schloß das Schreibzeug zu und stellte es wieder weg . Gern wäre Clelia mit ihrem Vetter öfter zusammengekommen , aber es blieb bei kurzen , formellen Besuchen , denn ihre Gutmütigkeit konnte im Bewußtsein dessen , was geschehen sollte , eine befangene Stimmung nicht überwinden . Auch Oswald war einsilbig ; er sehnte sich nach Lisbeth und entbehrte sie schmerzlich . Diese blieb mehrere Tage lang aus , und die Qual des Harrens gab der jungen Baronesse die übelste Laune , die sich plötzlich gegen das arme Kind wendete . » Fancy « , sagte sie am dritten Tage , » wenn das Mädchen morgen nicht kommt , wenn ich noch länger hier herumgeführt werde , so fürchte ich bei der Unterredung von meiner Heftigkeit . « » Es wäre nicht zu verwundern , wenn die gnädige Frau heftig würden , denn so lange auf sich warten zu lassen , ist unerlaubt « , erwiderte Francy . Die junge Dame bedachte sich und sagte : » Aber wenn mir recht ist , so habe ich ihr ja gar nicht ankündigen lassen , daß ich mit ihr reden wollte . « » Nein , sie weiß nichts davon « , sagte Fancy . » Nun , so darf ich ihr ja auch deshalb nicht zürnen ! « rief Clelia zornig . » Wenn Sie sonst nicht wollen , gnädige Frau , nein . « Der Stramin , dieser Zeitvertreiber , wurde abermals zur Hand genommen . Clelia nähte eine halbe Dreifaltigkeitsblume , seufzte aber plötzlich , ließ den Stramin in den Schoß sinken und sagte gepreßt und schwer : » Edmund kann es nie verantworten , was er an mir getan hat . « Fancy seufzte auch und sprach : » Ich hätte das nimmermehr von dem Herrn gedacht . « » Jungfer « , sagte ihre Gebieterin mit einem strengen Tone , » ich verbitte mir alle Bemerkungen über meinen Gemahl . « » O mein Gott ! « rief Fancy und weinte , » nun sehen die gnädige Frau , was es zur Folge hat , wenn Herrschaften ihre Untergebenen durch zu große Güte verziehen . Ich erlaube mir schon Bemerkungen über den gnädigen Herrn . « Sie schluchzte und konnte sich über ihren Fehler gar nicht zufriedengeben . » Laß es doch nur gut sein , das Schluchzen ! « rief Clelia ärgerlich . - » Ich habe mich jetzt ganz kurz entschlossen . Meine Gesundheit kann ich hier nicht zusetzen . Ich werde die Sache doch dem Oberamtmann überlassen . « Fancy war die Beredsamkeit selbst , diesen Entschluß zu loben . » Ja « , sagte sie nach einer preisenden Rede über die doch stets so richtigen Gedanken der Herrin , » ja , der Herr Oberamtmann mag nur die Leutchen , die nicht zusammengehören , auseinanderbringen . Für die gnädige Frau paßt das auch nicht , Sie haben zu so etwas Feinem und Verwickeltem keine Anlage , nicht ein Kind könnten Sie , wenn es eine dumme Unart auslassen will , davon abhalten , aber der Herr Oberamtmann ist darauf gewitzigt , o der hört das Gras wachsen und macht einen mit der feinen List nach seiner Pfeife tanzen , wie er will . Ich wette darauf ; womit Sie sich in Gedanken schon drei Tage lang ängstigen , das hat er morgen in einem Viertelstündchen fertig ; die Mamsell reist sacht ab , weint ein paar Tränen , trocknet sie auf der nächsten Station , den jungen Herrn Grafen wird er auch bald herum haben , denn er besitzt einen ganz außerordentlichen Verstand in dergleichen Sachen , und so klug Sie sind , gnädige Frau , darin stehen Sie ihm nach . - Nein , Ihre Gesundheit dürfen Sie nicht zusetzen und noch dazu umsonst , denn es würde Ihnen schwerlich glücken , aber der Herr Oberamtmann ist der Mann dazu . Gleich hole ich ihn her , damit Sie ihm Ihre veränderte Meinung sagen können . « Die Baronesse hätte gern den unaufhaltsamen Fluß dieser Reden gehemmt , es war ihr aber nicht möglich , Fancys Zunge zum Schweigen zu bringen . Jetzt endlich konnte sie zum Worte kommen . Hochrot und mit den kleinen Füßen stampfend , rief sie : » Nein ! Nein ! Nein ! du sollst den Oberamtmann nicht holen , ich bin ebenso klug als er , Fancy bleib hier ! Fancy ! Fancy ! « - Aber Fancy hörte nicht , sondern sprang fort . - » Gott ! « rief Clelia , fast weinend vor Verdruß , » es ist doch zu arg mit einer solchen Gans von Mädchen , die immer das Echo von einem macht , da bringt sie wahrhaftig den Aktenmenschen schon herauf ; der Himmel sei ihm gnädig , wenn er sich über mich mokiert ! Aber was sage ich ihm ? denn nicht um die Welt lasse ich ihn sich einmischen . « Der Oberamtmann betrat mit Fancy das Zimmer . Fancy hatte ihm wirklich gesagt , die gnädige Frau wisse sich durchaus keinen Rat , die Mesalliance zu hindern , und der erfahrene Geschäftsmann konnte seinen Triumph darüber nicht verbergen . Es wäre möglich gewesen , daß Clelia ihm dennoch die ganze Angelegenheit in seine Hände zurückgegeben hätte , aber dann mußte er sich respektvoll , ernst und zurückhaltend nehmen . Er kam jedoch schmunzelnd , mit einer gewissen Überlegenheit in Blick und Haltung , er nahm sich vor , einen Scherz aus der Sache zu machen , sie nicht zu wichtig zu nehmen . Es war der erste Scherz , den der arme Oberamtmann auf der Reise ausgehen ließ und Ort und Stunde konnten dazu nicht unglücklicher gewählt sein . Sobald Clelia das Schmunzeln ihres Geschäftsfreundes und ehemaligen Nebenvormundes sah , sobald sie bemerkte , daß er ihr leichthin imponieren wolle , und gar , als sie mit weiblicher Ahnungsgabe seine Absicht , scherzen zu wollen , spürte , kehrte sie in den Besitz ihrer ganzen Festigkeit zurück ,