Gefahr entronnen war . Diese Zusammenziehung von Bewaffneten stand ohne Zweifel in Verbindung mit der geheimen Versammlung drüben im Roland ... Seine Empfindungen über diese Vermuthung schloß er tief und stumm in sein bewegtes Herz ... Die jungen Männer beschlossen , den räthselhaften Flüchtling die Nacht über zu begleiten , bis sie irgendeine der Postrouten erreichten , wo Armgart die Diligence besteigen konnte , um an den Ort ihrer nächsten Wünsche zu kommen , ins Stift Heiligenkreuz , wie sie sagte , bei Witoborn oder nach Westerhof zu Paula . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie es dann immer höher und höher ins Gebirge ging , lag die Gegend den Rückblickenden im Mondlicht so geisterhaft und märchenhaft da , wie ihnen ihre eigene Stimmung ... Der Strom , die Berge , die Ortschaften , alles wie verklärt ... Ein einziger stiller Friede ausgebreitet über soviel Leidenschaft , soviel Haß , Kampf und Gefahr ... Dabei stiegen noch Raketen auf aus den Weinbergen , wo man schon frühzeitiger die Weinlese begonnen - alles das so harmlos , wie zu Lust und Freude ... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Immer lauschiger wurde es am Wege ringsum und dunkler wurde der Wald zum Gebirge zu ... Eine Abtei lag in zertrümmerten von Buschwerk überwucherten Rundbogen , recht wie ein Zufluchtsort mitternächtiger Geister ... Wie schlummernd ragten ringsum die Tannen ... Nur die Fledermäuse huschten auf und die kleinen Schlangen eilten über den Weg hinwegzukommen , fliehend vor den jetzt langsam bergauf ziehenden Rossen ... Aus dem Walde tönten so seltsame Laute , wie vom Fuchs auf dem Raube und von der nur des Nachts die Augen öffnenden Eule ... Ein großer dunkler Vogel flog quer über den Weg , so mächtig , so weitausgeflügelt , als wtr ' es ein Adler gewesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Da kam ein neues Piket von Gensdarmen ... Es umringte ein offenes Wägelchen , das rasch an ihnen , niederwärts , vorüberglitt ... Erst als sich Benno über diese neue Begegnung mit den Wächtern der öffentlichen Sicherheit gesammelt hatte , fiel ihm die Gestalt auf , die auf dem Wägelchen gesessen ... Zusammengedrückt , im bloßen Kopfe , eine Pferdedecke über die Schulter geworfen , hatte jemand dagesessen und geblickt mit stieren Augen , wie die Augen der Hyäne leuchten mögen beim nächtlichen Raube , wenn sie vom Wege , die Löwen schon am Platze fürchtend , angstvoll zur Seite schleicht ... Vor und neben dem Gefangenen saßen zwei Männer in bürgerlicher Tracht , fest und aufrecht ... Anfangs glaubte Benno , seine Phantasie spiegelte ihm die Entdeckung des Mörders der Frau von Buschbeck in Jodocus Hammaker vor ... Indem trabte ein Reiter an ihnen vorüber , in grauem Militärmantel mit rothem Kragen ... Der Mantel schlug im schnellen Vorüber auf ... Der Reiter war ein Bürgerlicher ... Assessor von Enckefuß ! rief Benno ihm nach ... Der Reiter hörte nicht . Thiebold war schon lange in eigenthümliche Gedanken verloren und schien für jeden äußern Eindruck abgestorben ... In größter Aufregung fuhr Benno fort : Nun , mein Freund , da sehen Sie wie » diese Menschen « , wie Sie sie neulich zu nennen beliebten , die Augen offen halten und am rechten Platze Muth und Kraft in Muskeln und Adern haben ! Wie so ? Bemerkten Sie denn nicht eben ? - Was ? Keine Täuschung ! Der Mörder der Buschbeck ... Wovon sprechen Sie ? Sahen Sie denn nicht ? Wen ? Den Assessor von Enckefuß - Ich glaube , Sie träumen ! Eine eiserne Zeit wird kommen ! Nicht sechs Wochen ins Land - Sechs Wochen , glauben Sie , daß diese Reise - ? Ich begreife - was Dante zu den Ghibellinen zog ! Und während Thiebold jetzt seine in solchen Fällen gewöhnliche Wendung : » Warum haben Sie nur ewig die Malice , in meiner Gegenwart gelehrt zu sein ! Wer war dieser Dante ? Wer sind die Ghibellinen ? « heute wie abwesend und wie völlig über den Sänger der Hölle und des Fegfeuers und des Paradieses unterrichtet unterdrückte , klopfte Armgart von drinnen an das Fenster und bat mit zagender Stimme , da es draußen gewiß bitter kalt würde , die Freunde möchten doch hereinkommen ... Benno und Thiebold fühlten , daß diese von Armgart gesprochenen Worte nur so leise tönen konnten vor Thränen ... Der Wagen hielt an ... Schweigend stiegen die Freunde ein ... Thiebold mit der Entdeckung , die er erst seit einer halben Stunde gemacht : Armgart wird auch von Benno geliebt ! ... Benno in einer Aufregung , die mit mächtigster Gewalt plötzlich alle seine Gedanken mitten in die Erörterungen zurückversetzte , die er kürzlich mit Bonaventura gepflogen beim abendlichen Wandeln am Stromesufer ... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Und wer weiß , ob nicht auch Bonaventura noch stand und in demselben Nachthimmel seine Zukunft suchte und , durchschauert von bangen Ahnungen , der Worte des alten Kirchenvaters gedachte : » Steh ' auf um Mitternacht , blick ' in das Heer der Sterne und deute dir die tiefe Stille ! « Wenigstens wohnte er , ein Leichenbegleiter in jeder Beziehung ,