von Asselyn arbeitet bei Herrn Nück und mußte sich leider als ein Gegner der Gräfin einführen . Doch verständigte die würdige Frau sich bald mit dem jungen unterrichteten Manne , der für einen Neffen des Dechanten gilt , aber nur ein Adoptivsohn seines Bruders ist und eine Spanierin zur Mutter haben soll . Der andere ist ein junger reicher Kaufmann , Namens Thiebold de Jonge , eine heitere , lebensfrohe Natur , etwas beschränkt , aber desto reicher ausgestattet mit jenem Enthusiasmus , der bei allen Dingen immer präsent ist , was man bei den blasirten jungen Männern dieser Tage nur noch selten findet . Herr de Jonge gestand mir in aller Offenheit , daß er mich nur mit großem Mistrauen betrachte , denn sein Herz gehöre dem Obersten , der ihm vor einigen Jahren in Canada das Leben gerettet . In Wahrheit aber gehört sein Herz nur Armgart . Sie scheint schon früh das Talent zu haben , die Männer zu verwirren . Herr von Asselyn und dieser junge Kaufmann lieben sie beide und ich weiß nicht , wem sie den Vorzug gibt . Wenigstens scheinen sich die jungen Männer resignirt zu haben , sich ihrem eignen Ausspruch zu unterwerfen . Natürlich war ich auch ihnen eine ganz herzlose Mutter . Erst seitdem sie zufällig in Erfahrung brachten , daß ich damals , als ich mich von meiner Krankheit erhob und im Spiegel mein graues Haar erblickte ( allerdings in der Verzweiflung - weiblicher Eitelkeit ! ) mit allem brach und zu Ihnen in ein Kloster reiste , wo man , wie hier bei den Karmeliterinnen , nicht etwa Näharbeiten fertigt , höchstens ein paar Unterrichtsstunden gibt und die übrige Zeit im Müßiggang vertändelt , sondern in ein Krankenhaus , in dessen stündlichem Geschäftsgang ich die Vergangenheit vergessen wollte , da milderte sich auch hier ein wenig das Mistrauen und ich muß schon über mich wachen , nicht etwa mich mit Lorbern zu schmücken , wenn ich von Ihnen und meinem Tode in Ihrem Kloster spreche . Statt Armgart soll die Gräfin nun nach England eine Italienerin begleiten , ein junges Mädchen , das die Gräfin aus ihren Besitzungen in Piemont kannte und hier wiederzufinden sich wahrhaft gefreut hat . Die Gräfin ist die Güte selbst und würde alles glücklich machen , wenn sie dazu die Mittel besäße . Sie warnten mich vor ihrem Lutherthum ! Freundin , seit den langen Jahren , daß ich an Ihren Krankenbetten lebte , hab ' ich über die Religion in jedem Augenblick nachgedacht , nie aber über den Unterschied der Religionen . Auch Sie , theure Freundin , Sie , Aebtissin der Hospitaliterinnen , die Sie noch zu den Barmherzigen Schwestern alten Stils gehören , nicht zu den neuen , mit denen Vincenz von Paula den Jesuiten ein Geschenk machte , Sie haben mir ja selbst - wie oft gestanden , daß Sie die Zumuthung nicht ertragen würden , die Ihnen die Römlinge stellen , in Ihr Kloster neue religiöse Vorschriften einzuführen ! Eines kann der Mensch nur vollbringen , entweder Gott in der Erfüllung seiner Pflicht dienen - oder sich ganz der Betrachtung ergeben und ausruhen und phantasiren und träumen . Wenn Sie noch beten und singen sollen , sagten Sie selbst , können Sie nicht die Kranken pflegen . Die wahre Religion ist die Pflichterfüllung und ein ganzes Versenken nur in sie allein . Das beste Gebet ist eine That , die auf Gottes Beistand deshalb rechnet , weil sie gut ist . Ich höre hier zuweilen die Predigten eines neuen jungen Domherrn , eines Verwandten unsers Benno von Asselyn , der einen außerordentlichen Zulauf hat und der noch der Last der an ihn gestellten Zumuthungen , namentlich im Beichtstuhl , erliegen muß , wenn er sich nicht Schonung gönnt . Noch neulich sprach er die Worte , die ich nur gewünscht hätte von ihm weiter ausgeführt und auf die Gegenwart anders gedeutet zu sehen : Wir bewundern und fassen es jetzt gar nicht mehr , wie das Christenthum in den alten Zeiten verherrlicht und bekannt wurde ! Nicht nur war es die tägliche Ordnung alles Lebens , des öffentlichen wie des gesellschaftlichen und häuslichen , sondern der stündliche Ausdruck jedes Gefühls , jedes Gedankens , der stete Begleiter des Seufzens im Kummer , wie der Begleiter des Jauchzens in der Freude . Festzüge sah man und sie verherrlichten nur die Vorgänge der heiligen Geschichte - er strafte damit den kindischen Kummer um den verbotenen Carneval - ; man sah Schauspiele wie jetzt und sie unterhielten durch die Geschichte der Passion ; jeder Gedanke der Kunst , der Bildung , der Gelehrsamkeit war zu gleicher Zeit ein christlicher Gedanke . - Nun wohl , flüsterte ich schon nach der Beendigung dieser Predigt der Gräfin zu , die sich entschlossen hatte , diesen Domherrn einmal zu hören ( eine merkwürdige Aehnlichkeit desselben mit einer italieschen Bekanntschaft von ihr , auf die sie von der obengenannten jungen Italienerin aufmerksam gemacht worden war , zog sie an und wurde von ihr bestätigt ) : warum fügte er nicht hinzu , die Kenntnisse haben sich erweitert , die Anschauungen sind umfassender , die Pflichten verwickelter , die Lebensäußerungen mannichfaltiger geworden ? Wenn jetzt nicht mehr jede einzelne Lebensthat die christliche Signatur tragen kann , so genügt es ja schon , wenn sie dem Christenthum nicht widerspricht ... Freilich hat auch die gute Gräfin ihre Herzensberuhigung nur zu sehr darin gefunden , daß sie nach dem Standpunkte , auf dem sie einmal steht , dem Standpunkt des Grafen Zinzendorf - « Bis hierher hatte Monika von Hülleshoven geschrieben ... Sie las die Blätter nur deshalb wieder durch , weil sie den Faden ihrer Erzählung verloren hatte , und eben fand sie ihn , wollte eben weiter schreiben , mittheilen , daß sie trotz des fertigen Gepäckes bis zur Stunde noch im Zweifel wäre , ob sie morgen nach England mitgehen sollte , als sie im Nebenzimmer die sanften Accorde einer Guitarre hörte ... Sie wußte