Seba , welche ihre Nichte geflissentlich befragte , wo Paul geblieben sei . Diese versetzte ruhig : sie wisse es nicht ; er sei verdrießlich gewesen und in das Nebenzimmer gegangen . Als man ihn dort nicht fand , äußerte Davide die Erwartung , daß er zum Kehraus , für den sie mit ihm engagirt sei , schon wiederkommen werde ; und da er sich auch zu diesem nicht einstellte und Seba sich in Castigni ' s Beisein durch Paul ' s Entfernung beunruhigt zeigte , ließ Davide es errathen , daß sie einen kleinen Streit mit ihm gehabt habe , daß er mißmuthig gewesen sei und wohl vom Balle fortgegangen sein möge , weil er sie damit zu strafen geglaubt habe . Aber sie wisse sich zu trösten ; und an einem Tänzer , fügte sie mit einem lächelnden Blicke auf Castigni hinzu , wird es mir hoffentlich doch nicht fehlen . Inzwischen hatte auch Herr Flies seinen jungen Compagnon vermißt und kam , sich nach ihm zu erkundigen , da Paul , als er eine Weile neben Herrn Flies zusehend am Spieltische gesessen , sich über Kopfweh beklagt hatte . Seba konnte erkennen , daß ihr Vater eben so wenig als sie von Paul ' s Vorhaben unterrichtet gewesen sei , und es blieb unmöglich , sich auf dem Balle von Daviden eine Aufklärung zu verschaffen . Es war schon gegen den Morgen hin , als man , von dem Feste kommend , das Haus erreichte , und selbst während der Fahrt war keine Verständigung möglich gewesen , da man es nicht hatte vermeiden können , Herrn von Castigni ' s Begleitung anzunehmen , indem er , wie er sagte , im Vertrauen auf die Güte seiner Wirthe seinen Wagen einem Freunde angeboten und überlassen habe . Als der Hauswart die Thür öffnete , fragte Herr Flies zu Seba ' s und Daviden ' s Erschrecken , ob Herr Tremann schon zu Hause sei , und die beiden Frauenzimmer blickten einander verwundert an , als der Bescheid erfolgte , Herr Tremann sei ja schon gegen Mitternacht heimgekehrt und werde wohl noch wach sein , denn er habe frische Kerzen befohlen , weil er noch arbeiten wolle . Man trennte sich oben an der Thüre der Wohnzimmer . Herr von Castigni stieg wohlgelaunt , den Kopf voll froher Erinnerungen und noch freudigerer Aussichten , die Treppe zu seiner Wohnung hinauf , und ihre Nichte bei der Hand nehmend und rasch mit ihr in die Stube hineintretend , rief Seba : Du hast Dich also geirrt , Paul ist hier ! Gewiß nicht , entgegnete das junge Mädchen mit großer Bestimmtheit ; und während Herr Flies sich noch erkundigte , um was es sich handle , hatte Seba schon einen der Leuchter ergriffen und eilte durch den Glascorridor und die innere Treppe , welche Fräulein Esther einst zu ihrer Bequemlichkeit hatte erbauen lassen und die gerades Weges aus dem großen Saale des ersten Stockwerks in das Gartenzimmer führte , nach Paul ' s Wohnung hinunter . Sie klopfte an , es blieb Alles still . Die Thüre war unverschlossen , sie trat also ein , es war Niemand in dem Zimmer . Die Kerzen brannten auf dem Schreibtische , die Schlüssel steckten in den Schubladen und Schränken , Alles lag und stand wie immer , nur die Schreibmappe fehlte . Sie ging in die Nebenstube und öffnete den Kleiderschrank ; da hing der Anzug , den er auf dem Balle getragen hatte . Er war also wirklich nach Hause gekommen , was Seba schon zu bezweifeln angefangen hatte , und schnell , wie sie die Treppe herunter geeilt war , stieg sie dieselbe wieder hinauf , um sich mit den Ihrigen zu besprechen und zu berathen . Man wollte von Davide Auskunft haben , aber diese hatte nichts oder doch nur wenig zu berichten . Sie habe bemerkt , sagte sie , daß Paul öfter nach seiner Uhr gesehen , was er sonst nicht zu thun pflege . Er sei dazu so ungewöhnlich aufgeräumt gewesen , habe fortwährend mit ihr gescherzt , sich auch um die anderen Damen mehr als sonst bemüht , und während sie darüber nachgesonnen , was ihn in eine ihm so fremde Laune versetzt haben möge , habe er wieder plötzlich nach der Uhr gesehen und sei dann mit Einem Male fortgegangen und verschwunden . Seba wendete ihr ein , daß in diesen Dingen nichts gelegen habe , was Davide irgend zu der Vermuthung habe berechtigen können , daß Paul früher , als er es vorgehabt , seine Reise antreten , sie gleichsam als Flucht antreten werde , und Davide versuchte einen Augenblick , ihre frühere Erzählung durch Hinzufügung verschiedener kleiner Aeußerungen zu verdeutlichen . Indeß plötzlich schien sie anderen Sinnes zu werden , und sich in ihrer ganzen stattlichen Höhe aufrichtend , sprach sie , während ihre Wangen erglühten und ihre Augen , die sie auf den Onkel und auf Seba zu richten versuchte , sich unwillkürlich senkten : Ich will ' s Euch sagen , und Ihr könnt ' s mir glauben , denn ich bin ja nicht eitel und bilde mir nichts ein . Und da sie es nun sagen wollte , stockte ihr das Wort auf den Lippen in holdseliger Scham , und sie mußte sich zwingen , es auszusprechen . Paul , sagte sie , hat mich immer wie ein Kind behandelt , oder wie ein Spielzeug , denn so machen sie es ja Alle mit uns . Auch heute Abend that er das , Du hast es ja gehört , liebe Seba . Aber als wir tanzten und als er immer wieder nach seiner Uhr sah , da blickte er mich an , als wüßte er , daß ich mich um ihn sorgte . Er war ernsthaft , wenn man ihn nicht beachtete , und als er dann plötzlich aufbrach , da - da drückte er mir die Hand , wie man es nur beim Abschiede thut , wenn man