verlegen-freundlich Lisbeth die Hand , setzte sich ins Sofa , ließ einen Sessel stellen und flüsterte Fancy zu , sie solle sich in ihrem Zimmer nebenan aufhalten . Als ob es zufällig geschähe , breitete sie ihr Taschentuch aus und entzog dadurch wenigsten die Pracht der Chatelaine und der Armbänder ( denn sie wußte auch die linke Hand mit dem Tuche zu bedecken ) den Blicken Lisbeths . Wieviel würde sie darum gegeben haben , wenn sie statt des Kaschmirkleides das von Mousseline de Laine angehabt hätte ! Der volle Putz raubte ihr die Hälfte ihrer Festigkeit . Sie suchte eine Zeitlang vergebens nach einem schicklichen Anknüpfungspunkte des Gesprächs und so saßen beide , als Fancy sie allein gelassen hatte , eine Zeitlang schweigend einander gegenüber . Lisbeth sah vor sich hin und hatte keine Ahnung von dem , was folgen sollte , denn Clelia war ihr immer gütig begegnet . Endlich sammelte sich diese so weit , um die Unterredung beginnen zu können . Sie sagte ihrem Besuche , daß bis jetzt der Gedanke an Oswalds Krankheit alle anderen Vorstellungen in den Hintergrund gedrängt habe , daß aber nun mit seiner Herstellung die Verhältnisse des Lebens in ihr Recht wieder einzutreten begännen , und daß sie daher wünsche über die Gestaltung der Zukunft mit ihr ein ebenso ernstes als vertrauliches Wort zu reden . - Da sie diesen Eingang zwar mit aller ihr zu Gebote stehenden Würde aber doch höchst liebreich vorgebracht hatte , so konnte Lisbeth denselben nur für eine Vorrede zu freundlichen Erklärungen ansehen . Schüchtern versetzte sie , daß die Baronesse ihr mit solchen Worten eine große Freude mache , und faßte nach Clelias Hand , um sie zu küssen . Indem sie aber ihre Lippen der Hand näherte , fiel ihr ein , wer sie durch Oswalds Liebe sei , sie richtete sich daher sanft auf und ließ die Hand Clelias fallen , welche ein Erstaunen über diesen Hergang nicht verbergen konnte . » Nun also , mein Kind , wie soll denn das nun werden ? « sagte Clelia , etwas verlegen mit dem Schal spielend . Lisbeth errötete , senkte ihr Haupt wieder und versetzte : » Von der Zeit unserer Verbindung ist zwischen uns noch nicht die Rede gewesen , zwischen dem Grafen und mir . « » Verbindung ! « rief Clelia lebhaft . » Ei ! Ei ! mein liebes Kind , Sie sprechen ja von der Verbindung mit meinem Vetter , als sei diese eine ausgemachte und sich von selbst verstehende Sache . « Lisbeth hob langsam ihr Antlitz empor , sah Clelien mit großen Augen an und fragte : » Wovon wollten Sie denn mit mir reden , gnädige Frau ? « Die Wirkung einer einfachen aber zur rechten Zeit angebrachten Frage ist oft groß . Clelia hatte sich auf eine begeisterte Versicherung , auf flammende Reden gefaßt gemacht und würde diesen Gluten mit gleichem Feuer begegnet sein . Nun aber sollte sie schlichtweg sagen , was sie wolle ? und diese Zumutung setzt in vielen Lagen des Lebens in eine nicht geringe Verlegenheit . An ihr war jetzt die Reihe , die Augen niederzuschlagen ; sie sprach , daß man es hätte Stottern nennen können : » Sie scheinen gar nicht erwogen zu haben , Lisbeth - denken Sie nur nicht , mein liebes Mädchen , daß ich Sie kränken will - nein gewiß nicht - und wären Sie nur - so wäre ich ja voll Freude - indessen gibt es doch Dinge in der Welt - unwiderleglich vorhandene Dinge - Dinge , Lisbeth - mein Gott , Sie müssen mich ja wohl verstehen ... « » Ja , gnädige Frau , ich verstehe Sie nun « , sagte Lisbeth mit einem Tone , als unterdrücke sie ein stilles Weinen . » Auf denn also , Lisbeth , Mut ! « rief Clelia , Atem schöpfend . - » Nur zeigen darf man einem so reinen Gemüte das Richtige , und es ergreift es . Die wahre Liebe liebt das Glück des Geliebten . Und das Glück ? Ist es ein trunkener Augenblick , ist es die Aufwallung der Flitterwochen ? Ach nein . Das wahre Glück besteht doch zuletzt nur in der Harmonie mit allen Verhältnissen des Lebens ; in dem Gefühle von dieser Harmonie . Sie dem Gegenstande der Neigung unverstimmt zu lassen , das ist Liebe , das ist tugendhafte Liebe . Sie fühlen ja nun selbst , teure Lisbeth , was ich gern unausgesprochen lasse . - Es geht nicht , es geht wahrhaftig nicht . Mein Gott , wären Sie doch nur - aber- Sie empfinden es , wenn Sie meinen Vetter aufrichtig lieben , so dürfen Sie ihn nicht heiraten . Und nun kommen Sie , mein armes Kind , kommen Sie an meine Brust , und weinen Sie sich aus , denn wahrhaftig , ich weiß mit Ihnen zu empfinden . « Sie breitete ihre Arme gegen Lisbeth aus . Diese lehnte aber mit einer demütigen Bewegung das Liebeszeichen ab und sagte : » Gnädige Frau , entschuldigen Sie , wenn ich an dieser Stätte noch nicht zu ruhen wage . - O mein Gott , wie weit sind wir auseinander , wie hätte ich das mir denken können , und wie soll ich es nun anfangen , alles , was mir im Herzen wogt , Ihnen auszusprechen und dennoch die Bescheidenheit gegen Sie nicht zu verletzen ? - Sie wüßten mit mir zu empfinden ? Gnädige Frau , ich wenigsten weiß mit Ihnen nicht zu empfinden . « » Wie ? Sie fühlen keine Verpflichtung , ihm zu entsagen ? « fuhr Clelia auf . » O nein ! nein ! nein ! « rief Lisbeth mutig . » Diese Verpflichtung fühle ich durchaus nicht , Frau Baronesse . Entsagen soll ich ihm , das ist Ihre Meinung . Und warum ? Daß der Findling nicht in das Haus der Grafen Waldburg eindringe , daß der Graf Oswald eine