erschien , daß er für eine Art von Hausfreund gelten konnte . Er hatte eine dicke Mopsnase , welche durch einen Studentenhieb in zwei Abteilungen geteilt war , zum Denkzeichen einer großen Vornäsigkeit in der Jugend . Der Mund war sehr aufgeworfen und sinnich , und die Tonsur hatte sich allmählich ziemlich vergrößert , obgleich er sie immer noch streng in ihrer kreisrunden Form hielt , da er hierin gar keinen Spaß verstand und die Reitbahn , welche sich an seinem Hinterhaupte dem Blicke darbot , durchaus für eine Tonsur angesehen wissen wollte . Dieser Mann war nun vorzüglich drei Dinge ein leidenschaftlicher Esser und Trinker , ein großer religiöser Idealist und ein noch größerer Humorist . Und zwar war er letzteres in dem Sinne , daß er alle drei Minuten lang das Wort Humor verwendete und es zum Maßstabe und Kriterium alles dessen machte , was irgendwie vorfiel oder gesprochen wurde . Alles , was er selbst tat , redete und fühlte , gab er zunächst für humoristisch aus , und obgleich es dies nur in den minderen Fällen war und mehr in einem maßlosen Klappern und Feuerwerken mit gesuchten Gegensätzen , Bildern und Gleichnissen bestand , so ging aus diesem Wesen dennoch ein gewisser Humor heraus , welcher die Leute lachen machte , besonders wenn der Graf , Dorothea und Heinrich , welche in ihrem kleinen Finger , wenn sie ihn bewegten , mehr Humor hatten als der Pfarrer in seinem Gemüte , zusammensaßen und er ihnen mit ungeheurem Wortschwall erklärte , was Humor sei und wie sie von dieser Gottesgabe auch nicht eines Senfkörnleins groß besäßen . Er las eifrigst alle humoristischen Schriften und alle , welche vom Humor handelten , und hatte sich ein ordentliches System über dieses Feuchte , Flüssige , Ätherische , Weltumplätschernde , wie er es nannte , aufgebaut , das ziemlich mit seiner Theologie zusammenfiel . Cervantes führte er ebensooft im Munde wie Shakespeare , aber er fand den größten Gefallen an den unzähligen Prügeln , welche Sancho und der Ritter bekommen , an den Einseifungen , Prellereien und derben Sachen aller Art. Die göttlichen feineren Dinge sah und verstand er gar nicht oder wollte sie nicht sehen , besonders wenn sie wie auf ihn gemünzt waren , was dann zu den Versicherungen seines eigenen Humors den ergötzlichsten Gegensatz bildete . So sah er in dem Abenteuer in der Höhle des Montesinos nur eine äußere komische Schnurre ; den feinen Humor , der in dem langen Seile liegt , welches ganz nutzlos abgerollt wird , indessen der Ritter schon im Anfange die Augen schließt , und insbesondere die Art , wie er sich nachher vielfältig in Hinsicht des in der Höhle Gesehenen benimmt , dies alles sah er gar nicht oder rümpfte unmerklich die Nase dazu . Sein Idealismus , und er nannte sich bald rühmend , bald entschuldigend einen Idealisten , bestand darin , daß er gegenüber seinen Zuhörern , welche alles Wirkliche , Geschehende und Bestehende , sofern es sein eigenes Wesen ausreichend und gelungen ausdrückt , ideal nannten , eben dieses Wirkliche materiellen und groben Mist oder Staub schalt und dagegen alles Niegesehene , Nichtbegriffene , Namenlose und Unaussprechliche ideal hieß , was ebensogut war , als wenn man irgendeinen leeren Raum am Himmel Hinterpommern nennen wollte . Als Priester aber war er höchst freisinnig und über seine Kirche , in welcher er predigte , hinaus ; seine Religion dagegen war ein aufgeklärter Deismus , welchen er aber viel fanatischer vertrat als irgendein Pfaffe seine Satzungen . Er suchte einen rechten Höllenzwang auszuüben mit idealen und humoristischen Redensarten und bauete artige Scheiterhäufchen aus Antithesen , hinkenden Gleichnissen und gewaltsamen Witzen , worauf er den Verstand , den guten Willen und sogar das gute Gewissen seiner Gegner zu verbrennen trachtete , seiner eigenen Meinung zum angenehmen Brandopfer . Diese Lieblingsbeschäftigung , nebst dem reichlichen Tisch des Grafen , führte ihn häufig in das Haus , und da er zugleich eine ehrliche Haut und ein redlicher Helfer bei allen guten Unternehmungen der Herrschaft war , so wurde er zum Bedürfnis und zur bleibenden Heiterkeit des Hauses . Besonders Dorothea wußte ihn mit der leichtesten Anmut in den Irrgärten seines fanatischen Humors umherzuführen , neckend vor ihm hinzuhuschen und durch die verworrenen Buschwerke seines krausen Witzes zu schlüpfen . Unergründlich war es dabei , ob mehr ihr heiteres Wohlwollen oder ein bedenklicher Mutwillen im Spiele lag ; denn ebensooft , als sie dem Pfarrer Gelegenheit gab zu glänzen , verlockte sie seine Eitelkeit auf das Eis , wo sein Witz das Bein brach . Heinrich ward hierüber etwas verdutzt und verwirrt und wußte sich nicht recht in diesen Ton zu finden , auch wußte er anfangs nicht , worum es sich handelte , bis eines Mittags , als Dorothea in ebenso zarter als fröhlicher Weise den Pfarrer verführte , ihr allerlei seltsame und abenteuerliche Beweise für die Unsterblichkeit aufzuzählen , der Graf sagte » Sie müssen nämlich wissen , lieber Heinrich , daß Dortchen ganz auf eigene Faust nicht an die Unsterblichkeit glaubt , und zwar nicht etwa infolge angelernter und gelesener Dinge oder durch meinen Einfluß , sondern auf ganz originelle Weise , sozusagen von Kindesbeinen an ! « Dorothea schämte sich wie ein Backfischchen , dessen Herzensgeheimnis man verraten hat , und drückte das rotgewordene Gesicht auf das Tischtuch , daß die schwarzen Locken sich auf der weißen Fläche ausbreiteten . Dieser Vorgang machte auf Heinrich einen Eindruck , der aus Verwunderung und Überraschung gemischt war und jenen angenehmen Schrecken herbeiführte , welcher uns befällt , wenn wir entdecken , daß eine geliebte Person Eigentümlichkeiten und Nücken im Gemüte führt , von denen wir uns bei aller Bewunderung nichts träumen ließen . Er vermochte aber gar nichts dazu zu sagen , und erst als er nach Tisch mit dem Grafen durch die Gegend strich , befragte er ihn um das Nähere . » Es ist in der Tat so « , erwiderte derselbe ; » seit sie ihr Urteil nur