ausgebildet . Er mußte aber auch die dienlichsten Maßregeln nehmen , daß eine so wichtige Körperschaft immer wieder durch gleichartige Elemente ersetzt werde , immer von eben demselben Geist beseelt bleibe , und sich dadurch in einer Art von ewiger Jugend und Unsterblichkeit erhalte . Um zwei Hauptquellen einer möglichen Ausartung auf immer zu verstopfen , mußten diejenigen , welche bloß für den Staat leben sollten , weder Eigenthum noch Familie haben . Die möglichste Gleichheit sollte unter ihnen herrschen ; alles Gute und Böse , Arbeit und Vergnügen , Gefahr und Ruhm , Leben und Sterben immer gemeinschaftlich seyn . Solche Menschen können von allem , was mein und dein heißt , nie weit genug entfernt , und unter einander niemals eng genug verbunden werden . Wie gut er aber auch für dieß alles gesorgt hätte , immer würden die Weiber alle seine Mühe zu Schanden gemacht haben , wofern ihm sein Genius nicht ein Mittel zugeflüstert hätte , diesen reizenden Schlangen ihren Gift zu benehmen . Lieber wär ' es ihm ohne Zweifel gewesen , wenn die Mutter Erde , als sie seine Krieger in voller Waffenrüstung aus ihrem Schooß hervor springen ließ , sie auch mit dem Vermögen begabt hätte , ihres gleichen entweder aus sich selbst , oder mit ihresgleichen hervorzubringen . Da die Weiber nun aber einmal zu diesem wichtigen Geschäft leider unentbehrlich sind , und überdieß nicht wohl geläugnet werden kann , daß die Neigung zum weiblichen Geschlecht gerade die Seite ist , wo die Natur den Mann am wenigsten befestigt hat , was blieb dem guten Plato übrig , um zu verhindern , daß seine braven Krieger durch den Umgang mit diesen Zaubrerinnen nicht geschwächt , weichlich gemacht und durchaus verdorben werden könnten , als den künftigen Müttern der Kriegs- und Staatsmänner durch eine rauhe männliche und kriegerische Erziehung so viel nur immer möglich von ihren gefährlichen Reizungen abzustreifen , sie , so weit es die Zärte und Schlaffheit ihrer Natur gestatten möchte , zu einer Art von Androgynen zu erheben , oder wenigstens mit den Atalanten , Deianiren und Penthesileen der heroischen Zeit auf gleichen Fuß zu setzen ? Durch dieses Mittel war nun zwar für eine derbe und kräftige Nachkommenschaft gesorgt : aber wenn er den Vätern erlaubt hätte , in eine monogamische Verbindung mit den Müttern zu treten , würden zwei mächtige Naturtriebe , die Liebe zu den eignen Kindern und die wechselseitige Zuneigung des Mannes zu der Mutter , des Weibes zu dem Vater ihrer gemeinschaftlich Erzeugten , zum Nachtheil der Vaterlandsliebe ins Spiel gesetzt worden seyn , und die unvermeidlich aus dem Stande der Ehe hervorgehenden besondern Familienverhältnisse würden , so zu sagen , eine Menge kleiner Staaten im Staat erzeugt haben , wobei sich die Grundsätze , der Geist und die Tugend des letztern unmöglich lange in ihrer ersten Reinheit hätten erhalten können . Mit Einem Wort , es bedurfte nichts als die bloße Beibehaltung der gewöhnlichen Ehe , um aus unsrer Platonischen Republik an sich ( dieser vollkommensten oder vielmehr einzigen , in welcher , nach Plato , die reine Idee der Republik sichtbar dargestellt ist ) ein so armseliges Ding von einer gemeinen heillosen Alltagsrepublik zu machen , wie man ihrer in Griechenland , klein und groß , zu Hunderten zählt . Es blieb ihm also , um der Verderbniß des Staats von dieser Seite den Zugang auf ewig zu versperren , kein anderes Mittel , als die Gemeinschaft der Weiber und Kinder zu einem Grundgesetz zu machen . Jeder Soldat der Republik erhielt dadurch ein unbestimmtes Recht an alle Frauen und Jungfrauen seiner Classe , keiner ein ausschließliches an Eine . Die Liebe in der eigentlichen Bedeutung des Worts fand hier keine Statt ; das Zeugungsgeschäft sollte als eine rein physische oder thierische Sache behandelt werden , wobei es bloß darum zu thun wäre , sich einer Pflicht gegen den Staat zu entledigen , und also auf selbstsüchtige Befriedigungen keine Rücksicht genommen würde . Man muß gestehen , unser Philosoph thut sein Bestes , um einer sich aufdringenden Vergleichung seiner sogenannten Ehen mit dem ungefähren momentanen Zusammenlaufen jener kaum durch die Gestalt vom Vieh unterschiedenen Waldmenschen , welche man sich gewöhnlich als die Stammeltern des menschlichen Geschlechts vorstellt , zuvorzukommen . Vor dem zwanzigsten Jahre der Weiber und dem dreißigsten der Männer erklärt das Gesetz alle Befriedigungen des Triebes , von welchem hier die Rede ist , für unrechtmäßig , unheilig und sacrilegisch . Der Tag , an welchem eine Anzahl von Jünglingen und Mädchen das gesetzmäßige Alter zur Platonischen Ehe erreicht haben , ist ein republikanisches Fest , das mit Opfern , Gebeten , und von den Dichtern der Republik besonders dazu verfertigten Epithalamien aufs feierlichste begangen wird . Jede Verbindung zwischen einem Jüngling und einem Mädchen ( wiewohl sie nur für den Augenblick gilt ) wird von den Archonten , vermittelst eines künstlichen Looses angeordnet , wodurch immer die schönsten , stärksten und muthigsten zusammen kommen , die schlechtern hingegen lauter Nieten ziehen ; eine Veranstaltung , welche zu Verhütung aller schlimmen Folgen , die aus dieser durch das gemeine Beste nothwendig gemachten Uebervortheilung der armen Schlechtern , wenn sie bekannt würde , zu befürchten wären , ein Staatsgeheimniß bleiben muß . Von diesem ersten großen Copulationstage an , zählen die Glücklichen , welche von den Archonten mittelst dieses heiligen patriotischen Betrugs würdig und tauglich erfunden wurden , der Republik Kinder zu geben , die Weiber zwanzig , die Männer sechsundzwanzig Jahre , während deren ihnen die Pflicht obliegt , sich von dieser Seite um den Staat so verdient zu machen , als ihnen nur immer möglich ist . Alle Kinder , welche binnen dieser Zeit geboren werden , nennen jeden dieser in Diensten der Republik stehenden Zeuger » Vater « , jede dieser Gebärerinnen , Mutter , und werden hinwieder von ihnen Söhne und Töchter genannt ; aber dafür ist gesorgt , daß kein Vater und keine Mutter ihre leiblichen Kinder unterscheiden , noch von diesen unterschieden werden könne . Denn