hinstellte , ohne zu ahnen , daß sie gleich von irrigen Meinungen ausginge , und daß sie selbst diesen Meinungen keine sonderliche Aufmerksamkeit leihe . Allein Rodrich , den die gemeine Ansicht verletzte , wagte es , ohnerachtet der geringen Bekanntschaft , die Freunde in Schutz zu nehmen , und sprach mit Wärme über die Heiligkeit einer unerschütterlichen Liebe , die man wohl nie wahrer , als in einer weiblichen Brust antreffe . Ach , sagte er , und was ist dem Menschen natürlicher , als das wegzudrängen , was ihm das einzige Glück des Lebens eine seelige Erinnerung trübt ! Ja , erwiederte Elwire den Kopf schüttelnd , da hat nun ein Jeder seine Art zu sehen . Ich für mein Theil , fuhr sie ohne weitern Zusammenhang mit dem Vorhergehenden fort , ich habe den Ritter freilich oft sehr ermüdend gefunden , wenn er so in der grauen Vorwelt schwebte , und die farblosen Gestalten an mir vorüberziehen ließ , während alles im frischesten Glanze um und neben mir lebte und athmete . Einmal wollte er mir auf einem Ball ein Mährchen erzählen , aber ich versicherte ihm , daß Mährchen seit meiner Kindheit eine narkotische Kraft für mich hätten , und ich Gefahr liefe , den Ball und alle ihm versprochene Tänze zu verschlafen . Alexis , sagte Miranda , setzt wie alle sehr lebendige Gemüther voraus , daß man nichts verschmähe , was den eigentlichen Gesichtskreis erweitern könne . In dieser Voraussetzung spricht er ganz unbesorgt , ob sich auch jedem die Bedeutung seiner Worte aufschließen werde . Und er hat im Allgemeinen nicht ganz Unrecht , wenn er auch im Einzelnen oft fehl greift . Es kommt doch wohl einmal eine Stunde , wo sich die harte Schaale löst , und der eigentliche Kern sichtbar wird . Wie schön dir der Schleier steht , sagte Elwire , und ordnete die länglichen Perlen , die zwischen braune Locken auf Miranda ' s Stirn fielen . Therese blickte lächelnd auf sie hin , und schien sich der zierlichen Ungezogenheit zu freuen . Rodrich verstand nicht , wie sie nur die leeren Worte ertragen könne ! Überall fühlte er bald , daß die Prinzessinn aus Furcht , die gesellige Freiheit einzuengen , oder irgend eine Störung zu veranlassen , dem Gespräch keine eigentliche Haltung wie dem herrschenden Tone keine Einheit gab , und man sich in dieser Schrankenlosigkeit sehr beschränkt gefühlt haben würde , wenn Miranda nicht alles an sich gezogen , und den schwankenden Strebungen eine gemeinsame Richtung gegeben hätte . Sie schwebte wirklich wie ein Genius über dem Ganzen , und wußte auch den leersten Köpfen irgend ein gutes Wort abzulocken , wie sie überall einen seltenen Blick für das Bessere im Menschen hatte , und dem Lichte gleich , das verborgene Gold heraufbeschwor , weshalb ihr alle Herzen entgegenflogen , und der Gedrückte , Tiefgebeugte , in ihrer Nähe freier athmete . Stephano hing mit Entzücken an der edlen Gestalt , und Rodrich sah recht , wie diese Liebe ihn über sich selbst erheben , mit Verleugnung seiner widerstrebenden Natur dahin zog , wo Miranda frei , in sich fest , unbefangen da stand . Sie begegnete ihm wie einem lieben lang geehrten Freunde , der überall als ein Glied der Familie angesehen , durch eine ehrende Vertraulichkeit ausgezeichnet ward , und als späterhin der Herzog kam , und der Kreis immer größer ward , sah Rodrich mit steigender Bangigkeit , mit welchen verheißenden Blicken sein Freund von den meisten betrachtet ward , ja wie selbst Miranda ein flüchtiges Erröthen nicht bergend , den vielsagenden Gruß des Herzogs empfing , und unruhig auf Stephano blickte . Unter den vielfachen Gestalten ; die Theresens Rückkehr aus dem Bade für diesen Abend herbeiführte , zeichnete sich eine der hervorleuchtendsten Physiognomien aus , die Rodrich jemals sah . Viormona , Nichte der verstorbenen Herzoginn , hatte sich nach dem Tode ihrer Verwandten in den dunklen Privatstand verloren , und nur mit Mühe die Hand eines edlen Fremden angenommen , um durch den Glanz äußerer Umgebungen die Hoheit der Geburt zu behaupten . Aller Stolz und alle Bitterkeit zurückgedrängter Herrschsucht lag in den hohen Mienen und den glühenden Augen , die wie Feuerkreise über die Erde schweiften und alles zu entzünden droheten . Das seltsam geringelte Haar , der reiche Faltenwurf langer weißer Gewänder , der blendende Glanz ihrer Haut , alles gab ihr ein ganz eignes plastisches Ansehen , so daß sich Rodrich wie vor einer Juno neigte , und die Flammenblicke kaum zu ertragen vermochte . Miranda war ihr mit der feinen Höflichkeit entgegen getreten , wodurch eine edle Natur sich der andern gleichstellt , ohne Herablassung oder ängstliches Zuvorkommen zu verrathen . Und sie schien in diesen heitren Sonnenblicken sich selbst und ihr beschränktes Daseyn zu vergessen , als Elwire mit gutmüthiger Redseligkeit von den Badefreuden erzählte , und ein Hirtenfest beschrieb , bei welchem Miranda auf einen Rosenthron erhoben von einer jubelnden Menge als Herrscherinn begrüßt worden sey . Viormona ' s Herz bebte bei dieser Hindeutung auf die Zukunft . Die gewaltsamen Regungen preßten ihr eine Thräne aus , die brennend in Rodrichs Seele fiel , der nach einigen flüchtigen Erkundigungen , von ihren frühern Verhältnissen unterrichtet , die Schmerzen so bittrer Demüthigung theilte . Ein Thron schien ihm das höchste Ziel menschlicher Strebungen . Hier allein könne sich die innere Unabhängigkeit darthun , und im Glanze eigner Klarheit die enge Sorge des Lebens lösen und die bedrängte Menschenbrust zu höhern Genüssen erschließen . Wie konnte nur ein edler Sinn die Schmach dulden , scheu in den Vorhallen zu weilen , indessen eine fremde Hand im innern Heiligthume wühlte . Sein Widerwille gegen den Herzog wuchs in jedem Augenblick , er vermied es ängstlich seinen forschenden Blicken zu begegnen , die sich unwillkührlich auf ihn zu richten schienen . Alles bis auf den Ton seiner Stimme , jedes unbedeutende Wort war ihm an dem verhaßten Gegenstand zuwider . Selbst als er sich der Schwester