Das kann ich euch versichern : hätte ich dieses Mädchen in irgend einer noch so bescheidenen , aber anständigen und geachteten Bürgerfamilie gefunden , ich würde Alles daran gesetzt haben , sie zu meiner Frau zu machen ; und ich bin überzeugt , daß ich mit ihr vollkommen glücklich geworden wäre . - Aber die Verhältnisse hier waren anders . « Bei diesen Worten fuhr er sich mit der Hand über das Gesicht und blickte ein paar Sekunden in das lodernde Kaminfeuer , zog seine Augenbrauen dichter zusammen und fuhr dann fort : » Eines Tages ging ich wie gewöhnlich nach ihrem Hause und fand Frau von Z. allein ; ihre Tochter sei ausgegangen , sagte sie . Das war nun schon öfter vorgekommen , befremdete mich auch deßwegen nicht , und ich setzte mich in eine Ecke des Sopha ' s , um sie zu erwarten . Auf meine Frage aber , ob Elise bald kommen werde , erwiderte sie : nein ; ich habe sie zu einer Bekannten geschickt , um mit Ihnen einige Worte sprechen zu können . - Sie kommen jetzt , sagte Frau von Z. , einige Wochen in mein Haus , Sie erweisen meiner Tochter alle möglichen Aufmerksamkeiten , ja Sie werden mir nicht leugnen können , daß Sie mit derselben bereits ein kleines Verhältniß angeknüpft haben . - Ich zuckte beistimmend die Achseln . - Alles Ding in dieser Welt aber , fuhr sie fort , muß doch am Ende ein Ziel haben , und ich möchte Sie nun fragen , welches Sie sich in dieser Angelegenheit eigentlich vorgesteckt haben . - Darauf war nun schwer zu antworten ; ich gab ihr allerdings zu , daß mich Elise außerordentlich interessire , daß ich gern in ihrer Gesellschaft sei , ja , daß ich eine Neigung für sie habe . - Doch werden Sie unmöglich an eine Heirath denken können , entgegnete sie lächelnd . Ich kenne Ihre Verhältnisse ganz genau , obgleich wir , wie Sie selbst wissen , nie darüber sprachen . Sie sind der und der ; Sie haben kein bedeutendes Vermögen , und begleiten in diesem Augenblicke Seine Durchlaucht , den Herrn Herzog Alfred von D. , dessen Vertrauter und Freund Sie sind . « » Alle Teufel ! « machte der Herzog . » Die Geschichte fängt an , mich zu interessiren . « » Das Alles konnte ich nicht leugnen , « erzählte Herr von Steinfeld weiter . - » Seien Sie offenherzig « , fuhr Frau von Z. fort ; » glauben Sie mir , ich kenne die Welt und also auch die jungen Kavaliere . - Sie machen meiner Tochter den Hof , Sie bringen ihr Blumen , Sie küssen ihr die Hand , aber dabei werden Sie nicht stehen bleiben wollen . - Ich muß gestehen , daß mich diese Worte auf ' s Höchste überraschten , denn sie sagte das ohne alle Erregung in einem unheimlich kalten Geschäftstone ; und obgleich mich ihre Reden eigentlich empörten , so konnte ich es doch nicht unterlassen , ihr auf ihre wiederholte Frage ganz in der gleichen Art zu antworten . - Nun gut , sagte ich , da Sie also die Welt und die jungen Kavaliere so genau kennen , so will ich Ihnen recht gern eingestehen , daß ich wie diese denke und fühle , und in der That einem schönen jungen Mädchen nicht den Hof mache , um bei einem Handkuß stehen zu bleiben . - Schön , versetzte sie , Ihre Offenherzigkeit gefällt mir . Wir werden uns leicht vereinigen . - Ich nehme an , fuhr sie nach einer Pause fort , daß Sie eigentlich im Auftrage des Herrn Herzogs zu uns kommen . - Ihr könnt euch denken , daß ich bei diesen Worten entrüstet in die Höhe sprang , und schon im Begriffe war , ihr eine heftige Erwiderung zu geben ; doch dachte ich : du hast sie falsch verstanden , und bat sie in einem strengen Tone um eine Erklärung ihrer Worte . Sie sah mich verwundert an und entgegnete mir mit der größten Ruhe : Sie müssen mich nicht mißverstehen ; allerdings weiß ich , daß Sie Elisen , wenn ich mich so ausdrücken darf , für eigene Rechnung den Hof machen , aber ebenso weiß ich , daß sich der Herzog für meine Tochter interessirt , daß er Alles daran wenden wird , ihre Bekanntschaft zu machen . Und Beides , setzte sie mit einem leichten Lächeln hinzu , läßt sich ja ganz gut vereinigen . « » Alle Wetter ! Steinfeld , « rief der Herzog , » mir scheint , Sie haben auf meinen Namen gesündigt . Das muß ich mir wahrhaftig ausbitten ; habe ich doch das Mädchen nur ein einziges Mal und ganz zufällig gesehen . « » Ich stand erstarrt da , « fuhr der Erzähler fort , ohne erst auf diese Einwendung des Herzogs etwas zu erwidern . » Was ich ihr für harte Worte sagte , bin ich nicht im Stande euch anzugeben ; es ist auch ganz gleichgültig . Nur muß ich leider gestehen , daß nichts vermochte , die freche Stirne dieser Frau erröthen zu machen . Sie setzte mir mit klaren Worten auseinander , die sorgfältige Erziehung ihrer Tochter habe ihr kleines Vermögen verschlungen , sie befinde sich dem Nichts gegenüber , wenn es ihr nicht gelinge , einen derartigen glänzenden Sort für Elisen zu finden . « » Steinfeld ist ein Verräther ! « rief der Herzog halb im Ernste , halb im Scherze . » Gesteht , meine Herren , wenn er als Freund handeln wollte , so mußte er mir augenblicklich sagen : das habe ich erlebt , das bietet man Ihnen ; was denken Sie davon ? « Der Erzähler warf einen eigenthümlichen Blick auf Seine Durchlaucht und entgegnete mit kaltem , ironischem Tone : » Abgesehen davon , gnädiger Herr , daß sich in diesem Falle Frau von Z. wirklich nicht