da bewegen sie sanft und ungesehen . So klinge nur fort , frommes Saitenspiel des Herzens , aber wolle nichts ändern an der rohen , schweren Welt , die nur den Winden gehört und gehorcht , nicht den Tönen . « Hier fand ihn der Lektor Augusti , der mündlich von der Prinzessin Julienne inständige Bitten brachte , mit ihm in Gaspards Zimmer zu gehen , wo sie ihm die wichtigsten Worte über Schoppen zu sagen habe . Er ging leicht mit ; über das bedeckte Schicksal seines Schoppe erwartete er am ersten bei ihr Aufschluß ; auch sah er aus der kühnen Wahl des Boten , wie wichtig der armen Schwester seine Erscheinung sei . In Gaspards Zimmer verließ ihn Augusti schnell , um ihn anzukündigen und - allein zu lassen . In seinem Leben ging jetzt ein langer Donner ; kam er vom Himmel , von einem Strome , oder nur von einer Mühle , das wußt ' er noch nicht . Julienne stürzte weinend herein , konnte nicht sprechen vor heftigem Herzen : » Du gehst fort ? « fragte sie . » Ja ! « sagt ' er und bat sie sehr , weniger heftig zu sein ; denn er wußte , wie leicht ihn fremder Ungestüm ansteckte , da er ohne Zorn nicht einmal lange Schach spielen oder fechten konnte . Sie flehte ihn noch heftiger , nur zu bleiben , bis Gaspard wiederkomme . - » Kommt er wieder ? « fragte Albano . » Wie anders ? Aber die Unwürdige nicht « , sagte sie . - » Julienne , « ( versetzt ' er ernst ) » o sei nicht so hart gegen sie wie das Schicksal und lasse mich schweigen ! « - » Ich hasse jetzt alle Männer und dich auch « ( sagte sie ) - » Das kommt aus poetischen Gemütern heraus . - O welche rechtschaffene Braut hätte sich so leicht von einem solchen Selbstmörder verblenden lassen , welche ? - Aber ich sehe , du weißt nicht alles . « - » Dients aber zu was ? « fragte er . - Sie fing , verwundert über diese Frage , ohne Antwort die Erzählung an . Am Tage , wo Albano Schoppen gefunden , wollte Julienne ihre Freundin Linda , die sie seit dem Abende des Trauerspiels nicht gesehen , wieder besuchen . Alle Zimmer in Lilar waren dicht verhangen gegen den Tag . Julienne fand sie in der Finsternis sitzend , mit niedergesenkten , halboffnen Augen , äußerlich sehr ruhig . Nur in langen Zwischenräumen fiel eine kleine Träne aus den Augen heraus . Der reißende Strom ging hoch über die Räder ihres Lebens , und sie standen tief unten ihm still . » Bist du es , Julienne ? « ( sagte sie sanft ) » Verzeih die Finsternis ; Nacht ist für meine Augen jetzt Grün . Es tut mir weh , etwas zu sehen . « Die Brautfackel ihres Daseins war ausgelöscht , nun wollte sie Nacht zur Nacht . Julienne tat bange Fragen der Verwunderung ; sie gab keine Antwort darauf . » Ists ein Unglück zwischen dir und meinem Bruder ? « fragte Julienne , in welcher die Verwandtschaft immer wärmer sorgte als die Freundschaft . » Erwarte nur den Ritter , « ( antwortete sie ) » ich hab ' ihn herbitten lassen . « Er trat eben herein . Sie bat ihn , sich in diese kurze Nacht zu fügen . Nach einigem Schweigen stand sie stolz vom Stuhle auf , die schwarzgekleidete lange Gestalt hob vor dem Ritter , den sie nicht sah , die großen Augen gen Himmel , ihr stolzes Leben , bis jetzt ins Leichentuch gewickelt , schlug das Tuch zurück und stand blühend von Toten auf , und sie redete den Ritter an : » Verehrter Gaspard , Sie versprachen es mir , so wie auch mein Vater , daß dieser an meinem Hochzeitstage mir erscheinen werde . Der Tag ist vorbei . - Ich bin eine Witwe . Nun erschein ' er mir . « Hier unterbrach sie der Ritter : » Vorbei ? - O , ganz recht ! Ist er denn etwas Gescheuteres und Sittlicheres als ein Mensch ? « - und spottete wider seine Weise zornig-aufglühend , weil er glaubte , von Albano , dem er so lange vertrauet , sei die Rede . » Sie verkennen mich , « ( sagte Linda ) » ich spreche von einem Verstorbenen . « Vor Julienne fuhr plötzlich Roquairols Schatte , ferne Anklänge der Fürstin hatten ihn eingeläutet : » Allmächtiger Gott , « ( schrie sie auf ) » des verfluchten Selbstmörders Spiel hat Wahrheit ? « - » Er spielte , was geschah « ( sagte Linda ruhig ) - » Wir brechen ab . Ich reise . Ich verlange nichts als meinen Vater . « - Hier hielt Gaspard den von Starrsucht versteinerten Arm , wie von einem gezückten Dolch bewaffnet , gegen die Gräfin - die Finsternis machte die Erscheinung schwärzer und wilder - aber er brach das Eis des Todes wieder mit kalten Händen entzwei und bewegte sich und antwortete mit gelähmter Zunge : » Teufel und Gott ! Der Vater ist da ! - Der wird alles so nehmen - wie es ist Weiß Ers ? « - » Wer ? « fragte Linda . - » Und was beschloß Er ? Himmel ! Albano nämlich . « - Gaspard hatte in der Leidenschaft zugleich Cromwells Blödsinn der Zunge und dessen Schlausinn der Taten ; und blieb daher jeder Aufwallung , sogar der lieben den , so gram und fern wie » der Dummheit , die ihm « ( wie er sagte ) » noch viel verhaßter sei als das gerade Laster « . » Ich weiß nicht « ( sagte Linda ) - » Ich gehöre allein dem Toten an , der zweimal für mich gestorben ist . Sagt das meinem Vater . O