das Glück , aber doch Bescheidung und Ergebung gefunden ; die Leidenschaften sind gezähmt . Eine gerade in dieser Zeit besonders lebhafte Korrespondenz zwischen ihm und Rahel läßt uns Einblick in wenigstens eine Seite seines Tuns und Treibens gewinnen . Politische Dinge werden wenig berührt , oder doch nur in philosophisch abstrakter Weise . Persönlichstes aber kommt ausführlich zur Sprache und ästhetische Fragen werden mit Vorliebe behandelt . » Antworten Sie gleich , Ihre Briefe sind mir unentbehrlich « , schreibt Marwitz und fährt an einer anderen Stelle fort : » O wüßten Sie , wie ich Ihre Briefe empfange ! Ich lese sie drei- , viermal hintereinander , und dann laufe ich im Zimmer umher und lasse den Inhalt Ihrer Zeilen in mir nachklingen . « Tagebuchartig werden die Briefe geführt , was der Tag bringt und verweigert , wird besprochen . » Mit welchem Herzensanteil verfolge ich Ihre Spaziergänge in Sanssouci , wie gerne nähme ich teil daran ! « schreibt Rahel und Marwitz antwortet : » Auf Sanssouci war ich lange nicht , es ist jetzt dort stürmisch und öde ; öfters ging ich im Neuen Garten , wo der flutende See und die vielen dichten Tannengebüsche es lebendiger machen und die Marmorhalle vor dem Hause mir ernste , rührende und schwermütige Gedanken erweckt . « Immer wird von Berlin aus zur Arbeit ermutigt . » Nur ans Werk , wir warten hier auf Ihre Arbeit über die Propyläen und über die Politik des Aristoteles . « Daran schließen sich die Vorkommnisse der großen Stadt ; Reflexionen ranken sich um Großes und Kleines . » Gern hätte ich Ihnen gestern schon geschrieben , wenn mich nicht die Nachricht von Heinrich Kleists Tod völlig eingenommen hätte . Ich kenne nicht die näheren Umstände seines Todes ; aber es ist und bleibt ein Mut . Wer bangte nicht vor jenen › dunkeln Möglichkeiten ‹ ? Forsche ein jeder selbst , ob es viele oder wenige sind . « So schreibt Rahel , wohl in Vergessenheit , daß sie die Antwort auf diesen Brief vorweg empfangen hatte , als ihr Marwitz von Friedersdorf aus die schon zitierten Worte schrieb : » Mir ist der Selbstmord immer wie eine verruchte Roheit vorgekommen . « So läuft das briefliche Geplauder zwischen den Befreundeten , einmal heiter , einmal paradox , einmal tief , wie Stimmung und Ereignis das Wort gestalten . Jeden Abend schrieb er , aber der Tag gehörte den Studien . Die Marwitzsche Familie ist noch im Besitz umfangreicher Essays , kritischer Abhandlungen und Gutachten , die jener reifen Zeit ihre Entstehung verdanken . Alle diese Memoires teilen sich in zwei Gruppen , in politische und staatswissenschaftliche . In den Charakter und die Eigenart Napoleons einzudringen , schien er sich zu einer besonderen Aufgabe gemacht zu haben , und man erstaunt billig über die Reichhaltigkeit der zu diesem Zweck unternommenen Studien . Alles , was erschien , wurde gelesen und exzerpiert und unter der Überschrift » Bonapartiana « zusammengestellt . Dazu gesellten sich mündliche Mitteilungen und Auszüge aus Briefen . Was der Tag brachte , ward in bunter Reihenfolge registriert , und Oberst Spiegel , Gentz , Brinkmann , Fürst Lichtenstein , Oberst Bentheim , Itzenplitz , Müffling , General Krusemark fanden sich hier auf denselben Blättern zusammen . » Chassez moi cette Canaille là ! « so erzählt Oberst Spiegel , donnerte Bonaparte einem seiner Kammerherren zu , als er bei einer großen Cour jene dreizehn Kardinäle erblickte , die sich in der Scheidungs- und Wiedervermählungsfrage gegen ihn erklärt hatten . Und wenige Tage später – so fährt derselbe Oberst Spiegel fort – spuckte der Kaiser , mit unverkennbarer Absicht , mitten in die Reihe der Könige hinein , die bei der großen Vermählungszeremonie mit Marie Luise unmittelbar hinter ihm standen . Von besonderem Interesse unter diesen Aufzeichnungen ist die Ansprache Napoleons an eine Deputation märkischer Stände , die , wenn ich nicht irre zu Dresden , auf sein spezielles Geheiß vor ihm erschienen war . Der Kaiser , der sie durch liberale Phrasen kirren und an sich und seine Sache fesseln wollte , sagte mit jener rücksichtslosen Offenheit , die er ebensogut wie List und Verschlagenheit zu handhaben wußte : » Vous êtes gouvernés que cela fait pitié . Votre roi est ... Si l ' empereur Alexandre avait tardé de trois jours de faire sa paix , j ' aurais détrôné votre .. , et je vous aurais fait une constitution , qui vous manque . Nous sommes tous des Romains , les Français , les Italiens et les Allemands , nous sommes la même nation . Je vous aime , vous êtes de bons enfants . Mais par exemple je ne fais pas cas de vos militaires . D ' un côté ils ne sont pas de héros , et de l ' autre ils ont marché sur les têtes des bourgeois . – Je suis militaire , et ce n ' est pas moi , qui voudra jamais déroger aux privilèges du militaire , mais je ne permettrai jamais que mes soldats traitent les citoyens français comme les votres vous ont traités . « Itzenplitz , der ein Mitglied der Deputation war , hat diese Worte aufgezeichnet . Marwitz sammelte dergleichen zu doppeltem Zweck , zu seiner Instruktion und zur Nährung seines Hasses . Aber Hand in Hand mit diesen losen Kollektaneen , bei deren Durchblättern die ganze Epoche , der sie angehören , wieder lebendig vor uns hintritt , gingen abgerundete , tief durchdachte Arbeiten , von denen uns wenigstens eine über die sogenannte » Separation « , d.h. » die Teilung der Gemeinheiten « in aller Vollständigkeit aufbewahrt worden ist . Marwitz ist gegen die Separation . Er sucht zu beweisen , daß die » Teilung der Gemeinheiten « und das sogenannte » Abbauen der Dörfer « ein Fehler sei ; ein Fehler deshalb , weil es den Egoismus des einzelnen steigere , statt ihn zu mindern . Dieser Egoismus erscheint ihm als