Tisch gehen . Schade , daß man viel Französisch wird parliren müssen ! Ich hätte Lust , heute nun nichts mehr anzustrengen als nur noch meine Zähne , was mir leider Mühe genug kostet , da es zwischen Zunge und Gaumen bei mir wie in Herkulanum und Pompeji aussieht . Adieu ! In aller Stille ! In aller Stille ! Ich nehme jetzt schon französischen Abschied . Französisch , sagen Sie ? Wer ist denn der eingeführte Bruder ? Ein gewisser Sylvester Rafflard . Er reist um die Gefängnisse kennen zu lernen . Ein Menschenfreund . Wir werden viel Phrasen zu hören bekommen . Rafflard ? Rafflard ? Kennen Sie ihn ? Rafflard ? Wissen Sie , wer Das ist ? Ich warne Sie , Das ist ein Jesuit . Ah ! Ich gebe Ihnen mein Wort . Rafflard ? Richtig . Rafflard ! Ja , lieber Schlurck , erwerben Sie sich ein Verdienst um die Loge und warnen Sie sie ! Es ist ein Jesuit . Ich danke Ihnen ! Nicht wegen der Loge . Warnen ? Warnen ? Das gesteh ' ich Ihnen aufrichtig , der Loge wünscht ' ich , es käme einmal wirklich ein recht gescheuter Jesuit über sie ! Jesuiten haben wir genug , aber nur offene , nur sichtbare ! Das ist so schlimm . Diese Esel verrathen sich gleich . Aber ein geheimer Jesuit , einer , der da reist , um die Gefangenen und ihr Loos zu - o Das ist prächtig ! Geheimräthin , der Mann macht mir Appetit , sogar auf seine Phrasen . Woher wissen Sie Das nur ? Er wird also über die Menschenliebe sprechen und dabei wahrscheinlich ganz auf etwas Anderes zielen ! Das reizt meinen Verstand ! Das unterhält mich ! Warum ? Sie denken vielleicht , ich gönne nicht meinen Schurzfell-Collegen einmal ein Abenteuer , das sie belehrt ? Fällt mir nicht ein . Es ist ja unterhaltend zu sehen , wie eine Spinne mit Honigfüßen die Fliegen fängt ! Merci ! Merci , Madame ! Die Jesuiten sind die einzigen Menschen auf dieser Viehweide , welche man die Erde nennt , die den Namen Mensch verdienen . Woher haben Sie Das ? Ich weiß es . Dafür küss ' ich Ihnen die Hand und wünsche Ihnen ganz in der Stille einen guten Abend und für morgen früh einen heitern glücklichen Tag ! Die Polizei besucht die Wildungens um vier Uhr Morgens , nimmt das Bild , Oberkommissär Pax bringt es Ihnen um fünf , sechs , wann Sie wollen und ich will wünschen , daß es den Inhalt , den Sie ahnen , noch verschlossen enthält ... Mit diesen Worten wollte sich Schlurck aus dem blauen Zelte zurückziehen , als ihm Werdeck artig entgegentrat und bei Seite zog . Sie mußten flüstern . Pauline deutete auf den Salon , wo die Flottwitz eben am Piano sang ... Das enthusiastische Mädchen sang sehr ausdrucksvoll mit einer sonoren , vollen Stimme ein neues Lied von der Majestät , das sich fünfzehn Componisten bemüht hatten in Musik zu setzen und deren Melodieen sie alle auswendig wußte . Sie wollte die Gesellschaft veranlassen , ihre Meinung über diejenige Melodie abzugeben , die ihr die gelungenste schien . Die Geheimräthin hörte erst in ihrer glückseligen Beruhigung theilnehmend zu , unterbrach aber zuletzt doch die an sich so löbliche , aber wenig amüsante Absicht der Flottwitz , indem sie ein allgemeines Thema zur Unterhaltung angab und dafür Sorge trug , daß Melanie , Heinrichson und Reichmeyer , dem sie sehr artig war , am meisten in den Vordergrund traten . Es wurde viel erörtert , viel Kluges und noch mehr Beschränktes mit Redseligkeit vorgetragen . Pauline war über die Maßen angeregt . Sie hatte eine Fülle von Thatsachen , in denen sie sich plötzlich wieder bewegen konnte . An Melanie , die ihr etwas Gleichartiges zu haben schien , richtete sie die meisten ihrer Apropos und hielt diese dadurch mehr wach , als heute in ihrem Charakter zu liegen schien . Heinrichson und Reichmeyer waren Melanie vom Atelier nicht neu , die politische Debatte erschien ihr zu schroff , der kleine Roman mit dem Geheimrath ermüdete sie ; es war unter den zwölf bis zwanzig , selbst jüngern Männern nicht Einer , der ihr den Gedanken an den männlichen , feurigen , thatbewußten Dankmar hätte verscheuchen können . Sie lieben ! flüsterte ihr Pauline , als sich wieder Gruppen gebildet hatten , flüchtig in ' s Ohr ... Melanie erröthete . Sehen Sie ! fuhr Pauline fort und Sie lieben erst seit kurzem . Gnädige Frau , sagte Melanie schalkhaft und doch nicht ohne Ernst ; ich möchte wol von Ihnen erfahren , wie ich es mit meinem Herzen halten soll . Wie ein Mann sein muß , um ihn zu lieben , weiß ich . Wie er aber sein muß , um ihn zu heirathen , Das bitt ' ich , sagen Sie mir ! Pauline lächelte , sammelte sich einen Augenblick und entgegnete : Nehmen Sie Den , der Sie entweder ganz zur Sklavin oder ganz zur Herrscherin macht ! Melanie überlegte sich diese Antwort und fuhr fort : Sklavin könnt ' ich einem Mann gegenüber nur dann sein , wenn ich ihn liebte oder das Gefühl einer unaussprechlichen , unverletzbaren Schuld in mir trüge . Schuld ! Schuld ! ... Über Was setzt sich wol ein Liebender Alles hinweg ? Wenn er Sie wahrhaft liebt , über den Mangel an Schönheit . Wenn er Sie wahrhaft liebt , über den Mangel an Geist . Aber die Tugend , Melanie , ist wie der Dichter sagt , kein leerer Wahn . Über die setzen sich nur die Männer hinweg , denen Sie eine Herrscherin sind ! Allen diesen Schlüssen zufolge dürfen Sie also entweder nur einen Bettler heirathen oder einen Fürsten . Ein Fürst würde Sie nämlich schon gar nicht nehmen , würde durch Ihre Heirath von der gewöhnlichen Ordnung des Herkommens gar nicht abweichen , wenn er