so bleibe ihm und seiner Gattin der Sohn fremd . Für beide wäre der Unschuldige nur eine quälende Erinnerung , die den Frieden ihres Hauses vergiften , ihm ein trauriges Leben bereiten würde . Ich gelobe es Euch , Herr Komthur , Johannes ist in den besten Händen , und einst sollt Ihr Euch selber davon überzeugen . So viel ich Euch jetzt gesagt , mögt Ihr dem bekümmerten Vater auf Euern Rittereid ungefährdet mittheilen . Nur unsers Geschlechts Namen nicht dabei genannt . Laßt dem Herzog vor allem und Euch zunächst das Verdienst der guten That , und Gott gebe hiezu sein gnädiglich Gedeihen . « - Pferde und Wagen braußten und rollten in den Hof . Das lebendige Getümmel eines reisigen Zugs , das Gelärme des fürstlichen Trosses spottete der still gewordnen Nacht , und brachte in das einsame Deutschordenshaus alles Geräusch eines mächtigen Fürstenhofs . Der Komthur eilte , den Herzog ehrerbietig an der Pforte des Hauses zu empfangen , und ließ den Hof von Fackeln erleuchten , daß er im Mittagschein zu liegen schien . Mit einem freundlich herablassenden Gruße stieg Friedrich aus den Bügeln , und schritt auf den Komthur und den herzukommenden Dagobert gestützt , die Treppe hinan , nach den Prunkgastzimmern des Gebäudes , die durch die Sorgfalt des Trappierers schon bereit standen , den hohen Fremdling gebührend aufzunehmen . Der Herzog , müde von der Reise , verschmähte das angebotne Mahl , entließ bald den Komthur , dem er nur auf wenig Tage lästig zu fallen verhieß , und behielt nur seinen wiedergefundnen jungen Freund , seinen Dagobert , bei sich zurück , den er vermocht hatte , die Nacht mit ihm zu verplaudern , in welcher der von Schlaflosigkeit geplagte Fürst ohnedies seit geraumer Zeit keine erquickende Schlummerruhe fand . - Der kommende Tag begann eben so geräuschvoll , als der vorige geendet hatte . Die Wachen des Herzogs geriethen in Händel mit den Söldnern des Raths , die sich nicht zurückziehen wollten . Friedrich sandte einen seiner Junker nach dem Römer , um von seinem Erscheinen Meldung zu thun , und den ärgerlichen Streit beizulegen . Eine Ehren- und Schildwache des Raths besetzte nun die Pforte des Deutschherrenhauses , die Häscher zogen sich in die nächsten Straßen , und mußten auf ihr Amt so gut als verzichten , da das Volk , so wie es von der Einkehr des Herzogs erfuhr , in hellen Haufen herbeieilte , um das Haus anzugaffen , in welchem sich der Mann befand , der es gewagt hatte , zu Ehren deutscher Treuen und Redlichkeit , dem Kaiser wie einem großen Concilio die Spitze zu bieten , und lieber einen großen Theil seiner Habe aufgeopfert hatte , als seinen Schwur , sein Fürstenwort . So verstrich die Hälfte des Morgens , und die anwallende Fluth der Menge , welche beständig hoffte , den Herzog ausreiten zu sehen , stieg immer höher , so daß die Gesandtschaft der Stadt , da sie gegen Mittag zum deutschen Hause kam , um den erhabnen Gast zu begrüßen , kaum Raum genug finden mochte , um hindurch zu dringen . Was den Ermahnungen der Väter der Stadt nicht gelang , gelang den mächtigen Pferden , die auf großen Wagen die Gaben heranzogen , welche das gemeine Wesen der Stadt dem Fürsten , der Sitte der Zeit gemäß , darzubieten hatte . Diese Huldigungsgeschenke bestanden in Wein , Heu , Hafer und Fischen , und der Schultheiß , umgeben von den Bürgermeistern , dem Oberstrichter und den Schöffen , alle in ihre Amtstracht gekleidet , bat den Herzog , vor dessen Angesicht endlich die Gesandtschaft gelangt war , die Geschenke als einen Beweis des guten Willens der Bürgerschaft , und ihrer Anhänglichkeit an den Stamm Östreich , von dem schon mancher um das deutsche Reich verdienter Fürst ausgegangen , huldvoll anzunehmen . - Der Herzog , umringt von seinen Marschällen , Dienstjunkern und den Kreuzherren , seinen gastfreundlichen Wirthen , nahm sowohl die Rede des Schultheißen , als auch die zu Hofe gebrachten Gaben mit der ihm eignen Leutseligkeit auf , und erwiederte dagegen : » Seyd bedankt , ihr lieben Herren und Freunde , für das , was Ihr mir aus gutem Herzen reicht , und auch jetzo wieder , - Gott sey Preis und Lob , - reichen dürft ; denn unser Haus ist wieder erlöst von des Reiches Acht , und wir sind wieder einig geworden mit unserm lieben Herrn , dem Kaiser . « - Der Herzog bemühte sich , die bittre Miene , die sein Antlitz bei diesen Worten beschlichen hatte , in eine freundliche umzuwandeln , und fuhr fort : » Darum mögt Ihr mir wohl vergönnen , einige Tage unter Euch zu weilen , und mich in Euern Mauern umzusehen , dieweilen ich wichtige Angelegenheiten gerne schlichten möchte , über die Euch mein Kanzler eines Weitern belehren wird . Zugleich jedoch habe ich gehofft , hier eine Sache abzuthun , die mir nicht minder am Herzen liegt ; ich habe indessen vernommen , daß sich mir Hindernisse entgegenstellen . Ich habe an den Juden David , Sohn des alten Jochai , der Eures Schutzes genoß , Gelder zu entrichten , die er mir vorgeschossen . Ungern mußte ich hören , daß der Mann sich nicht mehr in hiesiger Stadt befindet , wie auch niemand seiner Angehörigen . « - » Er hat sich flüchtig gemacht ; « versetzte Achselzuckend der Oberstrichter ; » und uns mangelt Kunde , wo er hingerathen . « - » Das ist schlimm , ihr Herren ; « entgegnete Friedrich ernst : » wir dachten , in Gnaden uns des Mannes anzunehmen , und ihn nach Innsbruck zu setzen , als unsern Hofwechsler ; denn wahrlich , er ist der Erlichsten einer , und mit Bedauern erfuhr ich , daß man ihn allhier unredlich beklagt , übel gehalten , und seinen ganzen Wohlstand zertrümmert habe . « Der Oberstrichter zuckte wieder mit verlegnem Gesichte die Achseln ; der