Schultheiß aber , den des Herzogs Rede spitzer traf , antwortete : » Mag seyn , gnädiger Herr ; allein der Schein war wider den Mann , und noch hat er sich vor unserm Stuhle , vor welchen er doch mit Leib und Leben gehört , nicht vollkommen gereinigt . « - Die Betonung , mit welcher der Schultheiß diese Worte vorbrachte , verfehlten ihren Entzweck nicht . Der Herzog furchte die Stirne , und sagte : » Gar wohl , mein Herr Ritter und Schultheiß . Ich habe nicht Befugniß , mich in Eure Gerechtsame zu mischen , welche von Kaiser und Reich bestätigt und verbürgt sind . Ich meine jedoch , daß Recht und Urtheil Jedem gleich seyn soll , sey er nun getauft , oder nicht . Ihr habt hier , wie ich höre , einen Judenarzt , dem Ihr Euren Körper anvertraut , sonder Furcht und Angst ; warum schenkt Ihr dem , der vor Euern Schranken steht , nicht gleiches Vertrauen ? Doch , geschehen ist geschehen , und ich bin bereit , die fraglichen Gelder einem berühmten hiesigen Manne zu übergeben , damit der Jude , kehrt er jemals wieder , oder wird uns von ihm Kunde , wieder zu seinem Eigenthum komme . Ich glaube zu diesem Entzweck keinen bessern aus Euch wählen zu können , ihr Herren , als den Schöffen Diether Frosch ; einen biedern , ehrlich strengen Mann , den ich bitte , sich mir vorzustellen . « - Diether trat aus den Reihen der Schöffen , und verneigte sich ehrbar vor dem Herrn . Der Herzog ließ eine Weile den Blick auf ihm ruhen , wendete sich dann zur Seite , und sprach zu Dagobert , den er aus der Schaar seiner Umgebung zu sich winkte : » Dieser also ist Dein Vater , Dagobert ? « - Dagobert bejahte freundlich , und grüßte den Vater . - » Mich freut ' s , ihn kennen zu lernen ; « fuhr der Herzog fort , dem Altbürger die Hand reichend : » seyd mir willkommen , alter Herr , und empfangt meinen Glückwunsch zu Euerm wiederhergestellten Hausfrieden , wie zu Euerm Sohne . Ja , lieben Freunde ! « setzte er hinzu , dem jungen Manne vertraulich und wohlwollend auf die Achsel klopfend , » einen bessern Mann als diesen hier , hat Frankfurt sicher nicht aufzuweisen , und vielleicht nicht allzuviele die ihm gleichen . Es macht mich froh , die Tugenden und seltnen Eigenschaften des Junkers vor Euer Aller Augen würdigen und preisen zu können . Er ist der treuste , redlichste und heiterste Mensch , den ich kenne , und Schade wäre es , wenn so viel Gutes in einem Kloster verkümmern sollte , wie es den Anschein hat . Nicht wahr , liebe Herren und Meister ? « - Der Schultheiß kaute an den Lippen , über des Oberstrichters Stirne flogen trübe Wolken , aber beide bückten sich gleich den Andern , und stammelten ein : » Freilich , gnädigster Herr , ... aber ... Beweggründe ... « ... « » Schon gut « ; meinte der Herzog mit einem verächtlichen Blicke auf sie : » ich weiß bereits Alles . Vielleicht kenne ich aber auch ein Mittel , diese Ungerechtigkeit des Muttergelübdes wieder gut zu machen . Ich wertze heute noch an den hochwürdigen Dechant Herdan , der am heftigsten , wie der Ohm des jungen Mannes , auf dessen Weihe besteht , einen pergamentnen Brief senden , in welchem der heilige Vater , Martin V. , die Freilassung die der abgetretne Pabst dem Dagobert Frosch ertheilte , im Ganzen bestätigt , mit dem Vorbehalte jedoch , daß ein anderes Glied der christlichen Gemeine , sey es nun ein Mann , oder sey es ein Weib , an seiner Statt das kirchliche Gelübde ablege . Ich zweifle nicht , daß eine fromme christliche Seele zu diesem Berufe bald sich finden werde , und ermahne sowohl den Vater Dagobert ' s , als auch sämmtliche Herrn vom Rathe , wie vom Kapitel , denselben von dem Gelübde , das er durchaus ablegen will , abzuhalten ; bedenkend , daß Gott kein Gefallen hat an einem Diener , der sich ihm nur opfert , weil er mit der Welt zerfallen zu seyn glaubt . - Stille , guter Freund , « flüsterte er nach diesem dem Sohne Diethers zu , welcher einige Worte der Weigerung auf der Zunge hatte : » Montfort hat mich nicht früher an diese Pflicht gemahnt , als mein Herz es schon gethan hat . Erlaubt mir daher , den Weg zu Euerm Besten , - sey ' s auch für Heute Euerm Wunsche zuwider , - kräftig fortzusetzen . « - Dagobert verstummte ehrfurchtsvoll ; dagegen ward es an dem Hofthore laut und geräuschvoll . Die Blicke aller Anwesenden flogen durch die Reihe stattlicher Fenster hinab gegen die Pforte , und befremdet sah der Herzog die Rathsherren an , da er einen Streit zwischen Leuten seines Gefolges und den Stadtwächtern gewahrte . » Ei , was gibts dort , ihr Herren ? « fragte er mit gerunzelter Stirne . Ein Bürgermeister wollte hierauf sogleich hinunter , um nach der Veranlassung des Vorfalls zu forschen , allein der Oberreiter welcher eintrat , verkündete sie , indem er meldete , die um das Haus vertheilten Wächter seyen ob der bedeutenden Zahl von Reitern , die dasselbe verlassen wollten , argwöhnisch geworden , und witterten unter denselben den Verbrecher , der sich hier versteckt halte . - Des Comthur ' s Stirne , so wie Dagobert ' s Wange flammte ; der Herzog ließ sich nicht aus seiner strengen Haltung bringen , sondern nahm eine noch drohendere Stellung an . » Was soll das heissen ? « rief er , indem ein Zorngewitter über seine Züge lief : » Bin ich denn Herzog Friedrich oder ein Landstreicher , von dem man nicht weiß , von wannen , er kommt , wohin er geht ,