fricassirt von französischen zu Marschällen avancirten Köchen , als zerrissen von russischen Wölfen ! Zwei Alternativen hat ja die Welt nur : Czernebog , den Großen , oder Rom ! Benno fühlte das anders , doch wollte er nicht fehlen unter Leuten , die von Sturmglocken sprachen und das Wort : Von-Berg-zu-Berg-die-Feuerzeichen-Anzünden schon aus gedruckten fliegenden Blättern , aus Liedern und laut gesungenen Reimsprüchen wiederholten . Auch dem wirklich damals » beschränkten « und von Ministern deshalb gründlich verhöhnten » Unterthanenverstand « wollte er die Thorheit der Sensen und Aexte verweisen , mit denen die Bauern verlangten in die Städte geführt zu werden ... Es gefiel ihm sogar , daß Stephan Lengenich übernehmen sollte , einen großen Rath- und Hülfsverein im ganzen Lande zu begründen , einen Bund von Meistern und Gesellen , Handwerkervereine , die damals aller Orten im deutschen Vaterland und zur Anbahnung besserer Zeit auftauchten und von denen der Severinusverein nur erst ein schwaches Vorbild war ... Schon sah Benno mit scharfem Auge im Roland drüben die Fenster des zweiten Stockes erleuchtet ... Er verwünschte seine Verspätung bei der ihm wie ein Verhängniß lockenden Erörterung ... Einen Nachen suchte er jetzt und war , da er keinen fand , gerade im Begriff , schnellen Schritts auf einige Schifferhütten zuzueilen , die freilich noch einige tausend Schritt zu Berg entfernt lagen ... Da sieht er einen Wagen daherjagen und so dicht dem Ufer zu , als sollte ihn eine Fähre aufnehmen ... Diese Fähre sucht er ... Wie mußt ' er erstaunen , als jetzt jemand von dem Bedientensitz des Wagens springt , am Ufer im Röhricht krebst , dann mit einem großmächtigen Bündel zurückkehrt und endlich vollends , als er sieht , daß dies , wie es schien , Schmuggel treibende Individuum niemand anders war als Thiebold de Jonge ! Ja , aber ums Himmels willen ! Was haben Sie denn da ? rief er ihm schon aus der Ferne zu ... Thiebold , vollkommen wissend , daß Benno in der Nähe sein konnte , und darum auch schnell sich zurecht findend , antwortete sogleich mit einem Bedeuten um geheimnißvolle Stille und dem Winke , das » federleichte « Bündel mit aufladen zu helfen ... Mit den langgezogenen , völlig noch ungewiß tastenden Worten : » Aber - Sie sonderbarer - Schwärmer - ! « trat Benno näher ... Nun sieht er in den Wagen und sieht Armgart und Armgart sieht ihn , erkennt ihn und ruft : Jesus ! Der Benno ! Benno steht sprachlos . Thiebold klärt auf , soweit er kann , stopft das Gepäck hinein , ruft dem Kutscher den Namen eines Ortes zu , als den der ersten Poststation , und steigt windschnell wieder hintenauf ... Er scheint vorauszusetzen , daß Benno , dem allem wie etwas Unglaublichem zustaunend , dem tolldreistesten aller Menschen in die mondhelle Nacht hinaus die Königin seiner Träume wie zur Entführung überlassen soll ... Ein Augenblick jedoch - und auch Benno sitzt schon oben dicht neben Thiebold und der Roland und die Kirche und der Staat und der 28. Germinal und die Bulle De Salute animarum sind vergessen . Armgart sieht alles das voll Seligkeit und hätte nun am liebsten alle beide gleich hereingerufen . Sie hätte Benno die Hand drücken mögen vor Freude über diese doppelte Hülfe ... Aber schon flogen die Rosse zur Chaussee hinauf und auf dieser dann funkenstiebend weiter und weiter dahin ... Der Kutscher merkte schon , daß hier Romantik im Spiele war und dem Drusenheimer allein hatte auch er nicht zugesprochen . Endlich hatte sich Armgart gesammelt und machte wenigstens durch das Schiebfenster so viel Geständnisse , als nöthig waren , um nun schon von Benno Vorwürfe und ernste Ermahnungen zu hören . Darüber drängte ihn Thiebold , als » unerträglichen Pedanten « , vom Schiebfenster weg und klagte über Mangel an Raum ... Und als dann Benno mit Vernunft und Besonnenheit nicht enden wollte , verwies ihn Thiebold vorn auf den Kutscherbock , worüber beide jetzt unter sich selbst in freundschaftlichen Hader geriethen ... Am Ufer aber hinfahrend hatte Armgart alles drüben auf der Insel still gefunden und im Geiste der guten Angelika gedankt , die ihre Flucht sicher nicht verrathen , sondern gewiß zur suchenden Mutter von einem Versteck auf der Insel selbst gesprochen hatte . So fuhren sie schon unterhalb des Geierfelsen dahin ... Je weiter aber die Insel und der Fluß verschwanden , desto mehr verlor sie die Besinnung und alle ihre Gedanken fingen an , ihr wie zu vergehen ... Was sie von dannen trieb , glaubte Benno jetzt zu errathen ... Die Mutter war angekommen ! ... Er theilte Thiebold seine Vermuthung mit und seine Auslegung der so ihm nun erklärlichen Flucht ... Wie Thiebold , der natürlich die Rechte des Vaters , seines » Lebensretters « , weit über die der Mutter stellte , sich in Armgart ' s heroischer Herzensthat staunend zurecht fand , wurden sie plötzlich von Pferdehufen und von Säbelklappern aufgeschreckt ... Vier bis fünf Gensdarmen ritten an ihnen vorüber ... Benno erkannte Grützmachern und Schulzendorf ; diese erkannten ihn ... Herr von Asselyn ! hieß es mit harmlos überraschtem Tone . Wo wollen Sie denn so spät noch hin ? Thiebold , zwar vorlaut wie immer , aber etwas eingeschüchtert , nannte die nächste Station ... Major Schulzendorf blickte in den Schlag des Wagens . Er sah eine junge Dame ... Auf Damen lauteten die Ordres nicht ... Paschol , Herr Freiwilliger ! rief Grützmacher mit einem jener der Herrschaft des großen Czernebog angehörenden und 1813 in Deutschland zurückgebliebenen Kosackenworte und erinnerte bedeutungsvoll mit dieser Anrede den jungen Demagogen , daß er seine Gesinnung schon neulich als auf » Anno Köpenick « lautend genannt hatte . Der Wagen fuhr von dannen ... Und an einem Kreuzweg hielt wiederum ein berittener Gensdarm . Was geht denn hier vor ? fragte Thiebold höchst erstaunt und plötzlich jetzt von großer Sammlung und viel Vernunft . Benno ahnte fast , daß er einer großen