . Sie gingen miteinander an der einen Seite des Saals auf und ab , indes Eduard , aufgeregt von Wein und Hoffnung , mit Ottilien an einem Fenster scherzte , Charlotte und die Baronesse aber stillschweigend an der andern Seite des Saals nebeneinander hin und wider gingen . Ihr Schweigen und müßiges Umherstehen brachte denn auch zuletzt eine Stockung in die übrige Gesellschaft . Die Frauen zogen sich zurück auf ihren Flügel , die Männer auf den andern , und so schien dieser Tag abgeschlossen . Eilftes Kapitel Eduard begleitete den Grafen auf sein Zimmer und ließ sich recht gern durchs Gespräch verführen , noch eine Zeitlang bei ihm zu bleiben . Der Graf verlor sich in vorige Zeiten , gedachte mit Lebhaftigkeit an die Schönheit Charlottens , die er als ein Kenner mit vielem Feuer entwickelte : » Ein schöner Fuß ist eine große Gabe der Natur . Diese Anmut ist unverwüstlich . Ich habe sie heute im Gehen beobachtet ; noch immer möchte man ihren Schuh küssen und die zwar etwas barbarische , aber doch tief gefühlte Ehrenbezeugung der Sarmaten wiederholen , die sich nichts Besseres kennen , als aus dem Schuh einer geliebten und verehrten Person ihre Gesundheit zu trinken . « Die Spitze des Fußes blieb nicht allein der Gegenstand des Lobes unter zwei vertrauten Männern . Sie gingen von der Person auf alte Geschichten und Abenteuer zurück und kamen auf die Hindernisse , die man ehemals den Zusammenkünften dieser beiden Liebenden entgegengesetzt , welche Mühe sie sich gegeben , welche Kunstgriffe sie erfunden , nur um sich sagen zu können , daß sie sich liebten . » Erinnerst du dich , « fuhr der Graf fort , » welch Abenteuer ich dir recht freundschaftlich und uneigennützig bestehen helfen , als unsre höchsten Herrschaften ihren Oheim besuchten und auf dem weitläufigen Schlosse zusammenkamen ? Der Tag war in Feierlichkeiten und Feierkleidern hingegangen ; ein Teil der Nacht sollte wenigstens unter freiem , liebevollem Gespräch verstreichen . « » Den Hinweg zu dem Quartier der Hofdamen hatten Sie sich wohl gemerkt , « sagte Eduard . » Wir gelangten glücklich zu meiner Geliebten . « » Die « , versetzte der Graf , » mehr an den Anstand als an meine Zufriedenheit gedacht und eine sehr häßliche Ehrenwächterin bei sich behalten hatte ; da mir denn , indessen ihr euch mit Blicken und Worten sehr gut unterhieltet , ein höchst unerfreuliches Los zuteil ward . « » Ich habe mich noch gestern , « versetzte Eduard , » als Sie sich anmelden ließen , mit meiner Frau an die Geschichte erinnert , besonders an unsern Rückzug . Wir verfehlten den Weg und kamen an den Vorsaal der Garden . Weil wir uns nun von da recht gut zu finden wußten , so glaubten wir auch hier ganz ohne Bedenken hindurch und an dem Posten , wie an den übrigen , vorbei gehen zu können . Aber wie groß war beim Eröffnen der Türe unsere Verwunderung ! Der Weg war mit Matratzen verlegt , auf denen die Riesen in mehreren Reihen ausgestreckt lagen und schliefen . Der einzige Wachende auf dem Posten sah uns verwundert an ; wir aber , im jugendlichen Mut und Mutwillen , stiegen ganz gelassen über die ausgestreckten Stiefel weg , ohne daß auch nur einer von diesen schnarchenden Enakskindern erwacht wäre . « » Ich hatte große Lust zu stolpern , « sagte der Graf , » damit es Lärm gegeben hätte ; denn welch eine seltsame Auferstehung würden wir gesehen haben ! « In diesem Augenblick schlug die Schloßglocke zwölf . » Es ist hoch Mitternacht , « sagte der Graf lächelnd , » und eben gerechte Zeit . Ich muß Sie , lieber Baron , um eine Gefälligkeit bitten : führen Sie mich heute , wie ich Sie damals führte