verzehrte , konnte er das Hingehaltenwerden , das Abwickeln großer Dinge nach der Nummer , nicht länger ertragen . Er verließ Breslau wieder , gesellte sich abermals zu den Russen und wohnte dem Gefechte bei Lüneburg bei , das mit der Vernichtung des Morandschen Korps endigte . Darauf begab er sich zu Tschernyschew , wurde dem General Benkendorf attachiert und zeichnete sich bei Halberstadt und Leipzig aus , bei welcher Gelegenheit er dem ganzen Korps sehr wesentliche Dienste leistete . Indessen , wie sich denken läßt , vermochte er den Gedanken nicht aufzugeben , diesen schönsten Kampf , der je gekämpft worden , auf preußischer Seite mitzukämpfen . Im Jahre 1809 hatte er im österreichischen Heere gestanden , jetzt stand er in russischem Dienst und war auch der Feind ein gemeinsamer , so schmerzte es ihn doch , halb unter fremden Fahnen zu fechten . Er bat also abermals um Anstellung im Preußischen . Da man ihn aber nun bei der Infanterie verwenden zu können meinte , und dieser Dienst weder seiner Neigung , noch seiner Körperkonstitution entsprach , so zerschlugen sich die Unterhandlungen abermals und er blieb bei den Russen . Gleich nach dem Waffenstillstand , am 21. oder 24. August , war er mit Tschernyschew in der Nähe von Wittenberg und griff mit den Kosaken ein Karree polnischer Infanterie an . Das Pferd wurde ihm unterm Leib erschossen , die Kosaken kehrten um und ein Pole , der aus dem Karree heraustrat , hieb mit seinem kurzen Säbel auf ihn ein . Marwitz schützte sich mit seinem Arm , so gut er konnte , der ihm denn auch , samt der Hand , bei dieser Gelegenheit völlig zerhackt und zerhauen wurde . Endlich trat ein Offizier heraus und rettete ihn . Er ward in das Karree genommen und so angesichts der Seinigen , da die Kosaken nicht wieder zum Angriff zu bringen waren , erst nach Wittenberg , dann nach Leipzig geführt , wo er schlecht behandelt , eng eingesperrt und seine Wunden vernachlässigt wurden . Ende September gelang es ihm , sich unter vielen Gefahren und Abenteuern nach Prag hin zu retten . Hier wurden seine Wunden geheilt , aber die Hand blieb steif und unbrauchbar . In Prag traf er seine Freundin wieder – Rahel . Sie selbst hat diesen Moment des Wiedersehens in Briefen an Varnhagen und ihren Bruder Robert in sehr anschaulicher Weise beschrieben . Ich gebe diese Stelle , zugleich die Worte hinzufügend , in denen sie , nach Marwitzens eigener Erzählung , die Gefechtsszene bei Wittenberg beschreibt : » Gestern führte Tieck einen freiwilligen Jäger , einen Enkel des Staatsraths Albrecht ( aus Berlin ) bei mir ein . Als ich eben mit Tieck und dem jungen Jäger verhandle , geht meine Thür auf und – Marwitz steht vor mir . Den Arm in einer Binde , ruppig , abgemagert , steht er da , einen zerrissenen Bauernkittel an und ein Stück Commisbrod in ein grobes Schnupftuch eingewickelt , in der linken Hand . Welcher Jubel ! Er lebt , ist der Alte , ist gesund , hat aber acht Wunden . Sein Pferd fiel auf ihn und quetschte ihn . Polen fielen über ihn her und stießen ihn mit Kolben , wovon ihm der Degen entsank ; ein anderer packte ihn und gab ihm drei Hiebe in Hand und Arm , ein dritter einen Lanzenstich , ein vierter setzte ihm das Gewehr an den Kopf und schoß los , aber der Schuß versagte . Der Oberst der Polen sprang vor und rettete ihm das Leben . Gefangen war er aber und ist nur durch tausend Aventüren entkommen , und endlich hier . Er ist einfach , gut , wahr , still , mild wie immer , ohne alles Vorurtheil über irgend etwas , was vorgefallen ist . « » Nachschrift . Der polnische Offizier , der Marwitz gerettet hat , ist der Obristlieutenant Skrzynecki 43 , er bot Marwitz seine Börse an , ein gleiches that Obrist Szymanowsky . Ich schreibe dir dieß , weil der Krieg wunderbare Begegnungen schafft , und man wissen muß , wo man Gutes mit Gutem zu vergelten hat . « Am 15. September war Marwitz in Prag eingetroffen ; die Heilung seiner Wunden verzögerte sich und er blieb daselbst bis Mitte Dezember . Dieses Vierteljahr , das letzte , das ihm zu leben bestimmt war , ging wie ein Friedensschein über den Unrast seiner Tage auf . Den Frieden , dem er nachgeeilt war , ohne ihn finden zu können , hier fand er ihn und hier durfte er ihn finden . Die heilige Sache der Freiheit und des Vaterlandes drang siegreich vor , und ein Blick auf seine Wunden , das hohe Gefühl , selbst für diese Freiheit gekämpft und geblutet zu haben , gab ihm ein Anrecht , ohne Vorwurf und mit ungetrübter Freude dem Siegeszuge der Verbündeten zu folgen . Die Plauderstunden , in deren stillen Genuß sich sonst vielleicht ein Wermutstropfen , das demütigende Gefühl : » du solltest wo anders sein « , gemischt hätte , er durfte sie jetzt ganz und voll genießen , und er genoß sie wirklich . Die Briefe Rahels aus jener Zeit an Robert , an Varnhagen und andere Freunde lassen keinen Zweifel darüber . » Marwitz « , so schreibt sie an Varnhagen , » wohnt mit uns in demselben Hause . Die Wirthin nahm ihn gleich auf , aus Rahel- und aus Preußenliebe . Er hat es en prince und ißt bei uns . Ich und ein Stücker sechs bis acht Domestiken warten ihm auf . « – » Du fragst wegen Marwitz . Er hat keinen Orden , aber – Tieck las ihm gestern den Hamlet vor . Niebuhr , den Tieck den Muth hatte für hübsch ausgeben zu wollen , nennen wir seitdem › Venus ‹ und Marwitz heißt schlechtweg der › Sklave ‹ . Er rief mir nämlich zu : › Soll ich noch mehr Ihr Sklave sein ? ‹