- » Wie die Dinge nachher wurden , « sprach der Komthur weiter , » so war mir ' s nicht gelegen Euch den Irrthum zu benehmen , denn ich sah Euch unglücklich seufzen unter dem eingebildeten Joche , und meiner Rache Ziel war erreicht . Dieses Stückleins habe ich mich stets gefreut , und Ihr mögt es jetzt meinem weichen Herzen und der Rührung Eures schönen Weibes danken , daß ich Euch den Aufschluß gab . Der vorgebliche Mönch ruht aber längst schon in der Erde . Ein ungeheuerer Polacke hieb ihn neben mir zusammen , in demselben Kampfe , der mir die kahle Stirne eintrug . « - » Komthur ! « rief Bilger außer sich vor Freude : » nimmer hat ein Teufel dem Menschen so viel des Übeln zugefügt , als Ihr , schwerverirrter Mann , mir des Guten gethan habt , in böser Tücke . Weib , Gattin , Katharine ! erwache und freue dich mit mir . Ich bin Dein , nur einzig und allein Dein Gatte . Keine Fremde hat Theil an mir , und unverletzt ist Deine Ehre , unsers Kindes Herkunft . Mag man mich nun auch von hinnen reißen , mich foltern , und mein Haupt vom Rumpfe trennen , weil ich in blindem Wüthen meinen Feind zu erschlagen begehrte , ... ist doch diese Schuld , die gräßliche Gewissensschuld von mir genommen . « - » Ich bin ein gnädiger Beichtiger ! « lachte der Komthur , wieder in seinem Gleichmuth zurücksinkend : » seyd Ihr hingegen ein kluges Beichtkind , und tödtet nicht durch vorlaute Rede die Arme , die jetzt erst mühselig aus der Ohnmacht wiederkehrt . Sie weiß noch nicht , was Ihr begangen , warum Ihr Euch hier befindet . Mitleidig verschwiegen ihr ' s die Oberin des Weißfrauenklosters , und Wallradens Freunde , damit sie gelinder und gemildert die Unglückspost aus Eurem Munde höre . « Der Herr von der Rhön schreckte heftig bei dieser Eröffnung zusammen . Das Schwerste war ihm demnach noch übrig , und langsam mußte er das Geständniß seiner That , die blutige Hoffnung seiner Zukunft den dringender und dringender werdenden Aufforderungen Katharinens entgegensetzen , welche begehrte , er möchte alsobald mit ihr und dem Kinde dies Haus verlassen , und niemals wieder von ihnen weichen . Die Tiefen des Gemüths , zumal des weiblichen Gefühls , sind unergründlich . Ungleich weniger als der Name Wallradens in obiger Beziehung Katharinen erschreckt hatte , erschütterte sie die Nachricht von Bilger ' s Schuld und gefährlicher Lage . Trotz ihrem weichen versöhnlichen Herzen fühlte sie eine Art von schreckhafter Freude da sie hörte , daß der Arm des beleidigten , verhöhnten , getäuschten Rudolph ' s das Werkzeug der Vergeltung gewesen war , daß durch ihn das gerechte Verhängniß die Frevlerin in den Staub gestürzt hatte . Denn ihre Leichtgläubigkeit hoffte aus diesem blutigen Vorgange Wallradens Besserung erwachsen zu sehen , und ihre Unerfahrenheit übersah spielend das drohende Schwert , das über ihres Gatten Haupte hing , an einem leisen Faden hing . Hatte er doch nur im gerechten Zorne das Schwert entblöst , und gebraucht ; war doch Wallrade nicht an der Wunde verschieden , und sogar die Hoffnung da , sie wieder herzustellen . Die kindliche Frau glaubte , es müßten recht bald dem Flüchtling die Thore geöffnet werden zum Auszug in die Freiheit ; sie dachte schon daran , wie sie vielleicht durch eine Fürbitte die Frist abkürzen könne . Bilger hingegen , welcher wohl wußte , daß der Bruch des Stadtfriedens , das Beginnen des Mordes die strengsten Richter finden würde , und daß die Gesetze der Reichsstadt für den Fremden mit Blut geschrieben waren , schwieg trübe und düster bei den Vorsätzen und Hoffnungen , die Katharine in ihrem wachsenden Muthe an den Tag legte , und konnte es nicht über sich gewinnen , durch ein beifälliges Lächeln die Arme zu täuschen . - » Gute Katharine ! « sprach er bewegt : » ich danke dem Himmel aus vollem Herzen , daß er mir das Glück gewährt hat , Euch noch einmal zu schauen , meine Lieben , die ich jetzt mit allem Recht mein nennen kann . Mehr zu begehren geziemt jedoch nicht meiner Schuld , nicht meinem jetzigen Zustande . Ihr habt selbst von den Soldwachen gesprochen , die des Hauses Pforte belagern ; Ihr habt mir selbst ihre Wachsamkeit geschildert , die Strenge , mit welcher sie Euch befragten , und den Argwohn , mit welchem sie Euch nachsahen , da Ihr mit Erlaubniß des Komthurs durch dieses Thor eingingt . Diese Wachsamkeit wird sich nur von Tag zu Tag verdoppeln ; begierig werden sie die Stunden zählen , nach deren Verlauf ich ihnen verfallen bin , und - ist die letzte verronnen , mir fürder keinen Augenblick mehr schenken . Ihren Ketten entgehe ich nicht , wie mein Haupt dem Spruche des Blutgerichts . betrüge Dich darum nicht mit eitler Hoffnung , gute Katharine . Wir haben uns wiedergefunden , um uns in Kurzem wieder zu verlieren , denn also ist ' s beschlossen im Himmel , und die Erfüllung dieses Beschlusses schreitet schnell auf Erden . « - » O , was sagst Du , mein Rudolph ? « seufzte Katharine aus bangem Herzen : » Du willst mir jede Hoffnung rauben ? Du verzweifelst an jeder Rettung ? « - » Warum mich hinhalten mit trügerischer Ahnung , mit falschem Vertrauen ? « - entgegnete von der Rhön : » Ich bin nur reich durch Euch , meine Lieben ! Gold und Silber habe ich nicht ; und wo findet der Arme einen uneigennützigen Retter ? « - Der Komthur , der bisher geschwiegen hatte , lächelte hierbei halb spöttisch , halb gutmüthig , und rief : » Bei Kreuz , Dorn und Wunden , Herr ! Ihr wißt die Waffen zu führen , habt gekämpft und die Wildbahn beritten wie ein erfahrner Jägersmann , und wollt nicht vertrauen auf