Erbin in einigen Wochen rechtskräftig zugeschrieben werden . Ein Brief Adalberts , dem es zu gemein erschien , persönlich sich in diese Angelegenheit zu mischen , und der sich deshalb nur durch Mittelspersonen darum bekümmert hatte , richtete den niedergeschlagenen Herrn am Stein einigermaßen auf . Adalbert schrieb : » Mein theurer Bruder , Es ist mir von Seiten des Gerichtes die Mittheilung gemacht worden , daß wir unsern Prozeß gegen Jan Sloboda und Consorten verloren haben . Obwohl ich auf diesen Ausgang gefaßt war , hat er mich doch überrascht . Die Justiz ist überaus eilig gewesen und hat sich der Sache mit einem Eifer angenommen , den wir für gewöhnlich nicht an ihr rühmen können . Unstreitig sind Dir wie mir die nöthigen Mittheilungen zugekommen . Bei Durchsicht derselben leuchtet mir ein , daß für uns nichts als Kosten in Aussicht stehen , wenn wir den Instanzenzug verfolgen wollen . Wir müssen unter obwaltenden Umständen von jedem Gericht verurtheilt werden . Es scheint mir daher politischer zu sein , uns schweigend in die bittere Nothwendigkeit zu fügen , einen Theil unserer Güter abzutreten , die Kosten gemeinschaftlich zu tragen und uns übrigens von der neuen Verwandtschaft stolz zurückzuziehen . Mir ist nicht bange vor diesen Sprößlingen unseres alten Geschlechtes ! Halb illegitim sind und bleiben sie doch , und da es dem gütigen Himmel gefallen hat , sie unter der niedrigsten Hefe des Volkes aufwachsen , die Gewohnheiten und Allüren derselben annehmen zu lassen ; so hoffe ich , sie werden allesammt Plebejer bleiben bis an ihren Tod ! « » Meine Frau , deren Ansichten fast immer mit den meinigen zusammen treffen , billigt vollkommen , daß wir uns stolz zurückziehen und mit vornehmer Gelassenheit den Bettlern das begehrte Almosen auszahlen . Man kann ja nicht wissen , ob sie es lange genießen werden ! - Ereilt sie der Tod bald , was ich erwarte , da unsere gemeinschaftliche Handlungsweise Verlängerung ihres Lebens weder beabsichtigen noch hervorrufen konnte , so ist es ja immer noch möglich , daß wir sie später wieder beerben . Es käme nur darauf an , ihre Nachkommenschaft , die nicht unbedeutend sein soll , unschädlich zu machen . Beschlüsse darüber fassen wir bei unserer nächsten Zusammenkunft , die ich hier in meinem romantischen Asyl zu halten vorschlage . Der Stammsitz unserer Väter ist mir verhaßt , ich werde ihn sobald nicht wieder betreten . Die Gemeinheit hat ihn mehrfach entweiht . Wir thun deshalb besser und handeln im Geiste unserer großen Ahnen , wenn wir uns einen andern unbefleckten Sitz für uns und unsere Kinder aussuchen . Theile mir Deine Ansichten recht bald darüber mit , füge Dich , wie ich es thue , mit stoischer Ruhe in das Unvermeidliche und eile in die Arme Deines Bruders Adalbert . « Die Nothwendigkeit solchen Entschlusses sah Adrian ein , an schleuniger Ausführung desselben hinderte ihn aber Verschiedenes . Adalbert wußte nicht , daß Klütken-Hannes des beabsichtigten Mordes überführt , auf Boberstein gefangen saß . Er ahnte nicht , daß sein unglücklicher Bruder als Anstifter dieses Mordes bereits bekannt war , daß Aurel um die ganze empörende Schandthat wußte und mit einem einzigen Worte den eigenen Bruder verderben konnte ! Ungeachtet seiner schrecklichen Lage verzweifelte Adrian nicht . Er hielt es sogar für möglich noch zu siegen und selbst den Schein der Mitwissenschaft von sich abzuwenden , wenn er Zeit gewinnen konnte . War dies geschehen , dann stand einer Zusammenkunft mit seinem Bruder nichts mehr im Wege . Es gab zwei Mittel , dies Ziel zu erreichen , Flucht oder Tod der beiden Gefangenen . Die Pflicht der Selbsterhaltung , die Nothwehr gebot ihm , zu dem zu greifen , das ihm das sicherste dünkte . Dies konnte nur ein Mord sein , ein heimlicher Mord , der unentdeckt blieb . Adrian schauderte vor solcher That nicht mehr zurück . Er überlegte nur , wie man sie ausführen müsse , um sicher zu gehen , und als er mit sich darüber einig war , fühlte er eine Anwandlung von Freude . Ein Umstand trug bei , die Ausführung ihm leicht zu machen . Niemand kannte die Fremden . Sie lebten als Herumstreicher in der endlosen Haide und wurden schwerlich vermißt , wenn sie gänzlich verschwanden und man das Gerücht von ihrer Flucht verbreitete . An ihrer Habhaftwerdung konnte ohnehin Niemand ein Interesse haben , als Aurel und Martell . Diesen fürchtete Adrian nicht , da er seine Auflösung nahe glaubte , und von Jenem nahm er an , er werde Edelmuth und Großsinnigkeit genug besitzen , um seinen eigenen Bruder nicht des Mordes anzuklagen . Unglücklicherweise bedurfte er noch einer Mittelsperson , da er einen nicht zu überwindenden Abscheu vor persönlicher Ausübung des Verbrechens empfand . Die Anordnungen dazu zu treffen , den Plan zu entwerfen , selbst die Mittel herbeizuschaffen , schien ihm weniger entsetzlich und strafbar , als die Vollbringung der That . Sophistik half ihm über alle Skrupel hinweg und beruhigte ihn vollkommen . » Ich bin ja kein Mörder , « rief er sich ermuthigend zu , » wenn ich nicht selbst Hand anlege ! Ich gebe blos Rathschläge und überlasse die Ausführung , die Anwendung derselben andern Händen . « Auch diese Hände glaubte er schnell zu finden . Die zarte Aufmerksamkeit Bianca ' s , ihr weniger freundlich-kaltes Benehmen seit jenem entscheidenden Morgen , ihre aufmunternden Blicke und Worte ließen Adrian glauben , sie erwiedere seine Neigung . Die Leidenschaft machte ihn blind , er sah die Liebliche sich schon verbunden und in dieser unbegreiflichen Verblendung zauderte er nicht , sein Wohl und Wehe diesem verführerischen Mädchen anzuvertrauen . - Es war gegen Abend . Blitzende Goldfäden spannen sich durch die dunkelgrünen Nadelbehänge der Haide und warfen ein zitterndes Strahlennetz über den leis wallenden See . Adrian saß auf kostbarem Rollstuhle am Fenster und warf von Zeit zu Zeit einen zerstreuten Blick auf den prachtvoll glühenden Abendhimmel . Seine Gedanken schienen aber mit ganz anderen Dingen beschäftigt