zurück und legte beide Hände auf ihren Busen . » Der Vorsicht wegen müßte noch etwas Anderes geschehen - « » Etwas Anderes ! Und worin soll dies bestehen ? « » Wozu mir die kluge , schlaue , treue und verschwiegene Bundesgenossin , deren Wort ich besitze , behilflich sein wird ! « Bianca neigte ernst und schweigend den Kopf und entschlüpfte dem Schooße des Grafen . Adrian ergriff ihre Hand . » Schelmen , wie es jene beiden sind , ist nie zu trauen . Läßt man sie also entfliehen , so können sie mir immer noch einen Streich spielen , denn es sind von Grund aus verworfene und dem Henker anheim gefallene Menschen . Jedes Gericht muß sie zum Tode verurtheilen , den sie mehr als ein Mal verdient haben . Es wäre deshalb ein Verdienst , sie unschädlich zu machen - sie unmerklich , ohne vorhergegangene langweilige Untersuchung - sterben zu lassen ! Wer dazu die Hand reichte , würde sich verdient machen um Staat und Gesellschaft ! « » Bitte , sprechen Sie weiter ! « lispelte Bianca . » Ich bin entschlossen , mir dieses Verdienst zu erwerben , allein ich bedarf eines Gehilfen , der mich versteht , der mich dabei unterstützt und - verschwiegen ist ! « » Das begreife ich . Nur weiter , Herr Graf ! « » Du hast Dich mir verbündet , Bianca - Du kennst , Du verstehst , Du liebst mich - Deine Hand - « » Soll die verfluchte Hand einer Mörderin werden ? « » Bianca ! Welche Schlußfolgerung ! Welche Verwandlung Deines Wesens ! - Was geht in Dir vor ? « In der That hatte die verführerische Schöne während der letzten einschmeichelnden Worte des Grafen eine ganz andere , eine furchteinflößende Miene angenommen . Ihre schlanke Gestalt hoch aufgerichtet , ihre großen zornsprühenden Augen auf Adrian geheftet , die vollen Arme fest über dem heftig wallenden Busen geschlungen , warf sie den schönen Kopf mit den schwarzen flatternden Locken zurück , und ein furchtbares Lächeln spaltete die blaßrothen Lippen . Ihr Antlitz war weiß , wie das einer Leiche . » Brudermörder ! Zweifacher Brudermörder ! « rief Bianca und schleuderte Blitze des Zorns und der Verachtung auf den Grafen . » Endlich hab ' ich Dich gefangen , Elender ! « » Wozu diese Verstellung , « entgegnete Adrian , indem er ebenfalls aufstand und das dämonisch schöne Mädchen umschlingen wollte . » Wir verstehen uns ja doch , und ein so schöner und süßer Mund , wie der Deinige , wird nicht aus der Schule plaudern ! Deine Hand aber bleibt zart und weich , wie immer . Von ihr wird nichts weiter begehrt , als daß sie einen silbernen Löffel erfasse und mit der ihr eigenen graziösen Bewegung den armen Gefangenen einen warmen Trank mit Zucker versüße . Sollte das meinem lieben , freundlichen und klugen Mädchen nicht möglich sein ? « Adrian wollte schmeichelnd die Hand Bianca ' s wieder erfassen , diese aber trat stolz einen Schritt zurück und donnerte ihn an : » Hinweg , verabscheuungswürdiges Scheusal ! Hinweg ! - Dein bloßer Hauch verpestet die Luft , die Dich umgibt ... Qualen der Hölle lohen um Dein verbrecherisches Haupt ... Wer Dir naht , geräth in Gefahr , durch bloße Berührung von Dir mit fortgerissen zu werden auf die Lasterbahn , die Du wandelst seit Jahren ! - Ja , ich nenne Dich nochmals einen zwiefachen Brudermörder , denn ich weiß , daß Martell , von Dir mit brennendem Gifte getränkt , dem Grabe entgegenwankt , und Dein eigener schamloser Mund hat mir gestanden , daß ein zweiter Brudermord Dein Tag- und Nachtgedanke ist ! ... O ich kenne die Gefangenen , Herr am Stein ! Ich weiß , daß jener unglückliche Klütken-Hannes der beklagenswerthe Sohn Herta ' s ist , die Dein Vater der Ehre beraubte ! ... Entsetzlich , grauenvoll , seelenerschütternd geht jetzt nach fast einem halben Jahrhundert die Saat der Frevel und Verbrechen auf , die ein gewissenloser Mann ausstreute , und die eigenen unseligen Kinder sind es , die sie mit sich in ' s Verderben reißen ! ... Adrian , Graf von Boberstein , zittere , denn die Rachegöttin zückt ihr Schwert über Deinem Haupte ! - Kennst Du mich ? « Bianca trat , immer die Arme über der Brust verschränkt , dem Grafen näher , der entsetzt über die unerwartete Verwandelung seiner schönen Bundesgenossin in den Polsterstuhl zurückgesunken war . » Bianca , « rief er , die Hände flehend gegen sie ausstreckend , » Bianca , vergib mir ! ... Sei barmherzig ! Sei ein mildes , sanftes Weib ! « » Ha , ha , ha ! « lachte die Rachedurstige . » Erbarmen , Sanftmuth , Vergebung , weibliche Milde suchst Du bei der , deren Schwester Du herzlos in den Tod gejagt hast ? « Todtenblässe lag auf Adrians eingefallenen Zügen . Die vor Seelenangst zitternden Hände gegen das zürnende Mädchen ausstreckend , lallte er : » Wer ... wer ... bist Du ? « » Ich bin die Schwester Theresens , des armen Dienstmädchens , das ob Deiner grausamen , kalten Treulosigkeit ihrem Leben in den Fluthen der Saale ein Ende machte ! Kennst Du dies ? « Und die Rächerin ihrer Schwester hielt dem Grafen jene höhnischen Zeilen vor , die der stolze Edelmann der armen Verführten kurz vor ihrem Tode geschrieben hatte . » Gerechter Gott , ich bin gerichtet ! « schrie Adrian und stürzte Bianca zu Füßen . » Gerichtet und verdammt ! « sagte die Unerbittliche streng und kalt . » Winsele , bis der letzte Kieselstein dieser Welt Empfindung bekommt ; krümme Dich Millionen Jahre hier und dort vor meinen Füßen , um Vergebung von mir zu erlangen ; ich werde nur höhnende Worte , tödtende Blicke , verachtendes Lächeln für Dich haben , denn ich will Rache , Rache für meine schuldlos hingeopferte Schwester !