der Wurm , der den Geist der Nationen zerstört . Lassen wir ihn selber sprechen . » Die Nationalkraft ist der Urgrund alles Produzierens . Selbst wenn unsere Zustände , wie sie jetzt sind , sich befestigen sollten , selbst wenn wir Zeiten der Ruhe entgegengingen , die einen ungestörten Auf- und Ausbau dessen zuließen , was ihr einzuführen gedenkt ( Separation und Dörferabbau ) , so würde damit wenig gewonnen sein . Die Welt hat solche Zeiten schon ein mal gesehen . Es waren die Zeiten der besseren römischen Kaiser . Friede herrschte von den Säulen des Herkules bis zu den Ufern des Euphrat ; das Recht war genau bestimmt und wurde strenge gehandhabt , es wurden manche Roheiten der früheren Zeit verbannt durch die milde Gesinnung der Herrscher und überhaupt alle Störungen entfernt , die dem Wohlsein der einzelnen entgegenstehen mochten . Und doch waren dies dieselben Zeiten , in denen in den höheren Regionen des menschlichen Daseins völlige Öde herrschte , Zeiten , in denen weder Wissenschaft noch Religion , noch Vaterland die Menschen begeisterte . Aber mehr denn das -mehr in den Augen derer , die sich durch die Erscheinung bestechen lassen – auch der äußere Glanz verfiel . Schon unter Augustus verödeten ehemals berühmte Städte , und unter Trajan , dem besten der Kaiser , wurden im ganzen Peloponnes weniger Menschen gezählt , als früher in der einzigen Stadt Athen . So wahr ist es , daß nicht der einzelne produziert , sondern der Geist der Nationen , und daß , wo dieser erstorben und mit ihm Lebenslust und Freude an der Gegenwart entschwunden ist , auch das äußere Dasein allmählich in eine kümmerliche und barbarische Entartung zurücksinkt . Auf den Gemeinsinn , auf die Gesamtkraft kommt es an ; diese zu wecken ist Aufgabe , und alles , was die Kleinheit der Gesinnung und den Egoismus nährt , das schwächt die nationale Kraft und mindert dadurch den wahren und zuletzt auch den alleräußerlichsten Reichtum des Landes . Wohin der Dörferabbau führt , das läßt sich nirgends besser studieren , als im Oderbruch . Es gibt kaum ein ruchloseres Geschlecht . Weder vor göttlichen noch vor menschlichen Dingen haben sie Ehrfurcht , weder den Nachbarn wollen sie helfen , noch dem Staate dienen . Das letztere mit einigem Recht , denn sie verdanken ihm nichts . Im Gegenteil , er hat sie ausgestoßen und sie ihrer eigenen heillosen Roheit preisgegeben . « So waren Marwitzens Gedanken über diese hochwichtige Frage . Er suchte sie nicht als ein » Praktiker « , sondern von einem höheren Gesichtspunkt aus zu lösen . Nicht in allem hat er Recht behalten . Die Separation , die Teilung der Gemeinheiten ist erfolgt und dem Lande , wie sich kaum bestreiten läßt , zum Segen ausgeschlagen . Aber wenn auch die Gesamtheit seiner Aufstellungen seitdem widerlegt sein sollte , was nicht der Fall ist , so würden wir doch immer einer Gesinnung zuzustimmen haben , die diese Fragen von einem idealen Standpunkt aus zu regeln trachtete . Nicht als ein Richtiges , praktisch Unangreifbares habe ich seine Aussprüche zitiert , sondern nur um die hohe Art eines Charakters zu zeichnen , der es verschmähte , dem Tage und der Mode zu dienen . Sein Blick drang in Zeit und Raum über das Zunächstliegende hinaus . Unter solchen und ähnlichen Arbeiten , nur unterbrochen , wenn ein Besuch ihn zu den Berliner Freunden hinüberführte , verfloß das Jahr 1812 . Der November und die ersten Wochen des Dezember vergingen in wachsender Aufregung : die aus Rußland eintreffenden Nachrichten meldeten den sich vorbereitenden Untergang des Napoleonischen Heeres . Wie ihn das erfaßte ! Ein Hoffnungsstrahl dämmerte wieder . Die Studien , die Bücher waren ihm viel , aber der Krieg war ihm mehr , wenigstens ein solcher Krieg . » Alles Wissen war wertlos in einem Sklavenlande . « Krieg war gleichbedeutend mit Freiheit . Etwa am . 18. Dezember traf in Berlin die Nachricht vom Beresinaübergang ein . Marwitz war wie elektrisiert . Es war ihm klar , daß Preußen sich auf der Stelle erheben , die Reste der großen Armee gefangennehmen und dadurch auf einen Schlag die Niederlage des Kaisers vollenden mußte . Die eigene Wiederherstellung ergab sich dann von selbst . Aber wie das ins Werk setzen ? Er kannte zu gut die Halbheit , die Unentschiedenheit , die in den höchsten Regierungskreisen maßgebend war . Wie war dieser Geist der Schwäche zu bannen ? Er beschwor zunächst seinen älteren Bruder , alles alten Grolls uneingedenk zu sein , und , wie schon erzählt , eine Audienz bei Hardenberg nachzusuchen . Aber die Politik des Abwartens war noch nicht zu Ende . Beide Brüder empfanden die Hardenbergschen Vertröstungen mit gleicher Bitterkeit ; während aber der ältere nach Friedersdorf zurückkehrte , » auf Gott vertrauend , daß er sein großes begonnenes Wunder auch vollführen werde « , brannte dem jüngeren der Boden unter den Füßen . Er konnte sich nicht länger zur Untätigkeit verdammt sehen , und wenn Hardenberg nicht konnte oder wollte , so wollte er . In den ersten Tagen des Januar eilte er nach Ostpreußen . Hier wirkte er mit , daß sich die Provinz für Rußland und den General York erklärte und ihre Landwehr zu errichten begann . Als die ersten Reiterkorps der Russen über die Weichsel gingen , schloß er sich dem Oberst Tettenborn an . Diesen suchte er , als man ins Neumärkische kam , zu kühnen Streifzügen gegen Frankfurt , Seelow und andere kleine Städte , in denen die Trümmer der französischen Armee Posto gefaßt hatten , zu veranlassen ; Tettenborn aber , der sehr eitel war und durch einen nichtssagenden Streifzug gegen Berlin von sich reden machen wollte , opferte wirkliche Vorteile seiner Eitelkeit auf . Marwitz , als er das Spiel durchschaute , ging nach Breslau , um seinen Eintritt in die preußische Armee zu betreiben . Hier aber entwickelte sich alles zu langsam , und bei der Unruhe , die ihn