Ich ging mit Natalien und Klotilden noch einmal zu dem Cereus peruvianus , der im Lampenlichte fast noch schöner war . Simon schien bei ihm wachen zu wollen . Immer gingen Leute ab und zu . Joseph hörten wir auch noch einmal spielen . Er spielte in der großen unteren Stube , wir traten ein , er hatte guten Wein vor sich , den ihm Risach gesendet hatte . Das ganze Hausvolk war um ihn versammelt . Wir hörten lange zu , und Klotilde begriff jetzt , warum ich im Gebirge so gestrebt habe , daß sie diesen Mann höre . Ein Teil der Gäste hatte noch heute das Haus verlassen , ein anderer wollte es bei Anbruch des nächsten Tages tun , und einige wollten noch bleiben . Im Laufe des folgenden Vormittages , da sich die Zahl der Anwesenden schon sehr gelichtet hatte , kamen noch einige Geschenke zum Vorscheine . Risach führte uns in das Vorratshaus , welches neben dem Schreinerhause war . Dort hatte man einen Platz geschafft , auf welchem mehrere mit Tüchern verhüllte Gegenstände standen . Risach ließ den ersten enthüllen , es war ein kunstreich geschnittener Tisch , und hatte den Marmor als Platte , welchen ich einst meinem Gastfreunde gebracht hatte , und über dessen Schicksal ich später in Ungewißheit war . » Die Platte ist schöner als tausende , « sagte Risach , » darum gebe ich das Geschenk meines einstigen Freundes in dieser Gestalt meinem jetzigen Sohne . Keinen Dank , bis alles vorüber ist . « Nun wurde ein großer , hoher Schrein enthüllt . » Ein Scherz von Eustach an dich , mein Sohn « , sagte Risach . Der Schrein war von allen Hölzern , welche unser Land aufzuweisen hat , in eingelegter Arbeit verfertigt . Eustach hatte die Zusammenstellung entworfen . Die Sache sah außerordentlich reizend aus . Ich hatte bei meinem Winterbesuche im Asperhofe an diesem Schreine arbeiten gesehen . Ich hatte damals die Ansammlung von Hölzern seltsam gefunden , auch hatte ich den Zweck des Schreines nicht erkannt . Er war in mein Arbeitszimmer für meine Mappen bestimmt . Zuletzt wurden mehrere Gegenstände enthüllt . Es waren die Ergänzungen zu meines Vaters Vertäflungen . Das war gleich auf den ersten Blick zu erkennen und erregte Freude ; aber o6 sie die rechten oder nachgebildete seien , war nicht zu entscheiden . Risach klärte alles auf . Es waren nachgebildete . Zu diesem Behufe hatte man von mir die Abbildungen der Vertäflungen des Vaters verlangt . Roland hatte vergeblich nach den echten geforscht . Er hatte Messungen nach den vorhandenen Resten vorgenommen und nach Orten gesucht , auf welche die Messungen paßten . In einem abgelegenen Teile der Holzbauten des steinernen Hauses hatte er endlich Bohlen gefunden , welche den Messungen genau entsprachen . Die Bohlen waren teils vermorscht , teils zerrissen , und trugen die Verletzungen , wie man die Schnitzereien von ihnen herab gerissen hatte . Es war nun fast gewiß , daß die Ergänzungen verloren gegangen seien . Man machte daher die Nachbildungen . In demselben Winterbesuche hatte ich auch das Bohlenwerk zu diesen Schnitzereien gesehen . Mein Vater erklärte die Arbeit für außerordentlich schön . » Sie hat auch lange gedauert , mein lieber Freund , « sagte Risach , » aber wir haben sie für dich zu Stande gebracht , und sie wird genau in dein Glashäuschen passen oder leicht einzupassen sein ; außer du zögest vor , die Schnitzereien in den Drenhof bringen zu lassen . « » So wird es auch geschehen , mein Freund « , sagte mein Vater . Nun ging es erst an ein Danksagen und an ein Ausdrücken der Freude . Die Geber lehnten jeden Dank von sich ab . Man beschloß , die Gegenstande in kurzer Zeit auf ihren Bestimmungsort zu bringen . An diesem Tage und in den folgenden verließen uns nach und nach alle Fremden , und erst jetzt begann ein liebes Leben unter lauter Angehörigen . Risach hatte für mich und Natalien eine sehr schöne Wohnung herrichten lassen . Sie konnte nicht groß sein , war aber sehr zierlich . In den zwei Jahren meiner Abwesenheit waren ihre Wände bekleidet und waren neue , ausgezeichnete Geräte für sie angeschafft worden . Wir beschlossen aber , unsere regelmäßige Wohnung so lange in dem Sternenhofe aufzuschlagen , bis ihn Gustav würde übernehmen können , damit Mathilde in der Zwischenzeit nicht zu vereinsamt wäre . Dabei würde ich oft in den Asperhof kommen , um mit Risach zu beratschlagen oder zu arbeiten , oft würden auch die andern kommen , und oft würden wir uns da oder im Gusterhofe oder im Sternenhofe oder in der Stadt besuchen und zeitweilig dort wohnen . Mit Natalien hatte ich eine größere Reise vor . Für den Fall , daß ich in was immer für Angelegenheiten abwesend sein sollte , nahm jedes Haus das Recht in Anspruch , Natalien beherbergen zu dürfen . Der Zitherspieler spielte täglich und oft ziemlich lange vor uns . Am fünften Tage kam die Zither . Ich überreichte sie ihm , und er , da er sie erkannte , wurde fast blaß vor Freude . Dieses Geschenk durfte das beste für ihn genannt werden ; von diesem Geschenke wird er sich nicht trennen , während es von jedem andern zweifelhaft wäre , ob er es nicht verschleudere . Als er die Zither gestimmt und auf ihr gespielt hatte , sahen wir erst , wie trefflich sie sei . Er wollte fast gar nicht aufhören zu spielen . Risach ließ ihm noch über ihr Fach ein wasserdichtes Lederbehältnis machen . Nach mehreren Tagen nahm er Abschied und verließ uns . Wir machten alle eine kleine Reise in das Ahornwirtshaus , und ich stellte Kaspar und alle andern , die mit mir in Verbindung gewesen waren , Risach , Mathilden , meinen Eltern und Natalien vor . Wir blieben sechs Tage in dem Ahornhause . Von da gingen wir in den Sternenhof . Die